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U-Wert Reduktion rentabel?

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8.1. - 10.1.2021
20 Beiträge | 10 Autoren 20
Hallo liebe Leute,

ich lese bereits seit einigen Monaten gespannt die Beiträge und bin fasziniert über die regen Diskussionen :)

Ich bin zurzeit in der Planung eines Haus und mir bereiten die U-Werte div. Wandaufbauten ein bisschen Kopfzerbrechen.

Konkret geht es um die Romberger Wandaufbauten:

ro:pur (0,31 U-Wert)
ro:mineral (0,24 U-Wert)
ro:therm (0,15 U-Wert)

Bei einem angenommen Haupt-Haus von EG:14x10 Metern und OG von 10x10 Metern ergibt das lt. DIN EN 1283 einn Transmissionswärmeverlust (nur Wände! excl. Fenster) von zirka:

0,31 U-Wert: 3200 W
0,15 U-Wert: 2000 W

Das ist natürlich nur eine grobe Berechnung (Fenster wurden bereits herausgerechnet) - aber man sieht ungefähr wo die Reise hingeht.

Bei einer angenommen Luft-Wärmepumpe mit JAZ von 3,5 ergibt das einen Stromverbrauch von 1,2/3,5*2000= 685kwH / Jahr * 0,2 Euro = 137 EUR / Jahr.

Auf 20 Jahren (angenommene Fassadenlebensdauer) von 2740 Euro.

Frage 1 an Experten:
Kann diese "Milchmädchenrechnung" ungefähr oder ist hier ein grober Schnitzer drinnen?
Mir kommt das einfach wenig Einsparung vor oder irre ich mich da?

Frage 2 - eher eine Gefühlsfrage:
Bei der ro:pur mit 0,31 U-Wert habe ich keinen EPS Aufbau - was mir persönlich schon gut gefallen würde. Ist es noch "akzeptabel" im Jahr 2021 mit so "hohen" U-Wert zu bauen? 

Vielen Dank für eure Meinungen!

 
 
08.01.2021
Wenn du EPS vermeiden willst, nimm doch eine ökologisch verträglichere Dämmvariante. 
Mit 50er Ziegel kommt man auch schon auf 0.17 oder so, ganz ohne zusätzliche Dämmung...
08.01.2021
Ja wenn du wahrscheinlich dann einen Dämmputz mit eps draufklatscht...
Da sind am besten noch die Ziegel vom Aichinger mit der Mineralfüllung
08.01.2021
Nein, ganz normale 50er Ziegel ohne Schnickschnack von Eder oder Wienerberger. 


08.01.2021
Danke erstmal für die raschen Antworten! 😃

50er Ziegel wäre natürlich die logische Alternative vom Baumeister - da ich selber nicht mithelfen (kann) - ist bei mir jedoch Romberger nach Vergleichsangeboten schlüsselfertig billiger (man glaubt es kaum).

Ich versuche mich nochmal ein bisschen verständlicher auszudrücken bzw. auf was ich hinaus will:
Sind die angenommenen Einsparungen von U-Wert von 0,31 -> 0,15 realistisch? Es wird irgendwie soviel über den U-Wert diskutiert (jeder Fertighausbauer wirbt eigentlich damit wie niedrig und super sie sind) - und am Ende kostet dann der bessere U-Wert 5000€ (Annahme) und bringt auf 20 Jahre "nur" 2740 Euro an Heizkosteneinsparung retour.

Evtl. gibt es jemand mit Beruflichen "Background" bzgl. Heizwertberechnung und ob das so hinkommen kann. Wenn ja -> würde sich diese Investition ja nicht lohnen?

Hoffe ich habe mich ein bisschen verständlicher ausgedrückt.
08.01.2021
Zu den Kosten kann ich nix sagen - Behaglichkeit, Oberflächentemperatur usw. musst aber auch mit in Betracht ziehen. 

Bei zu geringer Ofltemperatur ist bei hoher Luftfeuchte Kondensatausfall die Folge. 
08.01.2021
Den Komfortfaktor nicht vergessen.  Die Oberflächentemperaturen sind bei der besser gedämmten Wand ja auch höher.
100% höhere Verluste aufs ganze Haus heisst doppelt so hohe Heizkosten, ganz grob.

Wenn du normal von 500€ im Jahr ausgehst bei LWP und rund 160-170m2, dann sind es also in 20 Jahren wohl eher 10k€.
08.01.2021


eralikus schrieb: Evtl. gibt es jemand mit Beruflichen "Background" bzgl. Heizwertberechnung und ob das so hinkommen kann. Wenn ja -> würde sich diese Investition ja nicht lohnen?

Der Wärmeschutznachweis ist das Mass aller Dinge. Da wirst Du sehen, was geht oder eben nicht.
Gruss HDE
08.01.2021
Du extrapolierst mit Dämm/Heizkosten in die Zukunft.

Version1: Wir meistern die kalte Fusion, Energie ist günstig und der Uwert relativ relativ.
Version2: Energie wird teurer, Dämmung spart plötzlich viel mehr.

Gute Dämmung kostet im Verhältnis zu den Wunschfliesen im Masterbad nicht viel.

Schnüffelstück.

p.s. Er hat Jehova gesagt 😜 Such hier im Forum nach Erdwärmepumpe und Ringgrabenkollektor und vergleichs mit der Luftwärmepumpe.
08.01.2021


eralikus schrieb: Heizwertberechnung und ob das so hinkommen kann. Wenn ja -> würde sich diese Investition ja nicht lohnen?

Aus meiner Sicht lohnt sich die Investition auf alle Fälle.   Ich glaube nicht, dass sie Strompreise die nächsten 20 Jahren bei 0.2€/kWh bleiben.   Außerdem muss die WP auf die Gesamtverluste
(=Heizleistung) eines Hauses ausgelegt werden.   Und heute einen Neubau mit einem Wandaufbau mit Dämmwert u-Wert~0.31 zu errichten, finde ich nicht gut. Bei Standardwerten von <0.2 würde eine Preisbewertung ganz schön drücken.  Es wird nicht lange dauern, da ist
ein Wert  von 0.1 Durchschnitt.

Bemerkung: 
Bis dato wird vom EVU nur die Wirkarbeit verrechnet.  Ob das nach dem flächendeckenden Austausch der el. Zähler so bleiben wird, kann niemand vorhersagen.
Es gibt kein Gesetz dafür, in dem drinnen steht, dass nur die Wirkarbeit verrechnet werden darf. Und alle neuen Zähler können die Wirkarbeit, und die Blindarbeit erfassen.
Und vielleicht heißt es eines Tages, der Kunde muss die Scheinarbeit zahlen.  Die wird ja vom EVU geliefert.  Und dann wird sich der Energiepreis gleich mal um ca. 15-25% erhöhen.

So würde meine Rechnung aussehen: 


U-Wert Reduktion rentabel?

1
09.01.2021


eggerhau schrieb:
__________________
Im Beitrag zitiert von eralikus: Evtl. gibt es jemand mit Beruflichen "Background" bzgl. Heizwertberechnung und ob das so hinkommen kann. Wenn ja -> würde sich diese Investition ja nicht lohnen?

Der Wärmeschutznachweis ist das Mass aller Dinge. Da wirst Du sehen, was geht oder eben nicht.
Gruss HDE

Ich glaub auch nicht dass man mit U-Wert der Aussenwand von 0.3 einen einreichfähigen Energieausweis schafft. 
09.01.2021


MalcolmX schrieb: Ich glaub auch nicht dass man mit U-Wert der Aussenwand von 0.3 einen einreichfähigen Energieausweis schafft. 

Wenn es kompakt ist und die restlichen Aufbauten/Fenster U-Werte sehr gut sind, müsste es schon noch klappen. Macht aber mMn. auch keinen Sinn bei den Außenwände, welche anteilig viel ausmachen, einen schlechten (für den Neubau) U-Wert anzustreben. Würde hier mind. 0,15-0,20 anpeilen.
09.01.2021
Wir haben bei den Außenwände 0.2, 60cm GSS unter der Bodenplatte und mussten beim Dach trotzdem noch Dämmstärke drauflegen um auf den Wert zu kommen laut OIB RL.
Mindestens seriös durchrechnen lassen muss man es.
09.01.2021


eralikus schrieb: Bei einem angenommen Haupt-Haus von EG:14x10 Metern und OG von 10x10 Metern ergibt das lt. DIN EN 1283 einn Transmissionswärmeverlust (nur Wände! excl. Fenster) von zirka:

0,31 U-Wert: 3200 W
0,15 U-Wert: 2000 W

Deine Berechnung zu den Werten würde ich gerne verstehen.
14x10x3+10x10x3=720m²
Heizlast wäre dann 720*0,31*33K (Annahme für Normaußentemperatur) = 7.365,6 Watt
Heizlast wäre dann 720*0,15*33K (Annahme für Normaußentemperatur) = 3.564,0 Watt


eralikus schrieb: Frage 1 an Experten:
Kann diese "Milchmädchenrechnung" ungefähr oder ist hier ein grober Schnitzer drinnen?
Mir kommt das einfach wenig Einsparung vor oder irre ich mich da?


Die Heizlast würde aber nicht viel über den Heizwärmebedarf (HWB) aussagen, aber logischerweise ist bei einem doppelt so hohem U-Wert auch die Heizlast doppelt so hoch. Der HWB ist aber natürlich mehr als doppelt so hoch, da ein Haus mit besserem U-Wert nicht so viele Stunden beheizt werden muss.

Um das darzustellen, nehmen wir einfach meinen EA und verdoppeln dazu die Transmissionswärmeverlust:

U-Wert Reduktion rentabel?
Hier der originale HWB für mein Haus und nachfolgend mit verdoppelten Transmissionswärmeverluste (händisch gerechnet).


U-Wert Reduktion rentabel?
Der HWB vervierfacht sich bei Verdoppelung der Transmissionswärmeverluste.

Mach doch einfach einen Energieausweis und verändere die Komponenten, dann siehst du gleich wie sich der HWB verändert.

1
09.01.2021


berhan schrieb: Deine Berechnung zu den Werten würde ich gerne verstehen.
14x10x3+10x10x3=720m²

Ist das nicht das Volumen?   Ein Einfamilienhaus mit einer Außenfläche von 720m2  ist ja schon eine größere Villa😀.

14*3*2+10*3*2+10*3*4=264m2
09.01.2021


Kleinermuk schrieb: 14*3*2+10*3*2+10*3*4=264m2

Stimmt🤫, ändert aber nix hinsichtlich meiner Darstellung der HWB. 
09.01.2021



p.s. Er hat Jehova gesagt 😜 Such hier im Forum nach Erdwärmepumpe und Ringgrabenkollektor und vergleichs mit der Luftwärmepumpe.

Den Jehova-Schmäh check ich leider nicht 😅- aber bin gerade am Einlesen/Infos sammeln zum Ringgrabenkollektor - das System gefällt mir sehr gut und lt. Romberger auch von deren Installateuren bereits verbaut worden.

Danke für alle eure Meinungen und die breite Unterstützung - vorallem mit Rechenbeispielen.

Was ist mein persöhnliches Fazit?

Nach vielen Stunden des Einlesens in die grundsätzliche Thematik (als Neuling ja doch ein etwas komplexeres Thema) bin ich jetzt - auch durch eure Meinungen - definitiv zu dem Schluss gekommen die Maximal-Variante zu nehmen (0,15 U-Wert). 
Die Stromkosten werden in den nächsten Jahren definitiv steigen (E-Mobilität lässt grüßen) - hier werden die Stromanbieter sicher reagieren.
Die optionale kalte Fusion (😅 @snueffelstueck) wird wrs. noch etwas auf sich warten lassen.

Der geringere Stromverbrauch durch die bessere Dämmung wird auch evtl. spätere Haus-Stromspeicher entgegenkommen - wer weiß was hier in den nächsten Jahren noch an Technologie erforscht wird.


 
09.01.2021


berhan schrieb: Der HWB vervierfacht sich bei Verdoppelung der Transmissionswärmeverluste.

Du trickst am unteren Rand des Verbrauchs herum, gell 🤭

Bei einem Haus mit U-Wert der Wand 0.3W/m²K statt 0.15W/m²K wäre die Verdoppelung eher realistisch als eine Vervierfachung, weil der Transmissionswärmeverlust noch einen großen Anteil am gesamten HWB hat.

Je geringer der HWB, desto stärker greifen Dinge wie Lüftung und innere Wärmen ein und daher kommt bei dir dieser hohe Faktor heraus.


eralikus schrieb:
Auf 20 Jahren (angenommene Fassadenlebensdauer)


Das Rentabilitätsthema würde ich aber eher von der anderen Ecke packen, nämlich der Haltbarkeit der Dämmung. Bau eine Fassade, die 50 Jahre hält, dann darf sie das Doppelte kosten und kann dabei ev. geringere laufende Kosten verursachen.

Die Rechnung ist nur beispielhaft, kann gut sein dass ein Standard WDVS auch 50 Jahre 'hält' und die Preise anders sind?

Also:
Variante 1: Standard-WDVS (Annahme 30 Jahre)
lfd Kosten: (U-Wert = 0.2W/m²K) * 300m² = 60W/K --> bei 85kKh/a --> 5100 kWh/a --> / (JAZ=3.5) = 1460kWh --> akt. ca. 290€/a
Abschreibung: 300m² * 70€/m² = 21000€ auf 30 Jahre = 700€/a
Summe: 990€/a

Variante 2: vorgehängte Fassade (z.B. Holz, Annahme 50 Jahre)
lfd Kosten (U-Wert = 0.1W/m²K) ..... 145€/a
Abschreibung 300m² * 150€/m² = 45000€ auf 50 Jahre = 900€/a
Summe: 1045€/a

Variante 3: nur Putz (Annahme 50 Jahre)
lfd Kosten (U-Wert = 0.3W/m²K) ..... 435€/a
Abschreibung 300m² * 40€/m² = 12000€ auf 50 Jahre = 240€/a
Summe: 675€/a

Bei Variante 3 bist du aber voll von den Energiekosten der Zukunft abhängig, verdoppeln sich diese, ist sie teurer als die anderen Varianten.
Dazu kommt, dass der Preis der Dämmschicht nur rel. gering mit der Dämmstärke schwankt.
09.01.2021


taliesin schrieb: Du trickst am unteren Rand des Verbrauchs herum, gell 🤭

Bei einem Haus mit U-Wert der Wand 0.3W/m²K statt 0.15W/m²K wäre die Verdoppelung eher realistisch als eine Vervierfachung, weil der Transmissionswärmeverlust noch einen großen Anteil am gesamten HWB hat.

Naja, habe jetzt keinen anderen EA als meinen eigenen. Aber eine Verdoppelung ist zu wenig, da ja die inneren- und solaren Gewinne eine Grundlast abdecken und somit die Heizung bei einem besser gedämmten Haus zusätzlich zur halbierten Heizlast einfach zeitlich weniger läuft oder besser gesagt vier Monate statt 6 Monate im Betrieb ist. Ich habe in meiner Tabelle sogar die nutzbaren inneren- und solaren Gewinne für den schlechteren U-Wert berücksichtigt, sonst wäre es ja noch schlimmer.

Aber die Diskussion ist sowieso eigens, den die Dämmung eines Gebäudes ist so ziemlich das billigste am ganzen Hausbau. Den die Position Fassadenplatten EPS-F Plus 25cm kleben, Oberfläche schleifen, Netz einspachteln, inkl. Kantenschutz, Apu-Leisten kostete bei mir € 46,7 (inkl.) p. m² und EPS-F 5cm für die Garage € 33,24 p. m². Die Kosten der Dämmstärke sind also marginal, die Masse macht die Arbeitszeit. Und meine hinterlüftete Prefa-Fassade kostet so um die € 220 p. m², da sind die Kosten der Dämmung gerade einmal 7% der Fassadenkosten. Wenn ich jetzt noch berücksichtigt, dass die Heizung aufgrund der geringeren Heizlast um einiges günstiger wird, dann ist eine geringere Dämmung sogar noch teurer als eine gute Dämmung. So kostet mir meine LWWP keine € 4.000,- und hätte ich statt einer besseren Dämmung auch den RGK und SWP selber gemacht wäre ich vermutlich um die € 10.000,- gelandet und wäre trotzdem nicht annähernd am Endenergiebedarf meiner LWWP herangekommen.
09.01.2021


eralikus schrieb: Den Jehova-Schmäh check ich leider nicht 😅

Alter Klassiker:
;
Ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Hier im Forum ist die Kombi EWP+RGK hoch im Kurs und Luftwärepumpen werden oftmals eher kritisch gesehen also dranbleiben am Ringgrabenkollektor 😁 
10.01.2021


berhan schrieb: Aber die Diskussion ist sowieso eigens,

Sind wir uns eh einig, ich wollte nur darauf hinweisen, dass bei <10kWh/m²a die Dinge anders sind als bei 40kWh/m²a.

Das Weglassen der Dämmung wirft außerdem Fragen über die Anschlussdetails auf, ähnlich wie beim 50er Ziegel. Wen man die Ausführung solcher Details anschaut und die Kosten dafür, kommt es auch auf ein paar cm mehr oder weniger Dämmung nicht an.

Das, als einfach empfundene monolithische Mauerwerk (Ziegel oder Romberger), bringt eine ganze Latte an Wärmebrückendiskussionen mit sich.



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