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Kombination BKA im EG und Trockenbauheizung/-kühlung im DG

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29.4. - 30.4.2021
7 Beiträge | 4 Autoren 7
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Hallo zusammen,

nachdem ich seit fast einem halben Jahr passiv mitlese, würde ich euch gerne um eine Einschätzung zu zwei Problemen bei der Planung unseres EFH+-Neubau bitten:

Erstens, ich würde gerne die Decken über den Geschoßen zur Heizung und Kühlung verwenden, weil wir in Bauklasse 1 bauen ist das Obergeschoß als Dachgeschoßausbau mit Gauben umgesetzt und hat dementsprechend keine Betondecke.

Nach meiner Recherche gibt es zwar entsprechende Platten (z.B. von Variotherm), ich kann aber schwer beurteilen, inwiefern das mit der Heizung über Wärmepumpe/RGK/Aktivierung der Betondecke harmoniert (im Hinblick auf Hydraulik, Durchflussmengen, Vorlauftemperatur, Pufferung/Trägheit)...

Ist diese Kombination empfehlenswert?

Und damit in Zusammenhang, zweitens: Die Rückmeldung meines Verwandten (Installateur, aber spezialisiert auf Lüftung), den ich an sich als kompetent einschätze und um die Planung der Heizung/Lüftung bitten wollte war, dass...
 • die BKA/Deckenheizung nicht notwendig ist...
 • (warm wirds auch so)
 • für die Kühlung reicht die FBH, weil die Sonne hauptsächlich den Boden erwärmt; FB auf 20° und passt
 • Die Trockenbaumodule sehr teuer sind
 • Montage nicht so einfach (habe Erfahrung beim Aufbau von Rigips-Wänden)
 • BKA wird auch in Eigenregie wegen des Materials und in Abhängigkeit des Baumeisters (Stehzeiten) ein paar tausender Kosten (rentiert sich nicht).

Weiters hat er mir auch Folgendes mitgeteilt, was ebenfalls entgegen dem (jedenfalls von mir so verstandenen) Forenwissen steht:
 • Heizkreislängen von 50 - 100 seien ok (es werde eh ein hydraulischer Abgleich gemacht)
 • Räume seien nunmal unterschiedlich weit weg von der Wärmepumpe
 • Heizkreise in mehreren Räumen seien laut Norm nicht erlaubt (Einzelregelung)
(mit Hinweis auf die Schweiz, die uns voraus seien, wo das schon Pflicht sei)
 • Die Verlegeabstände spielten ein untergeordnete Rolle
(man könne einen angenommenen Raum mit VA 15 und 35 rechnen und da würde nur 2K Temperaturunterschied beim VL rauskommen)
 • Einzelraumregelung würde ich im fertigen Haus haben wollen, wenn andere Faktoren dazukämen (Bewohner, Lichteinstrahlung, ...), weil man dann z.B. den Vorraumkreis abdrehen könne. Ja, es gäbe zwar den Selbstregeleffekt, aber ...

Die folgende Aussage kommt mir dann wieder richtig vor:
 • Die Heizung bzw. der notwendige VL würde vom thermisch schwächsten Raum definiert, alles andere richtet sich danach.
(ok, das kann ich nachvollziehen)

Ich bin mir nun nicht sicher, ob ich einfach während des Gesprächs eventuell nicht korrekt formuliert habe und seine Aussagen in einem gewissen Kontext eh richtig sind oder ob das Problem doch bei ihm liegt.

Vielen Dank schon im Voraus!

Info zum Haus und aktuellen Stand, falls nötig:
Wir haben seit kurzem unseren Einreichplan (quasi-)fertig und begonnen, Angebote einzuholen.
Das eher große Haus ist aufgrund von Barrierefreiheitsanforderungen so gestaltet, dass im OG(DG) die beiden Kinderzimmer, Gästezimmer, Büro und Bad und sein werden und im (größeren) EG ein Elternbereich (SZ, SR, Bad), der Wohnbereich sowie ein Büro und Wäkü/Technik.

 
 
29.4.2021 (#1)


vimes schrieb:  • die BKA/Deckenheizung nicht notwendig ist...
 • (warm wirds auch so)

Da hat er nicht unrecht, warm wird es auch ohne BKA/Deckenheizung, nur brauchst halt auch die doppelte Heizmittelübertemperatur um auf die gleiche Heizleistung zu kommen. Mit Pellets oder Gasheizung ist das egal, bei einer WP fällt die Effizienz pro Kelvin um ca. 2,5%.


vimes schrieb: für die Kühlung reicht die FBH, weil die Sonne hauptsächlich den Boden erwärmt; FB auf 20° und passt

Wenn die Sonne im Sommer den Boden erreicht, dann wurde in der Planung was falsch gemacht. Stell dir vor du baust ein hoch gedämmtes Haus und es wird durchgängig mit ca. 1 kW durch die elektrischen Verbraucher und Bewohner erwärmt. Von außen kommt im Sommer auch bei voller Verschattung noch ein bisserl Energie rein. Wenn die nächtliche Fensterlüftung zur Kühlung nicht ausreicht heizt sich das ganze Gebäude langsam auf. Da warme Luft aufsteigt wird es an der Decke merklich wärme sein wie am Boden. Deswegen ist die Kühlleistung über die Decke um einiges höher als über durch die FBH. Nachteilig ist vermutlich auch ein kalter Boden für die Füße. 


vimes schrieb:  • BKA wird auch in Eigenregie wegen des Materials und in Abhängigkeit des Baumeisters (Stehzeiten) ein paar tausender Kosten (rentiert sich nicht).

Sowas macht man am WE, wenn das mit dem BM gut koordiniert ist gibt es gar keine Stehzeiten. Kosten ca. 3-5 Euro p. m².


vimes schrieb: • Heizkreislängen von 50 - 100 seien ok (es werde eh ein hydraulischer Abgleich gemacht)

Wenn die Heizung mit fixem Volumenstrom läuft, stimmt das. Bei einem variablen Volumenstrom, üblicherweise modulierende Wärmepumpen, funktioniert der abgleich nicht.


vimes schrieb:  • Räume seien nunmal unterschiedlich weit weg von der Wärmepumpe

Dann wird der Heizkreis halt im Raum kleiner.


vimes schrieb:  • Heizkreise in mehreren Räumen seien laut Norm nicht erlaubt (Einzelregelung)
(mit Hinweis auf die Schweiz, die uns voraus seien, wo das schon Pflicht sei)

Welche Norm? Einzelraumregelung gibt es in Deutschland, ist dort sogar Pflicht aber die können sich dort befreien lassen. Eine Einzelraumregelung hat im Neubau keinen Sinn.


vimes schrieb:  • Die Verlegeabstände spielten ein untergeordnete Rolle
(man könne einen angenommenen Raum mit VA 15 und 35 rechnen und da würde nur 2K Temperaturunterschied beim VL rauskommen)

Hat er das berechnet oder nur angenommen. Ich bin zwar auch der Meinung, dass der Verlegeabstand überbewertet wird, aber für VA35 müsste der Volumenstrom stark angehoben werden. Wie auch immer, ich habe es für dich berechnet. Grundannahme FBH mit Fliesen, Raumtempertur 23°C, Rohr 100 Meter 16x2, Druckverlust 7000 Pa mit ca. 1,3 l/min.

Mit einer Vorlauftemperatur von 27°C liegt die Heizleistung mit VA15 bei 13,73 Watt/m² und mit VA35 bei 7,32 Watt/m². Die Vorlauftemperatur müsste mit VA35 auf 30,3 °C erhöht werden um auf die gleiche Heizleistung zu kommen. So geringe Vorlauftemperaturen bei einer Raumtemperatur von 23°C sind aber nur mit sehr guter Dämmung und zusätzlicher BKA zu erreichen.

Mit einer Vorlauftemperatur von 30°C liegt die Heizleistung mit VA15 bei 24,72 Watt/m² und mit VA35 bei 13,07 Watt/m². Die Vorlauftemperatur müsste mit VA35 auf 36 °C erhöht werden um auf die gleiche Heizleistung zu kommen.


vimes schrieb:  • Einzelraumregelung würde ich im fertigen Haus haben wollen, wenn andere Faktoren dazukämen (Bewohner, Lichteinstrahlung, ...), weil man dann z.B. den Vorraumkreis abdrehen könne. Ja, es gäbe zwar den Selbstregeleffekt, aber ...

Eigentlich ist die Einzelraumregelung in diesem Falls sogar kontraproduktiv. Wenn sich z.B. durch dunkle Fliesen und Sonneneinstrahlung im Winter der Boden auf z.B. 30°C aufheizt, die FBH aber mit einer Vorlauftemperatur von 27°C läuft, dann wird sogar Wärme von der überhitzten Stelle abtransportiert und somit indirekt der Raum gekühlt.

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29.4.2021 (#2)
Danke für die ausführlichen Kommentare und die Berechnung 🤩, bei der 15 zu 35 VA-Sache wollte er wohl nur deutlich darauf hinweisen, dass dieser eine untergeordnete Rolle spielt.

Hältst du die BKA im EG mit einer Trockenbau-Deckenheizung (oder alternativ Wandheizung) kombinierbar?
29.4.2021 (#3)
Ja, und Wandheizung würde ich immer im Bad einbauen. Aber du kannst ja mal @Pedaaa fragen, der hat genau so was verbaut. https://www.energiesparhaus.at/forum-pedas-auslegung-der-heiz-und-kuehlflaechen/49105_1

Versuche noch mit der Energiekennzahl runter zu kommen, 36 kWh/m²a solltest mit Vollwärmeschutz und KWL eigentlich ohne viel Aufwand halbieren können.


30.4.2021 (#4)
Danke für den Hinweis auf pedaas Beitrag, den werde ihn nochmal durcharbeiten.

Die Wandheizung im Bad habe ich geplant. Bei der Energiekennzahl fürchte ich aber, dass ich nicht mehr allzuviel Spielraum habe. Die Dämmwerte sind meines Erachtens ganz gut:


Kombination BKA im EG und Trockenbauheizung/-kühlung im DG

Das ist mein Energieausweis (22° Soll, -15,8°C NAT). Die Werte für WP, KWL und PV sind noch nicht "plangemäß" eingetragen. Die Werte sind wohl der ungünstigen Gebäudeanordnung geschuldet (teilw. zweigeschoßig, größerer eingeschoßiger Teil). Außerdem ist die Garage mehr oder weniger in der thermischen Hülle (Wände zur Garage sind in 32er W.i. ausgeführt; außen ist gedämmt).


Kombination BKA im EG und Trockenbauheizung/-kühlung im DG
30.4.2021 (#5)


vimes schrieb: Hältst du die BKA im EG mit einer Trockenbau-Deckenheizung (oder alternativ Wandheizung) kombinierbar?



berhan schrieb: Aber du kannst ja mal @Pedaaa fragen, der hat genau so was verbaut.


ja, funktioniert gut.
Beim Aufwand bzw. den Kosten zwischen der Erstellung einer Trockenbau-Heiz/Kühldecke und den BKA-Rohren ist aber ca. ein Faktor 10 dazwischen  😳
Also wenn irgendwie möglich, würde ich immer BKA bevorzugen. 
Sooo viel teurer kann eine zusätzliche Betondecke ggü. einer Holz-Zangendecke oder sowas ähnlichem also fast gar nicht sein. 

Aber auch bei meinem Haus-Design ging BKA im OG leider nicht.
Nur daher die Trockenbaulösung.

Im Betrieb funktioniert die gut. Gefühlt (und gerechnet) hat die Trockenbau-Decke auch etwas mehr Leistung als die BKA. Allerdings quasi Null Speicherfähigkeit.
Daher muss bei mir die Umwälzpumpe durchlaufen.
Trotz BKA im EG kann ich daher keine so netten Spielchen machen, wie z.B. untertags BKA aufladen und Nachts ausschalten.
30.4.2021 (#6)


Pedaaa schrieb:
__________________

Beim Aufwand bzw. den Kosten zwischen der Erstellung einer Trockenbau-Heiz/Kühldecke und den BKA-Rohren ist aber ca. ein Faktor 10 dazwischen  😳

Den Planungsaufwand vermutlich noch garnicht mitgerechnet 🙊.



Im Betrieb funktioniert die gut. Gefühlt (und gerechnet) hat die Trockenbau-Decke auch etwas mehr Leistung als die BKA. Allerdings quasi Null Speicherfähigkeit.
Daher muss bei mir die Umwälzpumpe durchlaufen.
Trotz BKA im EG kann ich daher keine so netten Spielchen machen, wie z.B. untertags BKA aufladen und Nachts ausschalten.

Andererseits hat die fehlende Speichermasse den Vorteil, dass man die Kinderzimmer eben doch geringfügig unterschiedlich regeln könnte, wenn es Kind 1 in der Nacht eher wärm und Kind 2 eher kühl haben möchte.


30.4.2021 (#7)


vimes schrieb: ...ich kann aber schwer beurteilen, inwiefern das mit der Heizung über Wärmepumpe/RGK/Aktivierung der Betondecke harmoniert (im Hinblick auf Hydraulik, Durchflussmengen, Vorlauftemperatur, Pufferung/Trägheit)...

das ist nur eine frage der hydraulischen balance. bei dünnem rohr müssen die kreise passend kürzer werden. man kann auch wunderbar 16-er kreise in der FBH mit 20-er rohr in der BKA kombinieren...


vimes schrieb: Heizkreislängen von 50 - 100 seien ok (es werde eh ein hydraulischer Abgleich gemacht)

hydraulischer abgleich bedeutet 'drosseln' bedeutet 'nach unten nivellieren'. der schlechteste kreis gibt vor, alle anderen werden auf dieses ziel hingedrosselt. eine gute planung optimiert den jeweils schlechtesten kreis solange bis es keinen mehr gibt. dann ist alles in balance, der abgleich teil der planung. ja, das ist ein iteratives verfahren und wirft keine software auf knopfdruck aus.

eine schlechte planung kann kein hydraulischer abgleich mehr retten, dazu ist der wirkbereich viiiel zu klein. eine sehr gute planung hat den abgleich bereits mit an bord...

50% keislängenunterschied wäre mir deutlich zuviel. 20% kreislängenunterschied planung und 30% nach umsetzung in der praxis ist mein standard...


Kombination BKA im EG und Trockenbauheizung/-kühlung im DG


vimes schrieb: Heizkreise in mehreren Räumen seien laut Norm nicht erlaubt (Einzelregelung)

stimmt nicht. laut welcher norm?

BKA wird bsplw geschoßweise und nicht raumweise gelegt...


vimes schrieb: (Einzelregelung)
(mit Hinweis auf die Schweiz, die uns voraus seien, wo das schon Pflicht sei)

stimmt nicht. zumindest nicht für niedertemperatursysteme bei denen der selbstregeleffekt greift...


Kombination BKA im EG und Trockenbauheizung/-kühlung im DG
aus dem Schweizer wp-systemmodul...

eine dumme ERR widerspricht allen wichtigen & sinnvollen entwicklungen bei flächenheizsystemen mit niedrigsttemperatur wie strompreisautomatik, BKA, PV-ankopplung, usw...


vimes schrieb: Einzelraumregelung würde ich im fertigen Haus haben wollen, wenn andere Faktoren dazukämen (Bewohner, Lichteinstrahlung, ...), weil man dann z.B. den Vorraumkreis abdrehen könne.

niemand läuft in einem neubau mit flächenheizung rum und dreht ständig rauf oder runter. variable lasteinträge kann der selbstregeleffekt viiiel besser ausgleichen, siehe berhan...

zum rest haben berhan und Pedaaa eh schon alles gesagt ...


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