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Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

20 Beiträge | 8.4. - 9.4.2019
Hallo,

ich hab nach längerer Wartezeit endlich den EA erhalten und würde gerne eure Einschätzung bezüglich Dimensionierung hören, bevor ich aktiv das Gespräch mit meinem Installateur suche.
Ich hab für mich bereits entschieden, dass es eine Erdwärmepumpe (FBH u. Betonkernaktivierung) mit Flächenkollektor werden soll. Ob es ein RGK oder ein normaler Flächenkollektor wird steht noch offen, aber seit meinem Gespräch mit Arne bei einer Messe bin ich pro RGK. Es gibt in meiner Region leider nicht viele Installateure die schon davon gehört, geschweige sowas verbaut haben (südliche STMK).

Ich hab mir bereits einige Threads bezüglich diesen Themas durchgelesen, aber vielleicht könnt ihr mir trotzdem kurz und knackig sagen aus was ich achten sollte.

mfg Bernd
Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises


 
8.4.2019 10:04
Im Energieausweis gibt's auch eine Heizlastabschätzung (sieht in etwa so aus https://www.energiesparhaus.at/forum-fussbodenheizungsauslegung/53160_1#501788 ). Die bitte hochladen.
8.4.2019 10:45
Ich bin mir nicht ganz sicher welche Seite du genau haben willst, hab deshalb ein paar Seiten mehr hochgeladen. Ich hoffe die passende Seite ist da dabei.

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

8.4.2019 14:02
Die Heizlastabschätzung steht schon im Eröffnungsbeitrag, 2. Bild, unter "Benötigte Heizleistung": 7.454W.


8.4.2019 14:22


wabbem schrieb: Ob es ein RGK oder ein normaler Flächenkollektor wird steht noch offen


Dein EA geht nicht von einem "normalen Flächenkollektor", sondern von einem Direktverdampfersystem aus. Direktverdampfer haben – nebst dem Vorteil erhöhter Effizienz – auch erhebliche Nachteile. Ein ganz wesentlicher Nachteil ist, dass hier kein harmloses Alkohol-Wasser-Gemisch durch die Kollektoren fließt, sondern das Kältemittel selbst. Wenn das Solerohr ein Leck hat, sind schlimmstenfalls deine Regenwürmer und Wühlmäuse beschwipst. Wenn Kältemittel austritt, ist das umwelt- und klimaschädlich.
Bei Direktverdampfung kannst nicht einfach jede beliebige WP an den Kollektor anstöpseln, da das Kältemittel in der WP und im Kollektor ein System bilden. Wenn die WP also kaputt geht und du Ersatz brauchst, wird es schwieriger, zumal es am Markt wesentlich weniger Direktverdampfer-WP als normale Erdwärmepumpen gibt.

Deine Heizlast kommt mir recht hoch vor, nicht in absoluten Zahlen, sondern in Relation zu deinem Haus, das ja sehr kompakt gebaut zu sein scheint und mit 257m2 BGF auch nicht allzu riesig ist. Auch die NAT an deinem Standort ist mit 13,6° ja keinesfalls arktisch.  Ev. könntest du hier noch nachbessern. Wäre KWL ein Thema für dich?
8.4.2019 14:46


Vardi17 schrieb: Dein EA geht nicht von einem "normalen Flächenkollektor", sondern von einem Direktverdampfersystem aus.


 
Macht es für den EA einen Unterschied ob ein Direktverdampfersystem angegeben wird oder ein Flächenkollektor? Sorry schon mal für die dumme Frage, aber mein Plan war es defintiv mit einem Standard-Flächenkollektor oder RGK zu bauen.

Das Thema KWL war kurz Thema bei der Plannung, wurde aber relativ schnell von meiner besseren Hälfte aufgrund Kostenreduktion wegrationalisiert.

Kann man mit den oben angeführten Werten ca. bestimmen welche Größenordnung an Wärmepumpe sinnvoll wäre?


8.4.2019 16:21
DV WPs sind zwar in der Theorie minimal effizienter, aber dafür gibts deutlich weniger Anbieter und Du verheiratest Dich quasi recht lange.

Für Dich wichtig ist dass die DV Kollektoren ähnlich normalen Flächenkollektoren berechnet werden, der RGK dürfte in den meisten Fällen deutlich weniger Platz benötigen. Aber dazu gibt es hier sicher kompetentere Ansprechpartner. Mal doch einfach mal Dein Grundstück in den Trenchplanner ein, dann werden diese Profis sicher in das Thema einsteigen.
8.4.2019 18:48


Vardi17 schrieb: Die Heizlastabschätzung steht schon im Eröffnungsbeitrag, 2. Bild, unter "Benötigte Heizleistung": 7.454W.


Stimmt, habs nacher auch gesehen, war aber trozdem nicht verkehrt die Daten reinzustellen.

Nachgerechnet komme ich auch auf auf die 7,4 kW, ergänzt um die Solaren- und Inneren-Gewinne bin ich dann bei ca. 6 kW.

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises


Vardi17 schrieb: Deine Heizlast kommt mir recht hoch vor, nicht in absoluten Zahlen, sondern in Relation zu deinem Haus, das ja sehr kompakt gebaut zu sein scheint und mit 257m2 BGF auch nicht allzu riesig ist. Auch die NAT an deinem Standort ist mit 13,6° ja keinesfalls arktisch.  Ev. könntest du hier noch nachbessern. Wäre KWL ein Thema für dich?


Ich bin auch der Meinung das mit ein bisschen Optimierung weitaus bessere Werte erreichbar sind. Ich habe die Dämmung des Bodens und des Dachs mal optimiert, da diese eigentlich recht günstig sind. Die Tür habe ich auch optimiert, bringt aber nicht viel. Zusätzlich habe ich noch eine KWL hinzugefügt, die ist halt nicht so günstig zu haben wie die Dämmung für Boden und Dach. Anzumerken wäre, dass der Korrekturfaktor mit 1,34 für die FBH in deinem Energieausweis zu hoch angesetzt wurde. Mit einer BKA hast du sicher keine VL von 35°, mit 28° VL und 23° RL komme ich auf einen Korrekturfaktor von 1,16. Die Außenwand habe ich nicht verändert, bei VWS wäre natürlich auch hier eine Anpassung möglich. Bei den Wärmebrücken kannst du natürlich auch noch optimieren da die Werte eigentlich recht hoch sind.

Vielleicht kannst du ja was für dich mitnehmen. Die Heizlast wäre mit den Optimierungen dann bei 3,8 kW und die Heizung selbst würde vermutlich nur 3-4 Monate im Jahr laufen.

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises
8.4.2019 19:11
Zur KWL: Wir mussten auch etliche Einsparungen vornehmen, die KWL ist – aus mehreren Gründen – nicht dem Sparstift zum Opfer gefallen.


wabbem schrieb: Kann man mit den oben angeführten Werten ca. bestimmen welche Größenordnung an Wärmepumpe sinnvoll wäre?


Kann man

Die im EA angegebene Heizlast geht aus von:
– eisiger Kälte
– an einem vollkommen sonnenlosen Tag
– wo im Haus weder gekocht noch überhaupt wie gewohnt wird
➜ also ein Fall, der in der Realität so nicht auftreten wird.
Deine reale Heizlast liegt also tiefer als die angegebenen 7,5kW, wie tief, nun, da gibt es befugtere Köpfe hier im Forum, die das besser einschätzen können, aber ich könnte mir vorstellen, dass du mit einer 6kW-Pumpe gut liegen könntest.
Typische Heizlasten an typischen Wintertagen liegen ungefähr bei der Hälfte von dem, was berechnet wird.

Bei jeder Form von Erdwärme sind modulierende Wärmepumpen von Vorteil:
Eine "normale" 6kW-Pumpe würde sich an einem normalen Wintertag mehrmals ein- und ausschalten (weil du eigentlich keine 6kW brauchst, sondern z. B. 3,5kW), also takten. Eine WP mag es aber nicht, oft ein- und ausgeschaltet zu werden, das verkürzt ihre Lebensdauer.
Eine modulierende Wärmepumpe passt die Leistung an die tatsächlich anfallende Heizlast an und braucht sich im Winter nicht dauernd ein- und auszuschalten.

Dazu kommt, dass eine "normale" 6kW-Pumpe immer mit maximaler Kraft in den Kollektor fährt und diesem heftig Wärme entzieht. Eine modulierende Wärmepumpe geht viel schonender mit der Quelle um und saugt sie über den Winter weniger aus.
8.4.2019 19:27


berhan schrieb: ergänzt um die Solaren- und Inneren-Gewinne bin ich dann bei ca. 6 kW.


Vardi17 schrieb: aber ich könnte mir vorstellen, dass du mit einer 6kW-Pumpe gut liegen könntest


9.4.2019 7:12
Vielen Dank für die ganzen Infos. :)


berhan schrieb: Ich habe die Dämmung des Bodens und des Dachs mal optimiert


Welche Material hast du dafür verwendet?


Vardi17 schrieb: Bei jeder Form von Erdwärme sind modulierende Wärmepumpen von Vorteil


Ich werde mir definitiv eine modulierende Wärmepumpe zulegen.

Ganz andere Frage:
Wenn ich das haus mittels der BKA im Sommer kühlen möchte, muss ich da auf etwas bestimmtes achten? (Ausser, dass die Wärmpepumpe eine Kühlfunktion hat)
9.4.2019 8:10


wabbem schrieb:
Ganz andere Frage:
Wenn ich das haus mittels der BKA im Sommer kühlen möchte, muss ich da auf etwas bestimmtes achten? (Ausser, dass die Wärmpepumpe eine Kühlfunktion hat)


Manche fahren über die FBH, dies ist aber nicht sonderlich angenehm und eher nicht zu empfehlen. Es gibt dann noch die möglichkeit einer Deckenkühlung - hier gibt es zwei Varianten. Entweder Kälteverteilung in der Betondecke (so werd ichs machen) oder abgehängte Decke mit Kühlpanele (quasi Radiatoren in der Zwischendecke).
9.4.2019 8:20
servus Bernd,


wabbem schrieb: Es gibt in meiner Region leider nicht viele Installateure die schon davon gehört, geschweige sowas verbaut haben (südliche STMK).


 morgen hättest du die gelegenheit bei einer musterverlegung bei 8472 Straß zwischen Leibnitz und Spielfeld zusehen zu können...

sooo schlecht schauts dort aber nicht aus...

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises



wabbem schrieb: Ob es ein RGK oder ein normaler Flächenkollektor wird steht noch offen...


den kennst du?

https://www.energiesparhaus.at/forum-unterschiede-rgk-zu-flachkollektor/48436
9.4.2019 8:29


Pretorianer schrieb: Manche fahren über die FBH, dies ist aber nicht sonderlich angenehm und eher nicht zu empfehlen...


 da gibt es hier im forum aber gaaaaanz andere erfahrungen ...

siehe https://www.energiesparhaus.at/forum-einstellung-passive-kuehlung-nibe-knv/42267_11#469593 und folgende...

alles aus dem letzten jahrhundertsommer...

bei gut dimensionierter wärmesenke haben wir ja nur ein delta von rund 1° von boden zu raum...
9.4.2019 8:53


dyarne schrieb: morgen hättest du die gelegenheit bei einer musterverlegung bei 8472 Straß zwischen Leibnitz und Spielfeld zusehen zu können...


 Könntest du mir da genauere Details zukommen lassen? Straß wäre nur 20 Minuten von mir entfernt.



dyarne schrieb: wabbem schrieb: Ob es ein RGK oder ein normaler Flächenkollektor wird steht noch offen...

den kennst du?

https://www.energiesparhaus.at/forum-unterschiede-rgk-zu-flachkollektor/48436


Ja kenn ich, du hast bei der Grazer Häuslbauermesse auch meine Freundin überzeugt, aber den Installateur (Onkel meiner Freundin) konnte ich noch nicht auf meine Seite ziehen.



Pretorianer schrieb: Kälteverteilung in der Betondecke


So hab ich mir das auch vorgestellt und falls nötig das Haus mit BKA und FBH zu kühlen.


9.4.2019 10:12


wabbem schrieb: Welche Material hast du dafür verwendet? [ref]wabbem:53501#503987[/ref]


 Ich habe nur den U-Wert verbessert. Für die Bodenplatte wäre XPS oder GSS möglich. Beim Dach kommt's drauf an welches Flachdach du haben möchtest (z.B. Umkehrdach oder Warmdach). Stell halt deinen Aufbau hier rein, dann wird's für uns leichter. Bist du noch in der Planungsphase?
9.4.2019 11:00
Hier die Aufbauten für Decke und Fundament.

Wärmepumpendimensionierung anhand des Energieausweises

Wir sind gerade in der finalen Phase unserer Plannung.
9.4.2019 17:22
Zum Dachaufbau, ist ein Warmdach hierbei fehlt jedoch noch die Gefälledämmung. Wenn du den die Dicke des Dämmmaterials von 20 auf 30 cm erhöhst bist du bei einem U-Wert von 0,10. Besseres Dämmmaterial geht auch, ist aber nur dann sinnvoll wennst nicht höher werden darfst. Ich persönlich bevorzugge ein Umkehrdach.

Unter der Fundamenplatte würde ich zusätzlich auf jeden Fall XPS oder GSS geben, nachträglich kannst du das nie mehr ändern.
9.4.2019 18:58


wabbem schrieb: Wir sind gerade in der finalen Phase unserer Plannung.


Sehr gut. Wenn noch nicht alles feststeht, gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten.
berhan hat hier wichtige Dinge vorgeschlagen. Die geplanten U-Werte sind nicht besonders gut, und hier ließe sich bestimmt ohne großen finanziellen Aufwand nachbessern. Vor allem unter der Bodenplatte wäre es wichtig, das gleich zu tun, denn


berhan schrieb: nachträglich kannst du das nie mehr ändern.



wabbem schrieb: den Installateur (Onkel meiner Freundin) konnte ich noch nicht auf meine Seite ziehen.


Alles, was man das erste Mal macht, ist natürlich ein kleines Abenteuer. Andererseits ist der RGK keine Hexerei, sondern sein Design beruht auf der praktischen Umsetzung solider physikalischer Erkenntnisse. Der RGK ist unterm Strich ja auch nur ein Flächenkollektor, allerdings ein Flächenkollektor, bei dem an mehreren Stellen geschraubt und optimiert wurde.
Vielleicht findet der Onkel deiner Freundin das letztlich sogar spannend, wenn er sich ein bisschen eingelesen hat oder sonstwie an Informationen gekommen ist.  Wenn nicht, es gibt drei WP-Firmen, die den RGK offensiv unterstützen. Bei denen passt die Planung, die betreffenden WP dürfen "mit Segen von oben" an einen korrekt geplanten RGK angeschlossen werden, und der Installateur müsste sich keine Sorgen darüber machen, ob das mit einem Ringgrabenkolletor denn überhaupt funktionieren könne
9.4.2019 19:22
und bitte bitte bitte verzichtet nicht auf die kwl!!!
trefft zumindest alle vorbereitungen!!!
wir hätten soooo gerne eine!!!
9.4.2019 22:24


heislplaner schrieb: und bitte bitte bitte verzichtet nicht auf die kwl!!!


Jeder muss seine eigenen Prioritäten setzen. Wir wollten bei unserem Neubau nicht darauf verzichten, weil wir jetzt schon in einem relativ dichten Haus wohnen und die unterschiedlichen Wärme- und Frischluftbedürfnisse in der Familie nur schwer unter einen Hut bringen können. Eine KWL erlaubt im Winter Wärme trotz Frischluft, außerdem jede Nacht ein gut gelüftetes Schlafzimmer. Deswegen freuen wir uns auf die KWL und können nachvollziehen, dass sie dir abgeht, heislplaner.  

Wenn jemand solche Bedürfnisse nicht hat, dann geht’s wohl auch ohne KWL. 
Wenn jemand rein aus finanziellen Gründen verzichtet, nun, wir haben nach anderen Einsparungsmöglichkeiten gesucht und auch welche gefunden. 
Schade ist es aber, wenn jemand aufgrund von nicht fundierten Horrorgeschichten keine KWL verbaut. Passiert allerdings vielleicht nicht mehr so oft wie früher, weil Wissen über Wohnraumlüftungen inzwischen verbreiteter zu sein scheint. 



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