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Nibe 1255PC ein paar Einstellungsfragen

29 Beiträge | letzte Antwort 21.2.2019 | erstellt 7.2.2019
Hallo,
seit einer Woche hat unser Haus auch endlich innen Türen und die Wärme verpufft nicht in die Garage. Netzwerk habe ich auch zum Laufen bekommen und meine 1255 ist im Uplink sichtbar und ich bin ständig am spielen. Macht süchtig.

So richtig raus habe ich es noch nicht. Ich werde auch noch ein Chart einstellen, wenn ich 24h mal nichts verändert habe. Ein paar Fragen habe ich aber jetzt schon.


   •  Sperrbereiche Verdichter:
Ich hab den Verdichter Sperrbereich 20-30Hz entfernt, welche Funktion hat der? (oder besser, warum sollte die WP nicht unter 30Hz modulieren, wenn sie es ja eigentlich kann?)
   •  Einstellung WQ und WT Pumpe wenn Verdichter blockiert ist:
Mir ist aufgefallen, dass meine Pumpen im Arbeitsmodus bei 7 bzw. 23% arbeiten; wenn der Verdichter blockiert ist, sind aber 25 und 30% in der WP hinterlegt. Welchen Sinn macht das, oder sollte diese Einstellung reduziert werden?
   •  Brauchwassertemperatur
Wir wohnen noch nicht im Haus und das Brauchwasser wird eigentlich noch nicht genutzt, es gibt keine Zirkulation und die Wasserzuleitung drehen wir nur auf, wenn wir vor Ort sind. Das Brauchwasser verliert in 24h ca. 10K an Temperatur (also von 45°C auf 35°C), ist das normal?
Gerne würde ich dann noch drüber diskutieren, was bei mir sinnvolle Einstellungen wären, um möglichst wenig Verdichterstarts zu produzieren. Das hat seit Beginn der Heizperiode noch nicht gut geklappt - hab mich aber auch noch nicht drum gekümmert. Das machen wir dann, wenn ich ein Chart einstellen kann.

Danke

 
20.2.2019 20:45
Die ESSENZ SO ZUSAGEN... DAS WÄRE DER KNALLER. Bitte ja !  hab ja grad auch angefangen 
21.2.2019 6:21



alpenzell schrieb: maack, kannst du mir die wichtigsten Stellen hier reinstellen? Danke.


 kommt in mehreren etappen da ESH sonst meckert
21.2.2019 6:22
heizgrenze & filtzerzeit
fangen wir an mit der
heizgrenze

sie bestimmt im automodus wann für die wp heizeit (winterbetrieb) und wann sommerurlaub ist.

standardmäßig ist die wp außentemperatur geführt. das bedeutet sobald die außentemperatur abfällt und wärme aus dem haus abfließt merkt das die wp frühzeitig bevor es kühler im haus wird und der vl-soll wird höher berechnet um dem wärmeabfluß gegenzusteuern.

damit es in der übergangszeit nicht dazu kommt daß die wp jede kühle nacht heizt obwohl das haus das ohnehin dämpft wenn am nächsten sonnigen herbsttag die sonne reinknallt und es >25° gibt greift hier eine dämpfung, die filterzeit. (menü, 4.9.2)

die stellt man typisch auf 24h, damit wird ein mittelwert aus tag & nacht gebildet. bei sehr trägen gut gedämmten gebäuden kann man auch auf 48h gehen...

die heizgrenztemperatur (heizungsstopp) findet sich im wp, menü, 4.9.2

sie ist abhängig von

-> energetischem standard (dämmung) des gebäudes
-> solarer architektur (südfenster)
-> solarem standort (verschattung, nebellagen, etc)

als grobe richtwerte für effiziente bauten an sonnigen standorten kann man 10-12° sehen, für unsanierte altbauten gehts richtung 20°

viele standorte hatten die letzten tage nachttemperaturen im niedrigen einstelligen bereich und die heizungen sind angesprungen. das wird im normalfall noch nicht nötig sein -> heizgrenze anpassen.

beispiel: mein sanierter altbau mit guter solarer ausrichtung hat letzten sonnigen herbst erst im späten november einer aktiven heizung bedurft.
wenn es oft nebelig gewesen wäre, wäre das früher notwendig gewesen.

auch hat die position des außenfühlers großen einfluß.
ist er beschattet oder teilweise besonnt?

wenn das haus gut von der sonne lebt sollte auch der fühler zumindest morgensonne mitbekommen...


21.2.2019 6:22
energieintegral gradminuten
eine der großen besonderheiten des reglers der topline maschinen.
hat ansonsten nur noch vaillant in manchen konfigurationen:

die meisten wp-regler funktionieren mit simpler temperaturhysterese, bsplw 27°vl -> ein
29°vl -> aus

der nachteil ist daß eine derartige regelung nicht sehr tolerant ist bsplw auf takten. ein kurzes überschwingen des schaltwertes führt zur abschaltung.

die gradminuten sind dagegen quasi 2-dimensional, erfaßen delta-T und delta-minuten und bilden das produkt aus beiden. (integral)

dies entspricht dann keiner temperaturregelung sondern einer wärmmengenregelung

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die ideale ständig durchlaufende theoretische gummipufferheizung würde exakt jede minute vl-ist = vl-soll geben.

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zur praxis:
sobald die wp aus der sommerpause erwacht ist (heizgrenze, siehe oben) wird jede minute die energiebilanz im system erstellt:
vl-berechnet zu vl-ist (BT2)

wenn der vl-ist unter dem vl-berechnet liegt wächst minütlich das energiedefizit im system (-> negative gradminuten)

wenn dann der wert für start verdichter erreicht ist springt die wp an und läuft bis die bilanz wieder auf 0 ausgeglichen ist...
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die °minuten sind der zählwert der regelung.

-> 'kleiner' startwert -60°min -> viele kurze takte
-> 'groooßer' startwert bsplw -300°min -> wenige lange takte

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Miike schrieb: Was ich mich schon öfter gefragt habe ist, warum die Gradminuten ins Plus gehen können?  


servus miike, sehr gute frage.

das system ist träge:

beispiel: wir haben vl-berechnet von 25°, vl-ist von 20°
jede minute sinkt das energieintegral um 5°min.

bei -100°min liegt unser start verdichter.

wenn der aktuelle wert auf -60°min steht würde es noch 8 minuten bis zum anspringen der wp dauern.

wenn es soweit ist springt aber der vl-ist nicht sofort weit in die höhe (er wird durch draufpacken der spreizung aus dem rl gebildet).

solange vl-ist noch unter vl-berechnet liegt sinken die °min langsam weiter -> ein unterschwingen.

bis dann der vl-ist den vl-berechnet eingeholt hat. dann verweilen die °min kurz. dann steigt der vl-ist und die °min werden abgebaut

genau dasselbe tritt beim abschalten auf:
bei o°min schaltet die wp ab. -> energiebilanz ausgeglichen.

der vl-ist liegt aber in dem augenblick über dem vl-berechnet, daher zählen die °min weiter ins plus -> überschwingen

bis bei 100°min gedeckelt wird.

wenn dann der abgekühlte vl-ist unter den vl-berechnet fällt zählen die °min wieder runter ins minus.

bis beim wert für start verdichter ein neuer takt beginnt...
21.2.2019 6:23
grundeinstellungen solepumpe heizungsumwälzpumpe

während die heizungen gerade an der heizgrenze rumzappeln ist ein guter zeitpunkt die grundeinstellungen zu prüfen...

das ist einerseits die schalthysterese 'gradminuten', die bestimmt wie häufig die wp startet und wie lange sie pro takt läuft. dazu muß die heizsaison aber richtig laufen, also dazu später mehr...

andererseits die spreizungen der umwälzpumpen; diese sind sehr wichtig:
warum?
aus sicht der wp will man am liebsten spreizung 0, daß würde die höchstmögliche sole-temp und den niedrigstmöglichen vl ergeben.

aus sicht der hydraulik will man spreizung maximal, weil das am wenigsten pumpenstrom kostet.

halbe spreizung = 2-facher volumensstrom = 4-facher druckverlust = 8-facher pumpenstrom

man sieht also daß die optimale spreizung sehr wichtig ist und ein typischer goldener schnitt zwischen diametralen anforderungen.

typisch wurden die umwälzpumpen bei inbetriebnahme zumeist auf 100% gestellt, ganz nach dem motto viel hilft viel.

das funktioniert zwar immer, verschenkt aber sinnlos teuren pumpenstrom. imerhin laufen die umwälzpumpen 2000-5000h pro winter.

als reaktion auf diese realität im feld sind hersteller wie knv/nibe/waterkotte hergegangen und haben einen modus 'automatische drehzahl' der umwälzpume eingeführt, bei dem sich diese selber auf den optimalen wert für die individuelle anlage einmoduliert.

bei der 1x55 serie kommt noch dazu daß der zielwert mit der leistungsmodulation des kompressors wandert.

diese einstellungen liegen im servicemenü, das 5-te menü das zuerst aufgerufen werden muß weil es nur für fortgeschrittene nutzer vorgesehen ist.
vom hauptmenü ausgehend 7s lang die zurück taste drücken, dann erscheint es.

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zuerst zur solepumpe (kälteträgerpumpe)

5.1.8 betriebsmodus kt-pumpe (solpeumpe)
-> periodisch, bedeutet daß die solepumpe genau mit dem kompressor läuft und stoppt

5.1.9 drehzahl wq-pumpe (solepumpe)
-> auto, bedeutet daß sich die solepumpe automatisch die optimale drehzahl je nach leistung kompressor und temperatur sole sucht.
nachdme die wp nicht den volumenstrom direkt mißt wird die spreizung herangezogen (differenz vl zu rl). da die leistung der wp mit der soletemperatur steigt schwankt auch die spreizung mit der soletemperatur.

zielwert ist ungefähr bei
0° sole-ein -> 3k spreizung
5° sole-ein -> 4k spreizung
10° sole-ein -> 5k spreizung

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dann zur heizkreispumpe (wt-pumpe)

5.1.10 betriebsmodus wt-pumpe
-> auto, bedeutet daß die hk-uw-pumpe läuft sobald die heizgrenze erkannt wurde. dies ist nötig damit die wp die aktuelle vl-temperatur im estrich erkennt und damit die gradminuten rechnen kann.

5.1.11 pumpengeschwindigkeit wt-pumpe
-> auto
-> standby -> 5-15%

auto bedeutet daß sich die hk-uwp selber den optiomalen arbeitspunkt sucht
standby bedeutet daß in den kompressorpausen die hk-uwp mit reduzierter drehzahl auf standgas schnüffelt um die vl-temp im estrich zu ermitteln.

hier greift dann die selbstregelung, daß solare einträge in den raum oder fremdwärme (besuch, ofen) dem estrich weniger wärme abnehmen und die wp das mitbekommt und die gradminuten langsamer runterticken.

wenn die standby-drehzahl zu klein eingestellt wird dann gibt es strömungsresonanzen im rohrsystem; das muß jeder für sich rausfinden.

5.1.14 strömungseinstellungen klimatisierungssystem

hier wird ähnlich der heizkurve für die wp eine solche kurve für die wärmesenke (heizkörper, fbh) eingestellt - ein einzigartiges feature ...

dazu werden sollspreizung bei vollast und normaußentemperatur eingegeben.

-> heizkörper, fbh oder heizkörper+fbh
-> MAT, mittlere außentemperatur bei auslegung = normaußentemperatur

hier bitte die entsprechenden werte des eigenen hauses/standorts eingeben. eine zielspreizung von 5k für fbh ergibt dann bei 0° bsplw einen zielwert von knapp 4k spreizung für die hk-uw-pumpe.

dadurch läuft diese im winter bei jeder außentemperatur stets im goldenen schnitt am optimalen arbeitspunkt.
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21.2.2019 6:23
heizkurve und parallelverschiebung
jetzt wo es gerade wieder schön kalt wird ist der richtige zeitpunkt um an der heizkurve zu schrauben.

es gibt verschiedenste systeme diese einzustellen, die simplen haben 2 punkte der kurve für heizgrenze & auslegungstemperatur, andere startwert und steigung.

die topline haben die luxusvariante mit echten (nummerierten) kurven zur auswahl.

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was macht die heizkurve?


die heizkurve definiert durch ihre steilheit um wieviel mehr wärme bei kalten temperaturen als bei milden zugeführt werden muß.
das ziel ist immer daß bei -10° dieselbe temperatur im haus herrscht wie bei +10°

sie ist abhängig von der energetischen güte des gebäudes und vom standort (solare gewinne)

ein passivhaus braucht daher eine ganz flache heizkurve, der vl muß bei 20° weniger draußen gerade um 2-3 grad steigen.

ein mäßig gedämmtes haus braucht eine steile heizkurve, der vl muß um 15° und mehr steigen.

ALLEINIGE
aufgabe der heizkurve ist also die gleichmäßigkeit der temperatur im haus. die höhe dieser temperatur, also 20°, 21° oder 22° kann hier NICHT eingestellt werden.

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was macht die parallelverschiebung?


hier wird die wunschtemperatur eingestellt.
ob man eben im haus 20°, 21° oder 22° möchte.
diese hebt die heizkurve parallel genau auf das niveau der berechneten vl-temperatur daß die exakt gewünschte innentemperatur resultiert.

für das halten dieser wunschtemperatur bei den unterschiedlichsten außentemperaturen ist wieder die heizkurve zuständig.

natürlich beeinflußen sich die einstellungen gegenseitig, man darf also nicht in aktionismus verfallen, erst überlegen an welcher schraube man dreht, immer in kleinen schritten (1 oder maximal 2 klicks) ändern und 2-3 tage zuwarten um das ergebnis zu beurteilen.

das optimale einstellen der heizkurve benötigt einen längeren weg des sich iterativ annäherns und kann durchaus den ersten winter dauern. die korrekturen sollten immer kleiner werden, bis dann das endgültige setup gefunden ist.

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ein paar praxisbeispiele:

bei kälteeinbruch (aktuell) wird es im haus
-> zu kalt -> heizkurve erhöhen & parallelverscheibung absenken
-> zu warm -> heizkurve absenken & parallelverschiebung anheben

bei warmwettereinbruch wird es im haus
-> zu kalt -> heizkurve absenken & parallelverschiebung anheben
-> zu warm -> heizkurve erhöhen & parallelverschiebung absenken

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ein paar grobe richtwerte:

-> passivhaus -> hk 1 oder 2
-> niedrigenergiehaus -> hk 3 oder 4
-> hoch sanierter altbau -> hk 4-6
-> unsanierter altbau -> hk 8-10

die heizkurve kann nur bei stark unterschiedlichen außentemperaturen beurteilt werden, also bei änderungswünschen bevorzugt an der verschiebung schrauben.
eventuell diese änderungen auf einem zettel an der wp notieren, dann bekommt man automatisch einen guten überblick wohin die reise geht...
21.2.2019 6:25
Speren verändern

https://www.energiesparhaus.at/forum-topline-1x55-30hz-sperre-des-verdichters/47433
21.2.2019 7:11
Danke, maack, für die Wiederholung und Zusammenstellung an dieser Stelle!
21.2.2019 9:06
sehr schön, danke



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