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Eine Wandheizung solls werden

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9.9. - 17.9.2020
12 Beiträge | 8 Autoren
Eine Wandheizung solls werden. Soweit so gut.
Was ich glaube zu wissen:

 •  Wandheizung hat Vorteile (hoher Strahlungsanteil, schnelle Reaktionszeit, effiziente Kühlung …)

 •  Trocken- (Fermacell) oder Nassverfahren (Putz) möglich

 •  Heizleistung im Bereich 45-70 W/m2 (30°C Vorlauf bei 10°C Spreizung)

 •  Putz eher leistungsfähiger (lambda Putz irgendwo 0,8 bis 1,4, Rigips eher 0,3)

 •  Leistung maßgeblich bestimmt durch Vorlauftemperatur, Verlegeabstand, Rohrdimension, Putzart und -stärke, Umhüllung des Rohres...

 •  Befestigung mit Schienen oder Einbetten/Einfräsen in Dämmplatten möglich

 •  Bohren möglich und viel spannender mit Wandheizung (Thermofolie oder Leitungssucher sind dein Freund)

Was ich noch lernen will:

A) Verlegung:
Kann man die (z.B. 100m) Kreise einfach horizontal verlegen? Doppelte Verlegung oder Mäander für homogenere Wärmeabgabe notwendig? Will nicht unten zu warme und oben zu kalte Flächen. Mein von mir geschätzter Insti empfiehlt daher optional fertige Elemente:


Eine Wandheizung solls werden

Soll keine Probleme mit der Wärmeabgabe geben wegen der flotten vertikalen Durchströmung und die Verrohung kann einfach gehalten werden. Hat jemand mit sowas Erfahrung?

B) Fräsen:
Hätte auf die Außenwand innen 4-6cm Holzfaserplatten geklammert, mit der Oberfräse großzügige Nuten eingefräst und Heizungsrohre nach dem Biegen eingeputzt. Dann noch Oberputz mit Netz drauf. Schon mal wer so gemacht?
Hier wurde doppelt in Plattenstücke eingebettet und dann wohl verputzt, Prinzip ist ident:


Eine Wandheizung solls werden

Würde mich über Einschätzungen freuen. Den Decken/Wand/Boden Thread von alpenzell habe ich bereits gefunden. Feine Sache.

Hintergrundinfo: Niedrig(st)energiehaus Holzriegel, U-Wert Aufbauten ca. 0,11.

Schnüffelstück


 
 
09.09.2020
Bevor Du über System 1 (aquatherm Black) nachdenkst, lass Dir einen Preis geben. Auch mit Aquatherm Black braucht es eine Heizlastberechnung, Heizflächenauslegung. Ähnlich wie bei der FBH gibt es statt der Maximallänge eine Maximalfläche pro Kreis.
09.09.2020
Wenn Du an der Wand, die eine Heizfläche werden soll, auch mal etwas montieren können willst/musst, dann wird Variante A wohl von vornherein ausscheiden. Bei Variante B kannst Dir im nachhineinnoch mit einem Leitungsfinder helfen. Bei vorab bekanntem Montagebedarf kannst Du auch Markierungen miteinputzen lassen, dann weißt Du später, wo Du bedenkenlos bohren kannst.
09.09.2020
Ich habe mal die Preise von so einem Fertigsystem angefragt. Als ich die wusste und mich vom Schock erholt habe, habe ich den Selbstbau geplant.

Zudem sind in den Elementen oft auch nur dünne Strohhalme als Rohre drin... das wird dann hydraulisch eine Katastrophe.


snueffelstueck schrieb: Heizleistung im Bereich 45-70 W/m2 (30°C Vorlauf bei 10°C Spreizung)


Glaubst du das?

Ich habe meine Eigenbau-Dachschrägenheizung mit drei Bereichen je 162W ausgelegt... das sind aber je etwa 8 Quadratmeter. Damit kommen wir auf 20W/m^2, die dann aber auch wirklich abgegeben werden (schafft sogar etwas mehr, ich musste sie leicht drosseln). Auslegung: VL 29C, RL 25C.

30C VL bei 10K Spreizung ist Unfug: Dann wäre der RL ja unter Raumtemperatur... das kann gar nicht gehen. Im Auslegungsfall (also Vollast) liegt der RL ein paar K über Raumtemperatur. Anders kann das gar nicht gehen. Bei niedriger Teillast schaffen gute Anlagen 1K über Raumtemperatur.

Alternativ rechne mal ein Stück FBH nach... mal als Beispiel eines unserer Kinderzimmer (auch bei 29/25): 16,4 m^2 Boden und 412W Auslegung -> etwa 25 W/m^2.

45-70W/m^2 halte ich in diesem Temperaturbereich für vollkommen illusorisch. Das braucht VIEL mehr VL-Temperatur.


09.09.2020
Auf den Preis bin ich auch schon gespannt!


JanRi schrieb: Alternativ rechne mal ein Stück FBH nach... mal als Beispiel eines unserer Kinderzimmer (auch bei 29/25): 16,4 m^2 Boden und 412W Auslegung -> etwa 25 W/m^2.

Danke für die Praxisdaten. Hab auf die Schnelle folgendes Diagramm für eine eingeputzte Wandheizung gefunden:


Eine Wandheizung solls werden

In dem Bereich scheiden sich die Geister der Systeme und Fachwerker. Der eine hat mit 40°C Vorlauf kein Problem, der andere würde am Liebsten jeden cm2 belegen um mit der EWP auf unter 30°C Vorlauf zu kommen.

Gibts einen generell akzeptierten "Standard" wo man zumindest hin sollte?
Schnüffelstück
09.09.2020
Die Tabelle halte ich für sehr optimistisch!

Man rechnet bei ruhender Luft mit etwa 8 W/m^2 K, die die Wand abstrahlen kann (https://www.schweizer-fn.de/stoff/wuebergang_gase/wuebergang_gase.php, ruhende Luft Innenseite Wand).

Die Tabelle geht bei Wand 25C und Raum 20C (DeltaT=5K) von 55 W/m^2 aus -> das wären dann schon 11 W/m^2 K. Das alleine halte ich für optimistisch.

Dann muss man die Wand im MITTEL auf 25C bekommen. Wenn das Heizmedium 30C hat, dann ist das bei VA 10 cm schon sehr sportlich, bei 10 K Spreizung gar nicht zu schaffen.

Vermutlich sind da 30C im Mittel gemeint, also 35/25 oder so.


snueffelstueck schrieb: Gibts einen generell akzeptierten "Standard" wo man zumindest hin sollte?


So wenig wie wirtschaftlich möglich. Rohr kostet nicht viel und du sparst "Ewigkeitskosten". Mein Ziel war < 30... erreicht wurden 29. Darunter wäre es unwirtschaftlich aufwendig geworden.

Tipp: Such dir einen guten TGA-Planer und lass den das auf möglichst geringe VL-Temperatur auslegen. Da kommen dann auch vernünftige Annahmen zur Heizleistung pro Quadratmeter rüber. Mit "Skyme" aus dem HTD haben viele hier und im HTD gute Erfahrungen gesammelt, aber ich fürchte, er ist auch extrem gefragt. Ich bin - wie gesagt - mit meiner Skyme-Auslegung sehr zufrieden und habe die Dachschrägenheizung für den Spitzboden dann selbst dazu passend berechnet und gebaut.
09.09.2020


snueffelstueck schrieb: In dem Bereich scheiden sich die Geister der Systeme und Fachwerker. Der eine hat mit 40°C Vorlauf kein Problem, der andere würde am Liebsten jeden cm2 belegen um mit der EWP auf unter 30°C Vorlauf zu kommen.

Gibts einen generell akzeptierten "Standard" wo man zumindest hin sollte?
Schnüffelstück

Meine Planung geht jetz von einer Vorlauftemperatur von 25°C für eine Raumtemperatur von 23°C aus. Eine hohe Vorlauftemperatur (VL) senkt die Effizienz der Wärmepumpe um ca. 2-3 % pro Kelvin. Mit einer VL von 40°C hat eine EWP garantiert einen schlechteren Wirkungsgrad als eine LWP mit einer VL von 25°C. Dein Ziel sollten eher die 25°C sein.

Zur Wandheizung, meine habe ich mit einem Schienensystem verbaut. Hier z.B. von meinem Bad.


Eine Wandheizung solls werden
Bei der Heizleistung der Wandheizung kommt es darauf an, ob diese an einer Innenwand oder Außenwand montiert wird. Bei mir beträgt die Heizleistung mit einer VA10 für eine Innenwand 4,7 Watt p. Kelvin (davon 2,78 Watt p. Kelvin für jene Seite mit dem Heizungsrohr) und 5,98 Watt p. Kelvin für eine Außenwand (Außentemperatur 0°C, 24 cm 035 Dämmung, davon 3,72 Watt p. K Richtung Innenwand). Bei einer Außenwand ist eine zu hohe VL natürlich schlecht, da mehr Wärme nach außen geht. Bei einer Heizmittelübertemperatur von 1 Kelvin erhöht sich die Heizlast aber nur um ca. 2,6%, bei 10 K aber um 26%.
09.09.2020


JanRi schrieb: Die Tabelle geht bei Wand 25C und Raum 20C (DeltaT=5K) von 55 W/m^2 aus -> das wären dann schon 11 W/m^2 K. Das alleine halte ich für optimistisch.

Finde in der Tabelle keine Wandtemperatur, die 55W/m² gelten für eine Heizmitteltemperatur von 30°C, also ein DeltaT von 10K. Wären also 5,5 W/m²K, mMn noch immer zu hoch, wurde aber mit einem Wärmeleitwiderstand von 0 K m²/W gerechnet. Der liegt aber eher zwischen 0,03 - 0,05 K m²/W.
10.09.2020
Bei Variante B denke ich das du das Rohr recht gut Isolierst im Gegensatz zur klassischen obendrauf Variante (Lufteinschlüsse Seitlich und hinten)

Über Skyme kann man echt nicht meckern (rechtzeitig bescheid geben), aber vielleicht findest du auch einen guten lokalen 
10.09.2020
Ich hatte meine Wandheizung mit Alu-Wärmeleitblechen gemacht und dann Gipsfaserplatte drauf. Zum späteren Finden der Rohre, kann man sich eine Art Schablone bauen. Eine dickere Folie auf einer Latte befestigen und unter die Decke halten, dann die Rohre auf die Folie zeichnen. Und viele Bilder machen.
https://www.pic-upload.de/view-34982639/DSCN2325.jpg.html
10.09.2020
@worlde Witzige Idee, wird notiert.
Wenn man sich in die Werte reinkniet merkt man tatsächlich wie "wenig" Leistung so ein Quadratmeter in Endeffekt liefert wenn man mit Vorlauftemperaturen von 30°C und weniger arbeiten will.
Die Erkenntnis ist, dass ich mit einer reinen Wandheizung eventuell nicht auskomme. Deckenheizung fällt bei einer schönen Decke definitv flach. Den Boden wollte ich eigenlich als Massivholzboden realisieren.

Somit lande ich vorlaufschonend bei Wandheizungselementen mit hohen Flüssen (wsl sehr teuer) oder einer Bodenheizung die Trockenverfahren technisch witzlos und wohl auch nicht billig ist oder klassisch beim Nassverfahren das meinen Bodenplan relativiert.

Zielkonflikte sind was Feines. Hab eindeutig zu klein mit zu wenig Wänden geplant 😆

Schnüffelstück
10.09.2020


snueffelstueck schrieb: Wenn man sich in die Werte reinkniet merkt man tatsächlich wie "wenig" Leistung so ein Quadratmeter in Endeffekt liefert wenn man mit Vorlauftemperaturen von 30°C und weniger arbeiten will.
Die Erkenntnis ist, dass ich mit einer reinen Wandheizung eventuell nicht auskomme.

Berücksichtigen kann man auch, dass die Wandheizung als Strahlungswärme auf eine viel größere Körperoberfläche trifft - der Raum sich somit bei gleicher Vorlauftemperatur wärmer anfühlt als bei einer Fußbodenheizung.
17.09.2020 19:30
@samitama Richtig, drum kann die Lufttemperatur bei konsequenter Umsetzung auch niedriger als mit einigen anderen Heizungs(verteilungs)arten ausfallen

Bedanke mich soweit für die Informationen. Sobald wieder Zeit ist werde ich mal probieren grob Heizlast und Heizflächen zu rechnen. Hoffe dadurch schätzen zu können wie sich alles ausgeht.
 
Schnüffelstück



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