Inflations- und Zinsentwicklung - Seite 76
29.4.2024
-7.9.2026
1.526 Antworten
133 Autoren
202 Empfehlungen
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für die EZB-Sitzung in der kommenden Woche scheint der Weg in Richtung der zweiten Zinsanhebung 2026 zumindest nicht überraschend zu sein: https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-07-18/ecb-expected-to-skip-rate-hike-keep-september-option-open?srnd=homepage-europe |
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Heute ist EZB-Tag. Gemäß Taylor-Regel müsste der Hauptrefinanzierungssatz (= Leitzinssatz) eigentlich um 1,7% höher sein (aktuell 2,4%). Märkte preisen derzeit knapp 2 weitere Anhebungen für 2026 ein - let´s see ... |
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in welchen Währungsraum man in diesen Tagen auch immer blickt - die Renditen langlaufender (30Y) Staatsanleihen steigen weltweit auf neue, mehrjährige Hochs. Am auffälligsten Japan, das durch seine deflatorische Situation notenbankseitig über viele Jahre Nullzinsen verordnete, hat im Langfristbereich mittlerweile höhere Renditen als Deutschland (!) |
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EZB belässt den Einlagensatz (und damit die anderen Fazilitäten) bei dieser Sitzung unverändert: |
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... weltweit betrachtet steigen die Refinanzierungskosten derzeit auf das höchste Level seit Lehman ... ... mit entsprechenden Auswirkungen auch auf die heimischen Finanzierungskonditionen vor allem im Langfristsegment. |
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Was Verbraucher in der EUR-Zone erwarten: |
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Die heutige FED Entscheidung brachte keine Zinsänderung, jedoch plädierten 3 der 12 Mitglieder (eine relativ hohe Quote) für eine Erhöhung. Die 2Y-Renditen fallen wieder, was vermuten lässt, dass ein paar größere Marktteilnehmer möglicherweise auf dem falschen Fuß erwischt wurden ... ... während die Renditen am langen Ende der Zinskurve wieder auf das höchste Level seit 2007 klettern ... ... und die US-Zinskurve wieder steiler wird |
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die Zeit des "gratis"-Geldes ist auch bei Realzinsbetrachtung (= nomineller Zinssatz minus Inflationsrate) definitiv vorbei. Waren im Großteil einer ganzen Dekade zwischen 2012 und 2022 die Realzinsen zum Teil deutlich negativ, so steigen diese beginnend mit 2023 stetig an - derzeit auf 1,17% und damit den höchsten Wert seit 2011. Gut für Sparer - schlecht für Kreditnehmer ... und freilich den Staat |
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ich glaub meine Bank hat die info noch nicht bekommen :) |
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Eine interessante Analyse hat die Commerzbank jüngst veröffentlicht - das Thema: wie unabhängig agieren Notenbanken in ihren geldpolitischen Entscheidungen Dazu wurden mittels KI etwa 5.000 Aussagen ab 2001 von Finanz- bzw. Wirtschaftsministern und Regierungschefs ausgewertet und in einem Index - dem Central Bank Pressure Index (CBPI) zusammengefasst. So war in Europa vor allem während der Staatsschuldenkrise die Forderung nach Anleihenkäufen, Bankstützungen bis hin zu Zinssenkungen bedeutend. In den USA stechen die Phasen der Trump-Präsidentschaft hervor. Dennoch dürfte es so sein, dass man sich auf die Unabhängigkeit der Zentralbanken weiterhin verlassen darf - auch wenn diese weiterhin vor dem Versuch der Einflussnahme nicht gefeit sein dürften. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte kann uns diesbezüglich weiter hoffen lassen: bzw. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S026156062600080X |
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Gegenwärtig gibt es einen spürbaren Druck auf die weltweiten Anleihenmärkte, was bei den Langfristzinsen zu deutlich höheren Renditen führt. Gründe dafür sind altbekannt - zum einen die starke Angebotsausweitung infolge höherer Staatsverschuldungen gepaart mit dem Verlangen des Marktes nach höherer Kompensation und zum anderen die aufkeimende Inflation infolge der steigenden Energiepreise. Dazu kommt noch ein starker Verkaufsdruck - speziell in den USA (wo die Inflation seit 5 Jahren beharrlich über dem FED-Ziel verharrt). 30Y US-Staatsanleihen auf höchstem Niveau seit 2007 "im Konzert" mit anderen großen Währungsräumen: ![]() bzw. im weltweiten Index zusammengefasst: ![]() ![]() Energiepreise (nicht nur Öl, sondern vor allem elektrischer Strom) steigen deutlich auch in jenen Ländern, die über Kernkraft verfügen ... ![]() ... während sich die Gas-Füllstände z.B. in Deutschland für den kommenden Winter auf dem tiefsten Stand aller Zeiten für diese Jahreszeit befinden (und etwa 17% unter dem Vorjahr) ![]() Man merkt an den langfristigen Finanzierungskonditionen (25-30Y), dass immer häufiger bereits wieder die 4 vor dem Komma steht.
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Bin gespannt wie lange die Notenbanken noch ohne interventionistische Maßnahmen (Zinssenkungen, Anleihenkäufe) auskommen. |
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ja, für mich stellt sich halt immer stärker gar nicht die Frage, wann das FED oder die EZB das nächste mal senkt (was angesichts der Inflationserwartung ohnehin derzeit schwierig begründbar scheint), sondern warum trotz dieser Markt"hoffnung" die langen Zinsen dennoch steigen. Der Marktdruck dürfte immens sein und offenbar auch nicht durch Ausweitung von Kaufprogrammen merkbar gelindert werden können - abgesehen davon, dass die aktuelle Notenbankpolitik von einer Senkung der Notenbankbilanzen in EURopa (das APP-Programm der EZB ist beispielsweise bereits 6/2022 ausgelaufen) und den USA geprägt ist. Freilich - durch Senkung der Fazilitäten könnte man das ganz kurze Ende "entspannen" und auch die nationalen Budgets entlasten. Vor Corona refinanzierten sich viele Staaten noch in geringerem Ausmaß über Treasury Bills (kurzfristige Schuldverschreibungen) - in Ö etwa 20%. 2025 lag der Anteil schon bei 40%. Eine Renditeerhöhung im kurzfristigen Bereich wirkt somit direkt budgetbelastend. ![]() ... schwierig, an den EURIBORs lässt sich die Markterwartung betreffend die Leitzinsentwicklung derzeit ganz gut ablesen - und hier ist eine Senkung noch nicht in Griffweite, eher im Gegenteil: die aktuelle Markterwartung geht deutlich in die andere Richtung: ![]() |
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Das ist super-interessant: nachdem gestern auch die 30Y US-Treasury Rendite den höchsten Stand seit 2007 erreicht hatte, verlautbarte heute der Finanzminister, dass die Anleihenkäufe am langen Ende der Zinskurve pro Operation von 2 Mrd. auf 4 Mrd. verdoppelt werden. Rein von der Größenordnung her sind das keine gewaltigen Beträge, jedoch offenbaren die Maßnahmen meiner Ansicht nach einen möglichen Beginn einer Art YCC (yield curve control - "Zinskurvenmanagement") Die Rendite fällt um 9 Basispunkte auf 5,19%. Offenbar liegt der Triggerpunkt der 30-jährigen US-Staatsanleiherendite bei rund um etwa 5,3%. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-08-19/long-dated-treasuries-rally-as-treasury-boosts-bond-buybacks |
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Mitte November 2025:
vor einem dreiviertel Jahr wurden die 30-jährigen Deutschen Bundesanleihen noch zu 3,26% emittiert - bei der heutigen Emission sind es für dieselbe Laufzeit mit bereits 3,64%, die höchsten Kapitalkosten seit 2011, die vom Staat (seinen Bürgern) zu bezahlen sind. Für 2027 wird bei unserem Nachbarn der Netto-Neukreditbedarf mit grob 207 Mrd. geschätzt - mit Nettoemissionen an Bundesanleihen i.d.H. von 163 Mrd. Beide Werte stellen einen Rekord dar und dürften die EUR Langfristzinsen samt laufzeitkonformer SWAPs auch weiterhin kräftig unterstützen. |
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Was Konsumenten in der EUR-Zone erwarten: ![]() |
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nicht nur der Terminmarkt preist für die kommenden 12 Monate grob zwei weitere Zinsanhebungen ein - auch die gewichtigen Stimmen in der EZB positionieren sich dementsprechend: "Inflation likely to top 2% for extended period" bzw. "Economy looks to be gaining further momentum" bzw. "ECB must prevent second-round effects early on" https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-08-26/ecb-s-schnabel-says-rates-must-rise-more-on-resilient-economy bzw. https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/ezb-schnabel-prescht-vor-und-fordert-zinserhoehung-im-september/100249668.html Die Zinskurve hat sich in den vergangenen Wochen weiter bedeutend verflacht (zwischen 25Y und 10Y beträgt der Unterschied nur mehr grob 1/8%). Seit geraumer Zeit sind durch die steigenden Geldmarktsätze variabel verzinste Vereinbarungen zum Teil teurer als Fixzinsvereinbarungen. Ein Zustand, der droht sich bei weiteren Erhöhungen fortzuentwickeln. |
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auch der neue US-FED-Notenbankchef wird Lösungen zur Kontrolle der Inflation finden müssen - der Markt scheint die Richtung zu kennen: ![]() https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-08-30/bond-investors-wary-after-warsh-fans-wagers-fed-poised-to-hike?srnd=homepage-europe |
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August Inflationsrate in Deutschland mit 2,9% (Juli 2,8%) gestiegen, jedoch unter die erwartete 3%, Kerninflation (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) wie im Juli bei 2,4%, Dienstleistungspreise 2,8% (Juli 2,9%), Lebensmittelpreise +0,1% (Juli +0,4%). Problematisch nach wie vor Energiepreise (+10,5%). |
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Die Haushaltssituation in Frankreich wird aus Sicht der Finanzmärkte immer mehr zur Belastung für die Bonitätseinstufung und damit für die Refinanzierungskonditionen. Mittlerweile kann sich sogar Italien mit einem Verschuldungsgrad von knapp 140% des BIP günstiger refinanzieren als Frankreich mit etwa 115% des BIP. Der starke Renditeanstieg entlang der wichtigsten Währungsräume lässt sich auf das gesteigerte Verlangen der Marktteilnehmer nach einer höheren Verzinsung des Risikos ableiten. Für Finanzierungsnehmer bedeutet das steigende Konditionen auch im langfristigen Fixzinssegment. Die "kurzen" Zinsen (EURIBORs) steigen ebenfalls kontinuierlich angesichts der zu erwartenden Zinserhöhung(en), sodass in vielen Fällen "variabel" teurer ist, als Fixzinsvereinbarungen bis grob 15Y. |
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Erleben wir vielleicht demnächst eine Zinsphase ähnlich 1970-1990? Vieles sieht danach aus als ob der nächste Zyklus sich ankündigt. |
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