« Finanzierung

Inflations- und Zinsentwicklung - Seite 77 teilen

29.4.2024 -8.10.2026    1.563 Antworten    133 Autoren 1563 2026-10-08T13:35:11+02:00    202 Empfehlungen
     
Zusammenfassung
 1  2 ... 3 ... 75  76  77  78 ... 79 
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
29.04.2024
1765
Die Wahl der Verzinsungsart hat einen wesentlichen Einfluss auf die aktuelle und künftige Zinslast langfristiger Finanzierungen.
Dieser Thread beschäftigt sich mit dem Thema rund um die Entwicklung von Wirtschaft, Inflation, Geld- bzw. Kapitalmarktzinsen und der individuellen Wahl der geeigneten Verzinsungsart für das neue oder auch bestehende, eigene Finanzierungsprojekt.

Ein reger Austausch ist wünschenswert – idealerweise weitestgehend im Sinne der Sache.

  •  kkkkkh
2.9.2026  (#1521)
Erleben wir vielleicht demnächst eine Zinsphase ähnlich 1970-1990?
Vieles sieht danach aus als ob der nächste Zyklus sich ankündigt.

1
  •  geld26
3.9.2026  (#1522)

zitat..
kkkkkh schrieb: Erleben wir vielleicht demnächst eine Zinsphase ähnlich 1970-1990?
Vieles sieht danach aus als ob der nächste Zyklus sich ankündigt.

was würde das bedeuten für:
- Lebenserhaltungskosten
- Rohstoffpreisentwicklung (Gold, Silber)
- Aktienmarkt/ETFs
- Inflation
?


1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
3.9.2026  (#1523)

zitat..
LiConsult schrieb: ... während sich die Gas-Füllstände z.B. in Deutschland für den kommenden Winter auf dem tiefsten Stand aller Zeiten für diese Jahreszeit befinden (und etwa 17% unter dem Vorjahr)

... sowie auch in anderen großen EU-Volkswirtschaften ...

2026/20260903171868.png

... was dazu führt, dass auch der Strompreis (durch das Mertit-Order-System, bei dem Gaskraftwerke (die für die "Verstromung" benötigt werden) häufig den Grenzstrompreis festlegen) deutlich anzieht - hier dargestellt am 1Y-Forward Strompreis (somit dem heute vereinbarten Preis den Marktteilnehmer für den Strombezug in einem Jahr zahlen). 

2026/20260903734656.png
Für die Headline-Inflationsrate bedeutet das auch künftig alles andere als Entspannung.


1
  •  Hausbau24
  •   Silber-Award
4.9.2026  (#1524)

zitat..
geld26 schrieb:

──────..
kkkkkh schrieb: Erleben wir vielleicht demnächst eine Zinsphase ähnlich 1970-1990?
Vieles sieht danach aus als ob der nächste Zyklus sich ankündigt.
───────────────

was würde das bedeuten für:
- Lebenserhaltungskosten
- Rohstoffpreisentwicklung (Gold, Silber)
- Aktienmarkt/ETFs
- Inflation
?

Die Frage ist meiner Meinung nach nicht ganz in der richtigen Reihenfolge gestellt:

Rohstoffpreise steigen / Angebote- Nachfrageverhältnis verschiebt sich --> Inflation steigt
Inflation steigt --> Zinsen steigen (Hohe Zinsen dämpfen den Konsum und sollten den Preisanstieg stoppen)
Zinsen steigen --> Lebenserhaltungskosten steigen kurzfristig und stabilisieren sich mittel- und langfristig --> Inflation soll wieder sinken
Zinsen steigen --> Tendentiell schlecht für Aktienmärkte, da sichere Investments (Staatsanleihen bspw. bessere Zinsen bieten und Unternehmen unattraktiver werden, u. a. weil sie für Kredite mehr bezahlen und der Konsum schlecht ist)
Zinsen steigen --> mittelfristig ebenfalls eher schlecht für Edelmetalle, da keine laufende Rendite und andere festverzinsliche Produkte attraktiver




1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
4.9.2026  (#1525)

zitat..
LiConsult schrieb: auch der neue US-FED-Notenbankchef wird Lösungen zur Kontrolle der Inflation finden müssen - der Markt scheint die Richtung zu kennen:

in den USA scheint für die kommende Sitzung am 16.9. einiges für eine Zinsanhebung zu sprechen - umso mehr nach den soeben erschienenen Arbeitsmarktzahlen vom August:

2026/20260904694267.png

+162k neue Stellen anstatt der erwarteten 55k, Arbeitslosenrate konstant wie erwartet bei 4,1%, Gehälter im Vergleich zum Vorjahresmonat +4,1%.

aktuelle Terminmarkterwartung (FED-Funds-Futures) bis 03/2027 sieht +0,5% beim US-Leitzinssatz:

2026/20260904413083.png

1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
7.9.2026  (#1526)

2026/2026090794533.png


1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
10.9.2026  (#1527)
Heute ist EZB-Tag:

gemäß Taylor-Regel, die den "optimalen" Zinssatz unter Berücksichtigung von Beschäftigung und Inflation (in Deutschland 2,9%) darstellt, müsste der aktuelle Leitzinssatz um 2,25% höher sein.

2026/20260910867209.png


Eine Erhöhung um 0,25% scheint bei der heutigen Sitzung aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich.

1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
10.9.2026  (#1528)
... und so wurde entschieden:

2026/20260910756205.png

https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.mp260910~314e508016.en.html

neuer Einlagensatz 2,50%, Leitzinssatz 2,65%, Spitzenrefinanzierungssatz 2,90%

2026/20260910561992.png


Bilanzsummereduktion der EZB mit EUR 5,9 Bio. aktuell noch immer deutlich über Corona-Krisenniveau.

Zwar sieht die EZB in ihrer neuesten Projektion ein stärkeres Wirtschaftswachstum...

2026/20260910834331.png


... jedoch schreitet auch die Eindämmung der Preissteigerungsraten zum definierten Ziel von 2% langsamer voran ... 

2026/2026091051293.png

... Terminmarkt preist bis Oktober 2027 daher 3(!) weitere Zinsanhebungen um je 0,25% ein.

1
  • ▾ Anzeige
    Energiesparhaus.at ist Teilnehmer des durchblicker-Partnerprogramms.
Hallo LiConsult, kostenlos und unverbildlich kann man Kredite auf durchblicker.at vergleichen, das hilft auch das Angebot der Hausbank besser einschätzen zu können.
  •  FranzGrande
  •   Silber-Award
11.9.2026  (#1529)
Gute Nacht, Weltwirtschaft, wenn das so weitergeht. Denselben toxischen Mix hatten wir schon vor drei Jahren (hohe Energiepreise und hohe Zinsen). Diesmal ist die Wirtschaft aber schon geschwächt. Pfuh.

1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
13.9.2026  (#1530)
speziell für Ö mit einem aus vielerlei Gründen (außerhalb der Zinsbelastung) mittlerweile "chronisch" schwachen Wachstum, bergen sich ebenfalls besondere Herausforderungen. Über mehr als 1,5 Jahrzehnte lag das Wachstum (mit Ausnahme der Pandemie-Zeit) über der durchschnittlichen Staatsanleihenverzinsung.

Diese Zeit wird mit Beginn des neuen Jahrzehntes vorbei sein:

2026/20260913150463.png
Was beim Aufkommen von Inflationsdynamik hinzuzukommen droht, sind die Zweitrundeneffekte (die sich in Ö deutlich stärker entwickeln als im EUR-Raum). Wenn die Produktivität nicht ebenso gesteigert werden kann, dann wird es problematisch.

2026/20260914560684.png

1
  •  geld26
14.9.2026  (#1531)
wie geht ihr vor, auch in Hinblick auf die FED am Mittwoch: Denkt ihr an, ETFs/Aktien entsprechend vom Markt zu nehmen?

1
  •  Zwosti
  •   Bronze-Award
14.9.2026  (#1532)

zitat..
geld26 schrieb:

wie geht ihr vor, auch in Hinblick auf die FED am Mittwoch: Denkt ihr an, ETFs/Aktien entsprechend vom Markt zu nehmen?

Nö, warum...


1
  •  thohem
15.9.2026  (#1533)
Ich hab nur (aber schon seit längerem) die ganzen Beteiligungen an KI (S&P500 zB) verkauft und grade rechtzeitig vor deren Crash die ganzen asml, sk hynix, micron usw verkauft. Rest rennt weiter

1
  •  PhilippG
  •   Bronze-Award
15.9.2026  (#1534)

zitat..
Zwosti schrieb:

──────..
geld26 schrieb:

wie geht ihr vor, auch in Hinblick auf die FED am Mittwoch: Denkt ihr an, ETFs/Aktien entsprechend vom Markt zu nehmen?
───────────────

Nö, warum...

verstehe ich auch nicht ganz? etf plan läuft ja voraussichtlich noch 25-30 jahre, da wird es noch ein paar zinserhöhungen und senkungen geben. 

1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
15.9.2026  (#1535)

zitat..
LiConsult schrieb: Man merkt an den langfristigen Finanzierungskonditionen (25-30Y), dass immer häufiger bereits wieder die 4 vor dem Komma steht.

mit dem Ausverkauf an Staatsanleihen und dem damit verbundenen Steigen der Anleiherenditen - Deutschland weist mit 3,57% für seine 10Y-Staatsanleihen den höchsten Stand seit 2009 in diesem Laufzeitensegment auf - steigen auch die laufzeitkonformen Derivate (SWAP) und damit auch die langfristigen Finanzierungskonditionen.


2026/20260915990718.png

Ebenfalls spannend zu beobachten ist, dass die Renditekurve zwischen 2Y und 35Y-Laufzeiten mehr oder weniger gänzlich flach ist.

1
  •  Miike
  •   Gold-Award
15.9.2026  (#1536)
Was die Inflationsentwicklung betrifft, könnte das dicke Ende noch vor uns liegen. Die IEA meldet mittlerweile einen Abbau der global beobachteten Ölvorräte um 507 Mio. Barrel seit Kriegsbeginn, davon alleine 95 Mio. Barrel im August. Und da ist die Pipeline in Saudi-Arabien noch gelaufen und es gab keine Eskalation im Roten Meer.

Das könnte auch erklären, warum die Auswirkungen bisher vergleichsweise beherrschbar wirkten: Der Ausfall wurde über Monate aus den vorhandenen Puffern kompensiert. Diese Puffer sind aber endlich. J.P. Morgan sieht bei rund 7,6 Mrd. Barrel bereits eine operative Stressschwelle. Da stehen wir nun defacto. 

Gleichzeitig sind Diesel/Destillate auf Rekordniveau und die Diesel-Exporte aus dem Golf auf nur noch gut ein Viertel des Vorkriegsniveaus gefallen. Tanker-Frachtraten von über 1 Mio. Dollar pro Tag stehen auf Rekordniveau. Diesel ist momentan wahrscheinlich das deutlichste Warnsignal: Laut IEA kostet Diesel/Gasoil in den USA inzwischen mehr als 200 Dollar je Barrel, 94 % mehr als vor dem Krieg; Europa und Asien liegen nicht weit dahinter. Für mich liegt genau darin das unterschätzte Risiko: Wir erleben möglicherweise keinen linearen Anstieg der Probleme. Lange funktioniert das System scheinbar normal, weil Lagerbestände den Schock auffangen – bis dieser Puffer nicht mehr ausreichend vorhanden ist.

Dann erfolgt die explosionsartige Anpassung über höhere Preise und letztlich Nachfragezerstörung. Aber vielleicht rufen die Amerikaner in der Zwischenzeit zum 34. Mal den Sieg des Krieges aus und alles ist wieder gut🤔.

1
  •  Namor1
15.9.2026  (#1537)
Wichtig auch die Öl-Import-Zurückhaltung der Chinesen am Anfang des Krieges. Auch das hat viel Druck vom Öl genommen. 

Man kann nicht ausschließen, dass die USA von Anfang an einen hohen Ölpreis als Teilziel angestrebt haben. Wäre dem so, würden sie es nicht sagen, sondern das Gegenteil. Frei nach dem Motto: Haltet den Dieb, schreit der Dieb.

Für den Westen wird Öl teurer und die Inflation steigt, unangenehm. Für sehr sehr viele andere Menschen auf der Welt wird das tägliche Essen kaum mehr bezahlbar. Düngerpreise hängen stark an Energie, Transport riesiger Mengen Lebensmittel in die Importländer sowieso.

Der arabische Frühling wurde als Bewegung der Aufklärung verkauft. Ich habe steigende Weizenpreise als Auslöser in Erinnerung.

1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
16.9.2026  (#1538)
Heute ist FED-Tag

Juni:

zitat..
LiConsult schrieb: In der aktuellen Projektion des Terminmarktes (FED Funds Rate) wird von einer Erhöhung bis zum Dezember Notenbanktermin um 0,25% ausgegangen ...

Anfang September:

zitat..
LiConsult schrieb: aktuelle Terminmarkterwartung (FED-Funds-Futures) bis 03/2027 sieht +0,5% beim US-Leitzinssatz:


in der Vergangenheit konnte sich der Markt auf die Erfüllung seiner Zinserwartung durch das FED verlassen ... wenn es um Anhebungen ging: 

2026/2026091695885.png

https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-09-15/history-shows-fed-will-deliver-rate-hike-markets-have-locked-in

Markterwartung deckt sich mehr oder weniger mit der Erwartung der führenden Geldhäuser:

2026/20260916698702.png


1
  •  bauherr79
  •   Gold-Award
16.9.2026  (#1539)
Man kann nur hoffen, dass der große Knall erst im Frühjahr kommt, wenn die Heizsaison vorbei ist. Täglich fehlen derzeit 2,8 Millionen Barrel Öl, die von den Reserven aufgefangen werden müssen.
Angeblich gibt es weltweit (ohne China) an die 1,2 Milliarden Barrel Ölreserven. Davon dürfte aber schon viel verbraucht sein.
China hat angeblich nochmal 1,3 Milliarden Barrel Ölreserven, die das Land aber für die eigene Wirtschaft nutzt.
Sollten die Ölreserven weiter in dem Tempo aufgebraucht werden (die USA haben angeblich nur mehr 290 Millionen Barrel Reserve, was um über 400 Millionen weniger wäre als vor der Krise), kann bald der kritische Punkt erreicht werden, wo Ölhändler in Panik verfallen. Dann gibt es einen dramtatischen Anstieg der Ölpreise und einen Crash an den Börsen, der ähnlich wie 2008 aussehen könnte.
Einzige Möglichkeit, dies abzuwenden, wäre ein Ende des Kriegs zwischen Russland und Ukraine als auch ein Frieden im Nahen Osten. Beides jedoch sehr unwahrscheinlich.

1
  •  speeeedcat
  •   Gold-Award
16.9.2026  (#1540)

zitat..
bauherr79 schrieb: (die USA haben angeblich nur mehr 290 Millionen Barrel Reserve, was um über 400 Millionen weniger wäre als vor der Krise),

Das systemkritische Limit sind 200 Millionen, also knapp davor ...


1
  •  LiConsult
  •   Gold-Award
16.9.2026  (#1541)

zitat..
bauherr79 schrieb: Angeblich gibt es weltweit (ohne China) an die 1,2 Milliarden Barrel Ölreserven.

sind "etwas" mehr ... 

2026/20260916472511.png

... nichtsdestotrotz: bei dem starken Rückgang ist eine dadurch drohende Rezession ein eher beschönigender Begriff - "Kollaps" trifft es wahrscheinlich eher.


1


Beitrag schreiben / Werbung ausblenden?
Einloggen

 Kostenlos registrieren [Mehr Infos]