Wärmespeicherfähigkeit
Die Wärmespeicherfähigkeit gibt an,
wieviel Wärme (-energie) ein Bauteil
speichern kann, wenn sich die Temperatur
ändert.
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Was sagt die
Wärmespeicherfähigkeit für den Wandaufbau und
den Energieverbrauch aus?
Die Wärmespeicherfähigkeit sagt aus, wie
stark sich die Wand erwärmen wird, wenn man ihr
Wärmeenergie zuführt. In anderen Worten: Um
wieviel Grad Celsius sie wärmer wird, wenn von
innen durch die Heizung eine gewisse Energiemenge
zugeführt wird. Dabei ist aber zwischen
Wärmespeicherfähigkeit und Wärmeleitfähigkeit
("Dämmwirkung") zu unterscheiden.
Viele Materialen können Wärme gut speichern
(Metalle, Beton), sind aber im Vergleich zu
Dämmstoffen trotzdem gute Wärmeleiter. Meist
haben Materialien mit hohem Dämmwert eine
geringere Speicherfähigkeit als Materialien mit
schlechtem Dämmwert. Somit sagt die
Wärmespeicherfähigkeit nicht allzuviel über
den zu erwartenden Energieverbrauch aus. Bauwerke
aus stark wärmespeicherfähigen Materialien
können zur Beheizung sehr viel Energie
benötigen. Aus diesem Grund wird (üblicherweise
an der Außenseite) eine Wärmedämmung
angebracht, um den Energiefluss nach außen zu
verringern. Beispiel: Dämmung eines
Altbaubestandes aus Vollziegeln mit einem
Wärmedämmverbundsystem (Vollwärmeschutz).
| Trotzdem kann die
Speicherfähigkeit viel zum Raumklima
beitragen. Die Wärmespeicherfähigkeit
gibt ja gleichzeitig an, wie lange ein
Material bzw. eine Konstruktion
benötigt, um auszukühlen bzw. sich zu
erwärmen. Diese Eigenschaft gleicht also
Temperaturspitzen aus (im Sommer wie im
Winter). Festzuhalten ist aber hierbei,
dass dieser Prozess des kurzfristigen
Temperaturausgleiches nur in den ersten
Zentimetern der Wand passieren. Tiefere
Wandschichten sind für diese
Pufferwirkung praktisch nicht mehr
relevant. Somit kann dieses thermische
Verhalten der Wand auch durch geeignete
Innenputze oder Innenbeplankungen
erreicht werden. |
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Übrigens: Die Wärmespeicherfähigkeit
eines Hauses ergibt sich nicht nur durch die
Speichermassen der Außenwände. Auch
Innenwände, Böden und Decken sind thermisch
wirksam und können durch geeignete Ausgestaltung
zu einem ausgeglichenen Raumklima beitragen.
Leichtbau oder Massivbau: Speicherfähigkeit
im Sommer
Im Sommer überhitzt sich der Massivbau Iangsamer, da mehr Wärme von
den Bauteilen aufgenommen wird. Allerdings kann
die eingespeicherte Wärme in der Nacht oder in
der Früh auch schwieriger abgelüftet werden. Da
heute aber ohnehin alle Wohnbauten (egal ob
Leichtbau oder Massivbau) gut gedämmt werden,
spielen diese Effekte nicht mehr so eine große
Rolle. Genauso wie der Wärmeverlust im Winter
wird auch im Sommer die Erwärmung das Hauses
durch die hohe Lufttemperatur von außen durch
die Dämmung verringert.
Zusammenspiel von Wärmespeicherfähigkeit
und Heizung
Hohe Wärmespeicherfähigkeit bedeutet immer
eine gewisse thermische Trägheit. Dies wirkt
sich auch auf das Zusammenspiel mit dem
Heizsystem aus. Wenn kurzfristige
Temperaturänderungen ohnehin durch viel
gespeicherte Wärme aus den Bauteilen
ausgeglichen werden, muss das Heizsystem nicht
sofort reagieren. Träge reagierende Heizsysteme
(Wandheizung, Fußbodenheizung) sind also für
Massivbauten durchaus zweckmäßig. Im Gegensatz
dazu wurden früher hochgedämmte Leichtbauten
(z.B. die ersten Passivhäuser)
nur mit Luftheizungen ausgestattet, die sehr
schnell auf den aktuellen Wärmebedarf reagieren.
So kann bei Sonneneinstrahlung auf den plötzlich
reduzierten Wärmebedarf sehr schnell reagiert
werden und die Wärmezufuhr gestoppt werden.
Heute wird auch bei Leichtbauten häufig ein
trägeres Heizsystem zur Grundlastabdeckung
installiert, bei Passivhäusern spricht man auch
von Bauteilaktivierung.
Weitere Details zu Wärmespeicherfähigkeit,
Wärmespeicherkapazität, spezifische
Wärmespeicherkapazität, Wärmespeicherzahl
Jeder Stoff (also in diesem Zusammenhang jedes
Baumaterial) hat eine bestimmte Fähigkeit,
Wärme zu speichern. Diese Fähigkeit wird
beschrieben als "spezifische
Wärmespeicherkapazität c" und
üblicherweise gemessen in J/(kg K), also Joule
pro Kilogramm und Kelvin, oft auch in Wh/(kg K),
also Wattstunden pro Kilogramm und Kelvin.
Man kann diese spezifische Wärmekapazität
auch berechnen, und zwar mit
c = ΔQ / (m . ΔT)
also die zugeführte Wärmemenge dividiert durch
die Stoffmasse und die Temperaturänderung. Man
könnte diese Beziehung auch beschreiben mit der
benötigten Wärmemenge, die man einem Kilogramm
eines Stoffes zuführen muss, damit sich seine
Temperatur um 1°C erhöht.
Einige relevante Beispiele: (Quelle: Joanneum
Research, Handbuch für Energieberater). Die
Umrechung von Wärmeeinheiten kann man in der Onlineberechnung
durchführen.
| Stoff (Material) |
spez.
Wärmekapazität c
Wh/kgK |
| Vollziegel, Hohlziegel,
auch porosiert, Lehm, Marmor, Granit |
0,26 |
| Zementputz,
Kalk-Zementputz |
0,31 |
| Beton, Estrich |
0,31 |
| Holz, Holzfaserplatten,
Spanplatten |
0,65 |
| Gipskartonplatten |
0,29 |
| Steinwolle, Glaswolle,
Schaumglas |
0,25 |
| Korkplatte, Strohmatte |
0,17 |
| Polystyrol, Polyurethan |
0,35 |
| Stahl |
0,14 |
| Kupfer |
0,11 |
| Luft (bei 10°C) |
0,28 |
| Wasser (bei 20°C) |
1,16 |
Hier sieht man bereits, warum sich Wasser als
Wärmeträgermedium deutlich besser eignet als
Luft. Wenn man es z.B. um 10°C erwärmt kann man
mit einem kg Wasser sehr viel mehr Wärme
übertragen als mit allen anderen hier
angeführten Stoffen. Zu beachten ist in obiger
Tabelle natürlich auch, dass das Volumen eines
Kilogramms der verschiedenen Stoffe sehr
unterschiedlich ist (vergl. Vollziegel mit
Polystyrol). Aus diesem Grund wird manchal bei
Baumaterialien die Wärmespeicherzahl s
angegeben, die sich auf das Volumen bezieht
(Wh/m³K).
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