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Speicherofen oder Kaminofen im Passivhaus - Seite 2

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  •  aHouseInTheMiddle
21.12.2025 - 3.1.2026
28 Antworten | 12 Autoren 28
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Liebe Forumsgemeinde,

wer hat Erfahrungen mit einem Holzscheitofen in einem Passivhaus behelfsweise in einem modernen Niedrigenergiehaus? Ich habe ähnliche Diskussionen in verschiedenen Forum zu Hauf gelesen, bin aber noch nicht schlüssig unter welchen Umständen das funktioniert und wann nicht. Mir geht es explizit nicht um die Grundsatzdiskussion, ob ein Ofen in einem Neubau sinnvoll ist und sich finanziell rechnet (es ist Luxus) oder Umwelt und Gesundheit belastet. Mir geht es darum, wie WELCHER Ofen unter WELCHEN Gegebenheiten (Raumgröße, Dämmung, etc) zu WELCHEM Ergebnis (in Grad Celcius und Nutzerbehaglichkeit) führt.

Zu meinem Setting: Das geplante Passivhaus hat einen Heizwärmebedarf von ~10-12 W/qm. Das Haus wird ausschließlich über Zuluft beheizt (Heizung am Lüftungsauslass und zentral durch einen Wärmepumpenzusatz in der Lüftung), keine wasserführende Heizung. Der Ofen steht zentral in einem 50 qm Küche/Essen/Wohnzimmer. Die Luft hat nur ein paar Meter zu einer Tür zu Büro/Gästezimmer und zu einer anderen Tür zum Flur mit Treppenhaus nach oben.

Die Heizlast für Raum ist damit theoretisch extrem gering und jeder Ofen ist wahrscheinlich überdimensioniert. Heizlast heißt aber auch so wie ich das verstanden habe, dass ich damit 20.5° C halten kann und das hört sich nicht gemütlich an, wenn man sich gerne im Schlafanzug vor den Fernseher setzen möchte und die Frau die 28° C Kaminatmosphäre bei Bekannten als "schön warm" empfindet.

Jeder Ofenbauer und der zuständige Kaminkehrer haben mich in Richtung Grundofen/Kleinspeicherofen beraten. Mir sind die Vorzüge bewusst: es wird weniger Energie auf einmal abgegeben, dafür über einen längeren Zeitraum. Damit kriege ich die durchschnittliche Wärmeleistung wahrscheinlich in den Bereich 1.7 - 2.2 kW. Es wird angenehmere Strahlungswärme abgegeben. Dafür ist der Ofen eher träge, es dauert ne halbe Stunde bis sich was tut und erst nach 2 h - 3 h habe ich die maximale Wärmeabgabe erreicht.

Mein Energieberater hat viel Erfahrung mit Passivhaus und rät mir genau zum Gegenteil: Er meinte, einen schnellen Ofen (also Kaminofen) mit so wenig kW wie möglich. Er sieht den Ofen eher für Spitzenlast zuständig, nicht für Grundlast: Wenn ich abends heimkomme und habe 20° C, dann will ich es gleich warm und nicht erst in Stunden. Gespeicherte Wärme im Ofen kann ich nicht mehr kontrollieren, d.h. wenn es mir schon warm genug ist, dann braucht der Ofen nicht noch stundenlang weiter heizen.

Pelletöfen könnte man weit runtermodulieren, aber die sind uns zu funktional und zu wenig atmosphärisch. Aber einen Kaminofen in einen richtig kleinen Leistungsbereich zu kriegen (der dann vielleicht auch noch irgendwie gut aussieht), ist gar nicht so einfach. Unter 3 kW kommt man quasi nur, wenn die Wärme wo anders hingeht, zB Speicher oder Wasser (was bei uns aus KfW-Gründen ausscheidet). Und auch bei diesen Kaminöfen sind dann schon murksige Sachen dabei wie Scheitlänge < 20 cm. Bestenfalls kriegt man einen 5 kW Ofen, der auch noch in einem niedrigeren Bereich funktioniert und da frag ich mich schon, wie sich das mit der oben genannten Heizlast ausgeht.

Von anderen Kaminöfen kenne ich es, dass sich die Wärme um den Ofen staut und ein paar Meter weiter es wesentlich kälter ist. Es kamen noch die Anregungen, dass raumhöhe Türen einen ziemlichen Unterschied machen würden, weil sich die Wärme dann nicht am Sturz sammelt und mehr ins Obergeschoss zieht. Alternativ könne man über ein Lüftungsrohre Warmluft mit einem PC-Lüfter nach oben bringen, aber das ist halt eine Bastelei und ein Rohr ist nicht ideal, was Hygiene und Lärmschutz betrifft. Am realistischsten ist wahrscheinlich mit Kaminventilator zu arbeiten und einen Deckenventilator zur Wärmeverteilung zumindest planerisch schon mal vorzusehen.

Was meint ihr? Wer hat konkrete Erfahrungen, die in einer ähnlichen Situation, wie dem von mir geplanten Neubau? 

  •  Akani
23.12.2025  (#21)
Ich mag holz echt gerne, hab aber keinen Wald, Haus zu klein für einen Ofen. 
Wenn ich mir das mit Holzofen vorstelle würde ich eher einen Ghundofen bauen, rundherum die Räume mit Züge am Bad vorbei. 
Ziel wäre für mich eine lange angenehme Wärmeabgabe und nicht punktuell mal eben fast 30° 
Gebaut wird nur 1 Geschoss? 
Deckenhöhe offen mit Sichtdach?

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  •  aHouseInTheMiddle
24.12.2025  (#22)
Eine so tolle Warmluftwalze wie bei @Magnum2 oder @speckulazius werden wir wohl nicht hinkriegen. Dann hätte ich vor Überhitzung keine Angst. Das EG sollte bei uns eine eigenständige Wohnung bilden können, deshalb ist die Treppe ins OG im Eingangsbereich links oben im Bild. 

Mein Haus hat 200 qm = 80 qm EG + 80 qm OG + 20 qm bewohnbarer Dachspitz (DG). Für die Konvektion hat bei uns hat die Wärme < 1 m zur Tür zum rechten Nebenraum (Büro/Schlafzimmer) und ca. 3 m zur Tür zum Eingangeingangsbereich. Direkt über der Tür ist allerdings ein Luftbereich im Eingangsbereich bei der Treppe, der sogar noch etwas in den Dachspitz reicht (aber keinen direkten Zugang zum DG hat, außer man  würde da irgendwo eine Luftungsklappe einbauen...).  Wie schon erwähnt meinte der Energieberater dass es wohl einen ziemlichen Unterschied machen würde, wenn wir eine raumhohe Tür zum Eingangsbereich hätten. Dann sammelt sich die warme Luft nicht vor dem Türsturz und es könnte sich eine Walze bilden. Alternativ will ich mit Kaminventilator arbetien und vielleicht einen Auslass für einen Deckenventilator vorsehen und mal sehen, wie weit man damit kommt...

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Wir waren schon mal mit einer sehr guten Ofenbauerin im Gespräch, die uns einen Kachelofen (ähnlich dem was @Akani schreibt) mit Zügen vorschlug. Die hätte den dann so konstruiert, dass Luftwärme- und Strahlungswärmeabgabe gut gemischt wären. Damit hätte man auch einen Anteil schneller Wärme und Speicherung. Wir hätten da mutig sein können und all-in gehen, denn als alleinige Heizung wäre das kostentechnisch mit gut 15 TEur vetretbar, aber für eine Zusatzheizung war uns das zu viel und Züge könnten auch hygiene- und schallschutztechnisch schwierig sein. 

Hybridöfen als Alternative zum reinen Pelletofen habe ich mir jetzt noch angeschaut: die Auswahl ist klein, die kosten dan gleich wieder ein bisschen mehr und weil der Ofen ja optisch was hermachen soll, sind die auch raus. Insbesondere die Anforderung, dass der Kamin kantig/rechteckig sein soll macht es mir nicht leichter etwas zu finden, das akzeptiert wird emoji Deshalb wahrscheinlich etwas wie der schon erwähnte Skantherm Elements 3S. 

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  •  bautech
  •   Gold-Award
24.12.2025  (#23)

zitat..
aHouseInTheMiddle schrieb: Deshalb wahrscheinlich etwas wie der schon erwähnte Skantherm Elements 3S. 

Trau dich drüber - das Ding ist vom Brennraum her so klein dass die Temperatur relativ einfach zu steuern ist... noch leichter gehts mit 25cm-Scheiten 😀

Bei uns brennen meist zu Beginn 3 Scheiter, dann wird nach Bedarf einzeln auf die Glut nachgelegt. Funktioniert perfekt 


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  •  Akani
25.12.2025  (#24)
Für was du dich auch immer entscheidest, der Scantherm ist optisch ein schöner Ofen, Erfahrungen wie von bautech sind natürlich auch hilfreich.
Bin sehr auf eure Umsetzung und auch die Bauphase gespannt und vor allem auf den 1. Winter.
Plant doch evtl als Überlegung Splitklima mit ein. 
Notfals zum Heizen aber auch kühlen und entfeuchten.
Die Zweite Frage die ich mir bei Holzfeuerung immer stellen würde, wenn auch kein anderes Heizsystem vorhanden ist.
Holz musst du immer händisch nachlegen, keine automatisation, Du musst es beschaffen und Lagern, vom Lager zum Ofen bringen. 
Es sollten dabei auch alle Familienmitglieder dabei sein wenn einer ausfällt die Komplette Arbeit zu übernehmen.
Ich hab schon ganze Holzkessel Anlagen wieder raus gerissen weil der Vater krank und die Kinder keine Lust hatten holz zu machen

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  •  bautech
  •   Gold-Award
25.12.2025  (#25)
Nur zur Klarstellung...
Ich kann nur für Skantherm sprechen weil ich nur den einen betreibe, der alle PH-Anforderungen erfüllt (zB RLU-Betrieb) und meine Erfahrungen damit nur die besten sind. Unsere Rauchfangkehrerin ist auch begeistert davon - aber wahrscheinlich auch von anderen Produkten, über die sie mit mir halt nicht spricht. Verständlich irgendwie... mit einem Mercedesfahrer rede ich auch selten über Dacias 😉

Obs beim TE nun ein Skantherm, ein Spartherm oder doch ein Kingfire von Schiedel (oder irgendwas anderes) wird ist mir gleichgültig 😀.

Ich möchte nur ein wenig die Scheu vor der Anschaffung eines Heizkamins nehmen - weil mMn die Vorteile eindeutig überwiegen.


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  •  Akani
25.12.2025  (#26)

zitat..
bautech schrieb: Ich möchte nur ein wenig die Scheu vor der Anschaffung eines Heizkamins nehmen - weil mMn die Vorteile eindeutig überwiegen

Ja das denke ich auch. 
Vorteile sind eben devinitiv dass ich immer Wärme ins Haus bringe, egal obs Strom gibt oder nicht. Solange es reine Luftfeuchtigkeit ohne Wasserkühlung sind.
Es gibt halt nicht immer nur die eine Lösung.
Wie gesagt ich finde das Thema, gerade bei Niedrigst- und Passivhäuser wirklich spannend


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  •  Solarhaus
25.12.2025  (#27)
Wir haben in einem Niedrigenergiehaus einen Kleinkachelofen. Masse ca 50x50xca165 cm hoch. Nennleistung 1,5 kw auf 8 Stunden. Aussenluftanschluss. Einmal ca 3 kg 25 cm Scheite auflegen und 8 Std wohlige Wärme. Durch die grosse Glas Scheibe wir es während abbrand schon warm. War der teuerste m2 beim Haus.  So ein Speicher Ofen kostet heute ca 10 k€ und Kamin. Würde ich wieder so machen....

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  •  speckulazius
  •   Bronze-Award
3.1.2026  (#28)
Rein rational macht ein Schwedenofen in einem Neubau mit WP WP [Wärmepumpe] natürlich erstmal keinen Sinn. Weil warm wird das Haus auch mit der FBH FBH [Fußbodenheizung].
Aber der Mensch ist halt kein Computer. Da zählt nicht nur die technisch messbare Temperatur sondern auch die angenehme Strahlungswärme usw...
Und wenn man dann das Bärenfell vor dem knisternden Schwedenofen ausbreiten kann, dann ist das letztlich auch gut für die Geburtenstatistik.

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