Die Zukunft der Haustechnik
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Beginnen wir mal mit dem Gebäude an sich - ohne Haus keine Haustechnik. Dass gute Dämmung durch nichts zu ersetzen ist, steht ja außer Frage. Obwohl ich selber aktuell mit Holzriegel baue, bin ich mittlerweile der Überzeugung, dass Speichermasse ein wichtiges Element der Thermoregulierung ist. Hierfür wird ja klassisch Beton verwendet - irrsinnig viel Masse und relativ günstig. Es liegt also relativ nahe, das Haus komplett aus Beton zu bauen. Kleiner Exkurs: Wir haben letzten September in unserer Garage den Estrich gemacht. Nachdem zu dem Zeitpunkt schon die PV-Anlage samt Speicher in der Garage montiert war, wollte ich die Luftfeuchtigkeit mit meinem Aranet4 HOME überwachen, damit mir die keinen Schaden nimmt. Das Gerät misst auch CO2 (mein eigentlicher Anwendungsfall), und ich war überrascht, am nächsten Tag einen CO2-Gehalt in der Luft von etwas über 100 ppm zu sehen. Beim Lüften ein paar Tage später hat sich der schnell wieder auf über 400 ppm normalisiert, nur um danach wieder abzufallen. Offensichtlich ist es so, dass Zement beim Abbinden nicht nur Wasser, sondern auch CO2 aus der Luft bindet. Ein Haus aus Beton ist also ganz und gar nicht umweltschädlich, sondern startet sogar mit einer negativen CO2-Bilanz. Das schafft selbst ein Holzhaus nicht. |
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Nun wird auch immer wieder davon gesprochen, Energie im Sommer für den Winter einzulagern. Das ist mit Batteriespeichern aktuell leider noch nicht wirtschaftlich machbar. Der RGK RGK [Ringgrabenkollektor] macht das zum Teil mit thermischer Energie, allerdings verteilt sich die im Erdreich. Es liegt also nahe, die Energie im Haus zu speichern, wo sie durch die Dämmung nicht flöten gehen kann. Hier muss man gewissen Installateuren mal zugestehen, dass sie mit ihren Pufferspeichern auf dem richtigen Weg sind. Sie denken nur einfach nicht weit genug über den Tellerrand hinaus. Füllt man nämlich das ganze Haus mit Wasser, ergibt das nämlich eine Speicherkapazität, mit der sich der Heizwärmebedarf im Winter durchaus zu einem beträchtlichen Teil decken lässt. Dass man selbst mit einer hundertfach überdimensionierten WP WP [Wärmepumpe] problemlos wochenlange Takte schafft, ist nur ein netter Nebeneffekt. Apropos WP WP [Wärmepumpe], beziehungsweise Heizung generell. Wie viel Aufwand wird heutzutage getrieben, um die Wärme von der WP WP [Wärmepumpe] im Haus zu verteilen? Heizkreisverteiler, Anbindungsleitungen aus teurem Kupfer, kilometerweise Aluverbundrohr in Böden, Wänden und Decken verlegt. Die Kosten dafür sind enorm. Und was ist der Wärmeträger einer WP WP [Wärmepumpe]? Richtig, Wasser. Die gesamte heizkreisseitige Installation kann komplett entfallen, wenn die WP WP [Wärmepumpe] einfach nur das sie umgebende Wasser umwälzt. Übrigens kann man wohl kaum einen geringeren Druckverlust erreichen, flow30 hin oder her. Thema KWL KWL [Kontrollierte Wohnraumlüftung]: Oft wird ja die Frage gestellt, warum durch die Lüftung jede Stunde über 100 m³ Luft ausgetauscht werden müssen, wenn ein Mensch doch nur rund 1 m³ Luft veratmet. Der Grund liegt darin, dass die ausgeatmete und mit CO2 angereicherte Luft sich mit der Raumluft vermischt. Hier wird eine der Schwächen dieses Haustechnikkonzepts zur Stärke. Da die meisten Menschen unter Wasser schlecht Luft bekommen, wird ihnen ebendiese per Schlauch direkt zugeführt. Die verbrauchte Luft sammelt sich an der Decke und wird von dort nach draußen geleitet. Eine Vermischung der Frischluft und der Ausatemluft kann rein physikalisch unmöglich stattfinden. Das Lüftungsgerät muss also mindestens 95 % weniger Luftvolumen umwälzen - wenn das mal keine Energieeinsparung bewirkt. Nebenbei erübrigt sich im Winter auch das leidige Thema mit der Luftfeuchtigkeit. Egal ob konventioneller WT oder Enthalpietauscher - es bleibt das ganze Jahr über immer gleich feucht. Ein Gewerk gibt es aber, bei dem die Kosten doch um ein gutes Stück steigen dürften: die Elektroinstallation. Bekanntermaßen ist für die heute gängigen Ader- oder Mantelleitungen eine Verlegung unter Wasser nicht zulässig. Man muss also stattdessen überall die wesentlich teureren Erdkabel verwenden. Mit den vorangegangenen Einsparungen dürfte das aber verschmerzbar sein. |
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Insgesamt gibt es hier also ein enormes Potenzial, mehrere aktuell getrennt betrachtete Gewerke (Heizung, Kühlung, Lüftung, Speicher) in ein einziges, ganzheitliches System zusammenzufassen. Die für viele Bauherren und -frauen unüberschaubare Komplexität wird dadurch massiv reduziert – es bleibt nur noch ein Medium übrig, das alle Funktionen übernimmt. Natürlich ist das ein neuartiges Konzept, das garantiert initial auf Widerstand stoßen wird - ebenso wie die Einführung des Internets oder der Dampfmaschine - und es ist auch ganz sicher noch nicht perfekt. Ich sehe das als ersten Wurf und bin mir sicher, dass sich für etwaige unvorhergesehene Probleme ebenso elegante Lösungen finden lassen, wie wir sie auch in der "konventionellen" Haustechnik bereits gesehen haben. Langfristig glaube ich, dass dieses Konzept sich durchsetzen und zum neuen Standard in der Baubranche werden könnte. Mich würde jetzt interessieren: Hat sich jemand von euch schon ähnliche Gedanken in dieser Richtung gemacht, oder vielleicht sogar schon erste praktische Erfahrungen gesammelt? Ich freue mich auf einen regen Austausch! |
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