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Estrich erst später ausheizen

15 Beiträge | 10.1. - 13.1.2020
Hallo!
Da wir sehr gut im Zeitplan liegen, überlege ich den Estrich (je nach Wetter ev. erst später auszuheizen, wenn es etwas wärmer ist).
Derzeitger Bauzeitplan sieht vor, dass der Estrich ab Mitte Februar ausgeheizt werden soll. Es wird ein ein Zementfließestrich kommen.
Hat es irgendwelche Nachteile, wenn man den eingebrachten Estrich etwas länger ohne Heizung trocknen lässt und vielleicht erst Ende März ausheizt?
Umzug ist ohnehin erst in den Sommerferien geplant. Auf eine Woche früher oder später kommt es auch nicht an.
Lg Monika


 
10.1.2020 17:46
Hallo,

haben wir auch gemacht. Estrich kam Mitte Juni rein und das Ausheizen haben wir erst Mitte August gestartet. Da war dann alles schon sehr schön getrocknet und das eigentliche Ausheizen kein Thema mehr - 930 KWh Wärme und um die 250 KWh Strom (kann auch weniger gewesen sein, müsste ich nachsehen).

Viele Grüße,

Jan
10.1.2020 18:05
Hello!
Wir haben Ende November den Zementestrich eingebracht. Ausheizen beginnt am 20.1. mit der Wärmepumpe.
Hat zeitlich den Vorteil, dass man in Ruhe den Technikraum vorbereiten kann (Decke spachteln, Ausmalen, Fliesen legen). Heute wurde der Insti fertig mit der Heizungsinstallation. Nächste Woche kommt der Elektriker, dann wird ausgeheizt.
Lg Jürgen 
10.1.2020 18:45
Dem Estrich wäre es am liebsten, wenn er gar nicht ausgeheizt würde ... Zementestrich bindet hydraulisch ab, Wasserverlust ist also nicht in seinem Sinn (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Zement#Hydratation_und_Festigkeitsentwicklung). Betonierte Decken werden gerne mit Folie abgedeckt, damit der Wasserverlust (vor allem im Sommer) gering bleibt.

Ob der Rest des Hauses mit 100% Luftfeuchtigkeit leben kann ist eine andere Sache, vor allem eben dann der darauf verlegte Boden.


10.1.2020 19:46
@­taliesin
Estrich ausheizen ist nicht gleich Estrich trocknen. Das sind ganz unterschiedliche Zielsetzungen. Wurde hier im Forum schon x-fach diskutiert. 
10.1.2020 20:49
Der Estrich muss nicht zwingend  ausgeheizt werden. Das dient nur zur schnelleren Erreichung der Belegreife.
Bei Zementestrich darf, je nach Stärke und Temperatur, frühestens nach 21Tagen damit begonnen werden.

Zumindest ein "Funktionsheizen" vor der Bodenverlegung ist aber ratsam damit er sich langsam ausdehnen kann und später keine Spannungsrisse mehr entstehen.
10.1.2020 21:21
Wir werden ihn sicher ausheizen, aber eben eventuell etwas später. Dann ist vielleicht die PV am Dach und es etwas wärmer...
10.1.2020 22:39


monika1979 schrieb: Zementfließestrich

Was meinst du eig. genau damit? Ich kenne Zementestrich und Fließestrich, aber deine Version nicht.


monika1979 schrieb: Wir werden ihn sicher ausheizen, aber eben eventuell etwas später.

Damit machst du nichts falsch. Ganz im Gegenteil, es wird Stromkosten sparen.


10.1.2020 23:12


taliesin schrieb: Dem Estrich wäre es am liebsten, wenn er gar nicht ausgeheizt würde ... Zementestrich bindet hydraulisch ab, Wasserverlust ist also nicht in seinem Sinn (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Zement#Hydratation_und_Festigkeitsentwicklung). Betonierte Decken werden gerne mit Folie abgedeckt, damit der Wasserverlust (vor allem im Sommer) gering bleibt.

Ob der Rest des Hauses mit 100% Luftfeuchtigkeit leben kann ist eine andere Sache, vor allem eben dann der darauf verlegte Boden.

 wir haben unseren zementestrich au´ch mit folie abgedeckt, so bieb er feucht und vor zugluft geschützt. perfektes endergebniss
11.1.2020 10:09


rabaum schrieb: @taliesin
Estrich ausheizen ist nicht gleich Estrich trocknen. Das sind ganz unterschiedliche Zielsetzungen. Wurde hier im Forum schon x-fach diskutiert.


@rabaum
Ich habe jetzt auf die Schnelle keinen Beitrag gefunden, magst du mir helfen?
Falls es um den Stresstest vor dem Belag gehen sollte um eventuelle Fehler zu finden, den kann man bei trockenem Estrich genauso durchführen. Aber 'Estrich ausheizen' dient üblicherweise der schnelleren Herstellung der Belagsreife und das heißt: Trocknen.
Ordentlich ausgehärteter Estrich wird mit Dehnung der eingelegten Rohre keinen Stress haben, sollte die Statik ein Problem sein, kann man Estrichgitter als Bewehrung verwenden.

Langsamer Bauen ist so gut wie immer ein technischer Vorteil (finanziell meist nicht).
Heutzutage haben ja selbst die Mauerer keine Zeit mehr die Steine nass in nass zu setzen, fall überhaupt noch Mörtel verwendet wird. Macht nichts besser, die Steine ohne Auflast (unter'm Fenster) reißen alle ab.
11.1.2020 10:19
Hi,

das Ziel des "Funktionsheizens" ist es u.a., an eventuellen Spannungsstellen (Zufall, Planungsfehler, Ausführungsfehler) dafür zu sorgen, dass es die Risse gibt, BEVOR da ein Belag draufliegt. Fliesen würden sonst mitreissen, was ja nicht so toll ist, während der Fliesenleger mit einem vorher vorhandenen Riss gut umgehen kann.

Viele Grüße,

Jan
11.1.2020 10:43
Ja, ich denke das hatte ich eh geschrieben, falls der Hinweis an mich ging
11.1.2020 11:31


taliesin schrieb: Dem Estrich wäre es am liebsten, wenn er gar nicht ausgeheizt würde ... Zementestrich bindet hydraulisch ab, Wasserverlust ist also nicht in seinem Sinn (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Zement#Hydratation_und_Festigkeitsentwicklung). Betonierte Decken werden gerne mit Folie abgedeckt, damit der Wasserverlust (vor allem im Sommer) gering bleibt.

Ob der Rest des Hauses mit 100% Luftfeuchtigkeit leben kann ist eine andere Sache, vor allem eben dann der darauf verlegte Boden


Das stimmt so nicht ganz.

Zement braucht in den ersten Tagen das meiste Wasser zur Aushärtung (Hydration). Darum soll man die ersten 2 Tage gar nicht, und die nächsten 21 Tage dann eben gezielt lüften.

Nach spätestens 28 Tagen ist die Hydration zum größten Teil abgeschlossen und das überschüssige Wasser muss unbedingt heraus.
Dem Estrich selbst ist es dann vollkommen egal ob er weiter naturtrocknet oder ausgeheizt wird.
11.1.2020 14:00


rabaum schrieb: Was meinst du eig. genau damit? Ich kenne Zementestrich und Fließestrich, aber deine Version nicht

 =selbstnivellierender Zementestrich.
 Z. B.  https://www.energie-experten.org/bauen-und-sanieren/baustoffe/estrich/fliessestrich.html


11.1.2020 18:30


Hobbyplaner schrieb:
__________________

Das stimmt so nicht ganz.

Zement braucht in den ersten Tagen das meiste Wasser zur Aushärtung (Hydration). Darum soll man die ersten 2 Tage gar nicht, und die nächsten 21 Tage dann eben gezielt lüften.

Nach spätestens 28 Tagen ist die Hydration zum größten Teil abgeschlossen und das überschüssige Wasser muss unbedingt heraus.
Dem Estrich selbst ist es dann vollkommen egal ob er weiter naturtrocknet oder ausgeheizt wird.

 
Ich denke wir sind uns eh weitgehend einig, aber auch später wäre dem Estrich seine Feuchte fast egal.

Die Festigkeit ändert sich zwar (im Mittel ca. 10%) mit der Restfeuchte, aber in erster Linie will man halt in der Umgebung diese Feuchtequelle nicht. Siehe dazu https://www.vdz-online.de/fileadmin/gruppen/vdz/3LiteraturRecherche/Fachaufsaetze/1961_1970/Betontechnische_Berichte_68_Einfluss_der_eigenfeuchtigkeit_auf_die_Druckfestigkeit_des_Betons.pdf

Zum Hydrationsvorgang, der übliche CEM I 32.5 erreicht nach 28 Tagen ca. 75% der Endfestigkeit.


Estrich erst später ausheizen

Quelle: https://www.beton.wiki/index.php?title=Festigkeitsentwicklung

Gerade noch gelesen, dass Fließestrich nicht mit Folien belegt werden sollte ...
https://www.beton.org/fileadmin/beton-org/media/Dokumente/PDF/Service/Zementmerkbl%C3%A4tter/B19.pdf

Auch im Zusammenhang ...  https://www.ibf-troisdorf.de/files/Mueller.pdf

Also in Summe:
* Estrich sollte in keinem Fall zu schnell trocknen, Zementestrich schüsselt langsam getrocknet auch weniger stark
* er sollte gleichmäßig trocken (keine Zugluft, mit Folien muss man wohl aufpassen)
* er erhärtet auch nach 28 Tagen noch deutlich, das Entziehen von Hydrationswasser ist da nicht förderlich, welche Mengen Wasser da noch nötig sind, konnte ich nicht herausfinden (pfurztrocken ist sicher zu wenig).
* irgendwann (spätetens bevor der Belag daraufkommt) sollte er ausreichend trocken sein (für den BELAG)
* die Festigkeit ist zwar ein wenig von der Restfeuchte abhängig, aber andere Faktoren wie der Wasserzementwert und gute, d.h. gleichmäßige Hydration haben einen viel wesentlicheren Einfluss auf die Qualität.


13.1.2020 9:16
Wir haben erst nach 7 Wochen den Estrich ausgeheizt - ergab sich so.
War aber kein Problem - im Gegenteil - der Estrich hatte genügend Zeit, natürlich abzubinden. Wir haben keine Risse oder Schüsselungen.

Gelüftet haben wir das erste Mal nach 6 Tagen (erst die Nord- dann die Südseite vom Haus geweils separat für ca. 10-15 Minuten geöffnet, um Zugluft zu vermeiden), nach weiteren 10 Tagen haben wir vorsichtig zum querlüften begonnen.

Nach dem Ausheizen wurde eine CM-Messung gemacht, danach nochmal für 5 Tage gut warm eingeheizt. Dann nochmal eine CM Messung. Wert war auf 1,2%. Bereit zum Boden legen. 

Alles richtig gemacht 

Damit wir keinen Stress hatten betr. 3-5 Mal stoßlüften am Tag, haben wir gemeinsam mit den Nachbarn einen Plan erstellt und uns abgewechselt. Jeder war mal dran, alle Häuser zu lüften, da wir alle gemeinsam und zeitgleich gebaut haben.



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