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Unplausibler Druckverlust und Stromverbrauch KWL

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11.5. - 14.5.2022
9 Antworten | 4 Autoren 9
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Hallo in die Runde,

ich habe ein seltsames Problem mit unserer KWLKWL [Kontrollierte Wohnraumlüftung] (Viessmann Vitovent 300W in der 400 m^3/h-Variante), das sich allmählich über die letzten Monate entwickelt hat und mir beim letzten Filterreinigen richtig ins Auge gesprungen hat. 

Normalerweise habe ich vor dem Filterreinigen die Zuluft bei etwa 50-60 Pa und die Abluft vielleicht bei 60-70 Pa. Nach dem Reinigen oder Wechseln der Filter sind es dann 30-35 bei der Zuluft und etwa 45-50 bei der Abluft. 

Während der letzten Reinigungen sind die Abluftwerte leicht gestiegen, aber dieses Mal (Intervall leicht überschritten) war die Abluft bei 140 Pa (!). Nach dem Reinigen (alle G3-Filterhütchen gegen ausgesaugte und gewaschene ausgetauscht, Gerätefilter ausgesaugt) war ich bei 114 Pa, was immer noch viel zu viel war. Zuluft war um 35.

Ich habe eine Weile rumprobiert und dann mal am Gerät die Abluft abgezogen, so dass das Geät die Abluft nicht aus dem Haus, sondern direkt aus dem Keller gezogen hat. Damit war das Haus dann quasi weg. Trotzdem war der Druck immer noch bei 80 Pa! Das Gerät hat einen 180 mm Eingang, dann kommt die korrekt sitzende Klappe des Bypasses und dann der Wärmetauscher. Hinter dem Ventilator geht es dann mit 180 mm über eine Strecke von ca. 15 Meter nach draussen. Das Gitter ist sauber und keine Vögel oder so drin.

Nächste Idee: Wärmetauscher. Ausgeduscht, wieder eingebaut... nur marginale Verbesserung. Da die Zuluft prima war, habe ich den Enthalpietauscher (der ist symmetrisch) anders herum eingebaut. Damit ist das Problem mitgewandert... Zuluft nun bei 70, Abluft bei 80. Das ist aber eigentlich auch noch viel zu viel.

Also habe ich den WT noch einmal (das hatte ich schon als erstes gemacht) ausgiebig lauwarm mit der Dusche durchgespült (wie in der Anleitung beschrieben). Aktuell trocknet das ganze noch. Feucht sind es aktuell (in richtiger Einbaulage) 52 / 130 Pa, aber da ist sicher noch viel Wasser drin, was erst wegtrocknen muss. 

Was mich aber wundert: Im Bypassbetrieb (da wird die Abluft um den WT herum geführt) liegt der Druck nun bei 123 Pa... was auch viel zu viel ist. Da habe ich keine Referenzwerte, weiss aber, dass das auch früher über dem Betriebswert lag, aber eben nicht so hoch.

Früher lag die KWLKWL [Kontrollierte Wohnraumlüftung] bei ca. 36-37 W, im Bypassbetrieb vielleicht 2-3 W mehr. Jetzt sind wir - nach Reinigung - eher bei 40-42 W, aktuell mit Bypass und nassem WT (nur Zuluft) bei 45W.

Damit stelle ich mir folgende Fragen:

Kann der WT so verschmutzen? In der Frischluft sitzt ein G4-Filter vor einem G7-Taschenfilter in einer externen Box (kein Gerätefilter), in der Abluft sitzt ein G3-Filterhütchen in jedem Ventil und zusätzlich eine G3 oder G4 Filtermatte im Gerät. Gibt es noch andere Tricks, den WT zu reinigen? Rein optisch ist er sehr sauber und das Wasser hat auch keinen sichtbaren Dreck in Massen rausgespült (nur ein paar kleine Viecher).

Oder: Kann es sein, dass hier die Volumenstromregelung spinnt? Beim Umschalten auf Bypass geht die Drehzahl runter... so bei 160-165 m^3/h laut Anzeige sah der Druckverlust gut aus. Wenn die Regelung spinnt und in Wahrheit 200+ m^3/h fördert, dann wäre das eine Erklärung. Wirklich messen kann ich das nicht... ein Behelfsversuch mit einem Pappkarton und einem Anemometer draußen an Fortluft und Frischluft brachten eine etwa 10% höhere Anzeige bei der Fortluft im Vergleich zur Abluft.

Gemessen wird vermutlich mit zwei Drucksensoren, deren Schläuche weder geknickt noch abgerutscht sind. So sieht das aus:




Wenn man das Gerät ohne WT laufen lässt, also so




, dann zeigen Zu- und Abluft jeweils 0 Pa an und der Stromverbrauch sinkt logischerweise sehr stark.

Habt ihr irgendwelche Ideen?

12.5.2022 ( #1)
Die etwa zehn Minuten, den ich den Enthalpietauscher mit lauwarmen Wasser geduscht habe (jeweils durch die Luftwege), haben leider auch keine Verbesserung gebracht. Es sind immer noch 115 pa Druckabfall.

Wie könnte man das Ding noch reinigen? Kann das an einer Verschmutzung liegen? Zu sehen ist nichts.

Ich hatte überlegt, ob längeres Einweichen in der Badewanne vielleicht größere Chancen hat... und danach dann Durchspülen.

Alternativ überlege ich, ob ich als Test eine Art "Sommerkassette" aus Pappe oder Styropor bauen sollte, die die beiden Luftströme einfach nur durchleitet. 

Laut meinem Log ist der Stromverbrauch Ende März, Anfang April recht schnell von ca. 40..42 W auf 46+ W angestiegen, ist aber auch für ein paar Tage wieder zurück, eher er sich dann auf höherem Niveau eingependelt hat. Wenn ich mich recht entsinne, waren das eher kalte Tage.

Ich habe auch schon überlegt, ob irgendwie (keine Ahnung, wie) ein größeres Hindernis in die Abluftleitung gekommen sein könnte, das den Druckverlust und den Stromverbrauch erklärt. Das ist aber nur zu einem kleinen Teil mit einer Endoskopkamera einsehbar - werde ich mal prüfen.

12.5.2022 ( #2)
+1 für Endoskopkamera
(schleichender) Lagerschaden am Lüfter kann es nicht sein, oder?



12.5.2022 ( #3)


Tomlinz schrieb: +1 für Endoskopkamera

Leider ist meine nur etwa einen Meter lang, und das Rohr geht ca. 2m nach unten, ehe es unter der Garage waagerecht verläuft. Ich hoffe aber, dass ich sehe, ob da unten was rumliegt.


Tomlinz schrieb: (schleichender) Lagerschaden am Lüfter kann es nicht sein, oder?

Beide Lüfter drehen gefühlt gleich leicht und hören sich auch gleich an.

Was mich am meisten wundert, sind die nicht so ganz zusammenpassenden Details:

Das Drehen des WT zeigt, dass er anscheinend einen Einfluss hat. Auf der anderen Seite sorgt aber auch der Bypassbetrieb für einen viel zu hohen Druckabfall. Das passt nicht zusammen...

Eigentlich gibt es damit nur zwei sinnvolle Erklärungen: Entweder ist ein größeres Hindernis in der Fortluftleitung oder die Messung des Volumenstroms ist fehlerbehaftet, so dass die Regelung zu viel Gas gibt. Der Druckabfall hingegen wäre in dem Fall richtig gemessen - kann das sein? Wie funktioniert diese Volumenstrommessung (siehe Bild)?

Der erhöhte Stromverbrauch ist echt... das messe ich mit einem externen Smartmeter. Im Moment sind es 40-41 W - normal wären so kurz nach der Filterreinigung eher 36-37.



14.5.2022 ( #4)
Bei uns war mal im Schlauch zu dem Drucksensor (nur einer verbaut...) ein Fremdkörper drinnen. Der Schlauch wurde abgesteckt und der Techniker hat durchgeblasen. Dann war alles wieder normal.

14.5.2022 ( #5)
Ich denke das Ausschlussverfahren bringt dich auf den richtigen Punkt:

1. die Abluftleitung ist es nicht, die Werte sind auch ohne Hausanschluss viel zu hoch
2. der WT hat einen Effekt, aber der kann nicht isoliert vom Druckverlust in der Fortluftleitung betrachtet werden und die Bypasswerte sind auch viel zu hoch ... folglich der WT ist es ziemlich sicher nicht.

Es bleiben die Druckdifferenzmessung, der Ventilator und die Fortluftleitung.


JanRi schrieb: Wie funktioniert diese Volumenstrommessung

Ich bin nicht 100% sicher, aber vermutlich ist die Ventilatorkennlinie hinterlegt, d.h. aus Drehzahl und Druckdifferenz wird der Volumenstrom 'errechnet'.

Folgende Ideen könnte man versuchen:

1. die beiden Ventilatoren tauschen --> keine Änderung --> Ventilator ist nicht das Problem
2. Die Differenzdruckmessung für die beiden Ventilatoren tauschen (ev. reichlich lästig) --> es ändert sich nicht --> Messung ist nicht das Problem
3. Fortluftkanal mit mehr Aufwand prüfen ... ev. versteckt sich ein Kaninchen ...


https://acegif.com/wp-content/gifs/cute-bunny-gif-41.gif
Bildquelle:https://acegif.com/wp-content/gifs/cute-bunny-gif-41.gif


14.5.2022 ( #6)


taliesin schrieb:

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JanRi schrieb: Wie funktioniert diese Volumenstrommessung
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Ich bin nicht 100% sicher, aber vermutlich ist die Ventilatorkennlinie hinterlegt, d.h. aus Drehzahl und Druckdifferenz wird der Volumenstrom 'errechnet'.

Bei uns wird nur der Unterdruck nach Filter bei der Abluft gemessen und dann wird die Spannung langsam erhöht bis der Regler den gewünschten Druck vom Sensor geliefert bekommt.
die Motordrehzahl für die Zuluft wird nur über eine Kennlinie der Spannung von der Abluft geregelt.

14.5.2022 ( #7)
Ihr seid großartig!


jayjay schrieb: Der Schlauch wurde abgesteckt und der Techniker hat durchgeblasen. Dann war alles wieder normal.

Es gibt VIER Schläuche mit entsprechend vier Sensoren, also zwei je Richtung. Deren Enden sind direkt vor dem Ventilator, wie hier zu sehen:



Diese kleinen Gummikappen hatte ich schon vor ein paar Tagen abgezogen und gereinigt, bin da aber nicht auf die Idee gekommen, dass hartnäckiger Dreck weiter reinkommen kann und dass die zu messenden Unterschiede vermutlich marginal sind.

Also habe ich die Schläuche von den Sensoren abgezogen, die Kappen abgezogen und durchgeblasen (alle vier, sicher ist sicher). Falls das jemand nachmacht: Blau ist bei diesen Geräten die Abluft, rot die Zuluft. Die Schläuche und die Sensoren sind so markiert, dass man sie nicht versehentlich falsch wieder aufstecken kann.

Ergebnis: 33 Pa Zuluft, 50 Pa Abluft. Das entspricht etwa den Werten von früher. Der Stromverbrauch sank von 42 W auf 32 W. Das ist signifikant und das Problem damit gelöst.

Ich habe trotzdem noch ein bissel weitergeforscht.

Zum einen zeigt mein Anemometer (mittels Pappkarton-Adapter) an der Frischluft und der Fortluft draußen nun fast identische Werte an - vorher war die Abluft ein ganzes Stück stärker. Vermutlich lag der Fehler also in der Volumenstrombestimmung, so dass die Regelung zu viel Gas gegeben hat. Sieht man auch an der Drehzahl, denn die ist deutlich gesunken (von über 1900 U/min auf knapp über 1700).

Aus Interesse habe ich den WT nochmal andersherum eingebaut. Das führte zu Abluft 33 Pa und Zuluft 65 Pa (so in etwa, habe ich nicht notiert). Das Ding sieht symmetrisch aus, allerdings steht in allen Anleitungen, dass das Etikett nach vorne soll. Das wiederum lässt zwei Einbaupositionen zu (über Kopf), aber die ändern nur die Strömungsrichtung, nicht, was wo durchgeht. Es kann also sein, dass der WT intern doch nicht ganz symmetrisch ist.

Mit abgezogenem Haus (also ohne angeschlossene Abluft) und normal eingebautem WT hatte ich etwa 18 Pa. Mit Abluft angeschlossen, aber ohne Filtermatte direkt vor dem WT, waren es um die 40. Eine neue Filtermatte hat nichts geändert, eventuell ist das ein aerodynamisches Problem mit der Anströmung des WT hinter der Filtermatte.

Auf der Zuluftseite besteht das Problem nicht, weil es keinen Gerätefilter mehr gibt (Filterbox viel weiter vorne im Rohr).

Von daher ist das große Problem gelöst... ob das mit dem WT überhaupt eins ist, ist unklar. Falls jemand trotzdem Ideen hat, ob man den Enthalpietauscher noch schlauer als per Dusche reinigen kann... Ich frage mich, ob Einweichen in der Badewanne etwas ändern würde. Mit Seife will ich da lieber nicht rangehen, da Viessmann das explizit untersagt.

Der minimale Wert, den ich je in der Abluft hatte, war bei 45 Pa, aber da waren die Filterkegel und die Matte vermutlich allesamt neu. Aktuell sind die Kegel ausgesaugt und gewaschen, was sicher einen Unterschied macht.

In jedem Fall bin ich sehr zufrieden! Vielen Dank an die Helfer!


14.5.2022 ( #8)


JanRi schrieb: Es kann also sein, dass der WT intern doch nicht ganz symmetrisch ist.

Es könnte ev. auch am unterschiedlichen Verschmutzungsgrad durch Außen- und Fortluft liegen, die Oberflächenrauigkeit hat auf den Druckverlustbeiwert Einfluss.

14.5.2022 ( #9)


taliesin schrieb: Es könnte ev. auch am unterschiedlichen Verschmutzungsgrad durch Außen- und Fortluft liegen

Unterschiedliche Verschmutzung ist möglich, da die Abluft nur G-Filter hat, während es in der Außenluft sowohl einen G3-Vorfilter als auch einen F7-Hauptfilter gibt.


taliesin schrieb: die Oberflächenrauigkeit hat auf den Druckverlustbeiwert Einfluss.

Klingt plausibel. Nur: Wie bekommt man das wieder sauber?



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