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Kann eine modulierende Erdwärmepumpe überdimensioniert sein?

31 Beiträge | 6.11.2019 - 19.5.2020
Die Grundregel besagt ja, dass die Tiefe großzügig ausgelegt sein soll und die Pumpe eher sparsam dimensioniert werden soll. Wir haben ein Haus mit ca 260qm und ca 3x80m Tiefenbohrung. Die Heizlast liegt laut Berechnung bei ca 10-11 kW.

Uns wurde jetzt die Hoval UltraSource T 13 empfohlen mit bis zu 13,3 kW

Nennwärmeleistung bei B0W35 (EN 14511): 2,9-13,3
SCOP bei 35 °C (EN 14825): 5,5

Allerdings befürchte ich, dass diese - obwohl modulierend - mit 13,3 kW überdimensionsiert sein könnte. Oder sind das unbegründete Sorgen, weil die hohe Leistung bei einer modulierenden Pumpe dann einfach nicht abgerufen wird, wenn man sie nicht braucht?

Gibts allgemein Erfahrungen mit dieser Pumpe? Zu empfehlen?

 
6.11.2019 19:12
Kurz geantwortet: Ja.

Wenn das Modell jetzt von 2,9-13,3 moduliert bei Auslegungstemp von 0 °C Sole ein heißt das, dass du in der Übergangszeit jetzt im Herbst bei Sole ein >10 °C eine Leistung von 3,5-4 kW minimal abrufst. Trotz Modulation wird die WP bis in den tiefen Winter rein fröhlich takten, wenn sie nicht zu deinem Haus passt. 

Der untere Wert meiner KNV hat zB 1,5 kW was momentan auch 2 kW effektiv an minimaler Leistung sind. Langsam sind wir im Bereich, wo sie anfängt, durchzulaufen.
6.11.2019 19:26
Hi,

angesichts der Wohnfläche erscheint mir die Heizlast extrem hoch. Wir haben bei 204 qm und Bau nach KFW55-Standard (DE) etwa 5,5 KW Heizlast, was auch der Realität zu entsprechen scheint.

Wenn deine Heizlast also mit massiven Sicherheitszuschlägen gerechnet ist, dann wird das Gerät noch viel mehr überdimensioniert sein.

Viele Grüße,

Jan
6.11.2019 22:22
„Kann eine modulierende Erdwärmepumpe überdimensioniert sein?“
Die kurze Antwort:
Ja. 

Die etwas längere Antwort:
Bei modulierenden WP ist v. a. interessant, wie weit sie hinuntermodulieren können. Je weniger kW deine WP kann, desto geringer ist die Gefahr, dass sie dir in den Übergangszeiten zur reinen On/Off-Maschine mutiert. Die oben erwähnten 2,9kW macht sie, wenn die Sole 0° kühl ins Haus kommt. Das ist in der Regel erst im Winter der Fall. Die Sole kommt bei uns zur Zeit mit über 11° herein. Unsere WP kann auf 1,5kW runtermodulieren, aber eben auch erst, wenn die Sole entsprechend kalt in die
Maschine kommt ➜ unsere Maschine taktet, wenn auch nicht besonders extrem, seit wir an ein paar Parametern geschraubt haben. 

Ergänzende Bemerkung: Deine Heizlastabschätzung kommt uns ebenfalls relativ hoch vor. Sicher, dass hier nicht ein paar (unsinnige) Sicherheitszuschläge gerechnet wurden?


7.11.2019 0:19


Vardi17 schrieb: „K

Die etwas längere Antwort:
Bei modulierenden WP ist v. a. interessant, wie weit sie hinuntermodulieren können. Je weniger kW deine WP kann, desto geringer ist die Gefahr, dass sie dir in den Übergangszeiten zur reinen On/Off-Maschine mutiert. Die oben erwähnten 2,9kW macht sie, wenn die Sole 0° kühl ins Haus kommt. Das ist in der Regel erst im Winter der Fall. Die Sole kommt bei uns zur Zeit mit über 11° herein. Unsere WP kann auf 1,5kW runtermodulieren, aber eben auch erst, wenn die Sole entsprechend kalt in die
Maschine kommt ➜ unsere Maschine taktet, wenn auch nicht besonders extrem, seit wir an ein paar Parametern geschraubt haben. 


 Die nächstkleinere macht 1,8-7,8, da hätte ich die Sorge, dass sie im richtigen Winter unterdimensioniert ist. Ich muss dazusagen, dass unser Haus aufgrund von Hanglage getreppt gebaut ist, also ein sehr schlecht A/V-Verhältnis hat und wir viele Fensterflächen haben.
12.11.2019 14:26


Spartacus schrieb:


__________________
Im Beitrag zitiert von Vardi17: „K

Die etwas längere Antwort:
Bei modulierenden WP ist v. a. interessant, wie weit sie hinuntermodulieren können. Je weniger kW deine WP kann, desto geringer ist die Gefahr, dass sie dir in den Übergangszeiten zur reinen On/Off-Maschine mutiert. Die oben erwähnten 2,9kW macht sie, wenn die Sole 0° kühl ins Haus kommt. Das ist in der Regel erst im Winter der Fall. Die Sole kommt bei uns zur Zeit mit über 11° herein. Unsere WP kann auf 1,5kW runtermodulieren, aber eben auch erst, wenn die Sole entsprechend kalt in die
Maschine kommt ➜ unsere Maschine taktet, wenn auch nicht besonders extrem, seit wir an ein paar Parametern geschraubt haben.



Die nächstkleinere macht 1,8-7,8, da hätte ich die Sorge, dass sie im richtigen Winter unterdimensioniert ist. Ich muss dazusagen, dass unser Haus aufgrund von Hanglage getreppt gebaut ist, also ein sehr schlecht A/V-Verhältnis hat und wir viele Fensterflächen haben.

 
wir haben auch viele Fensterfläche in Hanglage nach Süden das hat sogar den Vorteil das wenn die Sonne tiefsteht dir somit sehr viel Wärme kostenlos durch die Sonne reinholst,

bei uns haben sie mit 7,8 KW kalkuliert ohne Pool. mit Pool sogar bei 13KW

nun hängt die kleine KNV mit 1,5 bis 6 (7,5)KW dran und fadisiert sich, und das schlimmste die taktet mehr als der tägliche Zwangstakt
12.11.2019 20:51
als anschauliches beispiel:

p-tot = 7,5kw
einmal 1x55->1,5-6 einmal 1x55->3-12 in der kältesten winterwoche...

Kann eine modulierende Erdwärmepumpe überdimensioniert sein?
Kann eine modulierende Erdwärmepumpe überdimensioniert sein?
12.11.2019 20:56


Spartacus schrieb: Wir haben ein Haus mit ca 260qm...
Die Heizlast liegt laut Berechnung bei ca 10-11 kW...

 das sagt der EA?

mein haus:
50 jahre alt, energetisch gesamthaft saniert, 2 wohneinheiten, 330m²
1x55->1,5-6 auf 5kw gedrosselt...

als eindrückliches demoobjekt um den installateuren die dimensionierungsangst zu nehmen...

einer der besten steirischen wp-installateure sagt nachdem er seine anlagen mit dem uplink zu monitoren begonnen hat daß ihm keine 3-12-er mehr in ein efh kommt...
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12.11.2019 22:10


dyarne schrieb: einer der besten steirischen wp-installateure sagt nachdem er seine anlagen mit dem uplink zu monitoren begonnen hat daß ihm keine 3-12-er mehr in ein efh kommt...

 Darf ich fragen, wen du damit meinst?
Gerne auch per PN.
Lg Monika
13.11.2019 7:49
zum Überdimensionieren kann ich nun auch schon meine ersten Erfahrungen beisteuern.
1 Insti, ein von KNV empfohlener (Zentral OÖ) hat mir kürzlich erklärt. Mein EA mit ~7,5KW bei 185m² stimmt nicht- ich brauche mindestens 11-12 KW... -anders macht er es nur mit Haftungsausschluss.
leider war er danach nicht mehr so freundlich, wie ich ihn auf Überdimensionierung, Einträge, und wie man es immer macht etc. hingewiesen habe...
13.11.2019 7:56


etiene schrieb: ein von KNV empfohlener (Zentral OÖ)

von KNV explizit empfohlen oder einfach einer der KNV anbietet?

Mir wollten sie ja auch reihenweise die 12er Maschine einreden.
13.11.2019 12:15
Würde ich dann besser mit einer etwas schwächeren On/Off Pumpe fahren?

Die Alternative unseres Instis wär die Hoval Thermalia Comfort 10  

Nennwärmeleistung bei B0W35 (EN 14511): 10,6
SCOP bei 35 °C (EN 14825): 5
17.11.2019 20:31
Also egal, ob die On/Off oder die (überdimensionierte) modulierende Pumpe?
17.11.2019 20:54


Spartacus schrieb: Die Alternative unseres Instis wär die Hoval Thermalia Comfort 10

Zahlt dir der Insti die WP, oder wieso gibt er vor, welche du nehmen kannst?

Meiner hatte bis auch noch nie eine Nibe/KNV verbaut, aber natürlich die installiert, die ich haben wollte. Der Insti wurde dabei vom KNV-Regionalvertreter unterstützt.
17.11.2019 21:04


Spartacus schrieb: Also egal, ob die On/Off oder die (überdimensionierte) modulierende Pumpe?

Das scheint mir eine schlechte Wahl bzw. keine Wahl. Nimm eine passende, die modulieren kann; wenn’s dir dieser Installateur nicht macht, dann ein anderer. Kann doch nicht sein, dass du am Ende mit einer WP dastehst, die nicht zu deinem Haus passt?!
18.11.2019 7:11


chrismo schrieb:
__________________
Meiner hatte bis auch noch nie eine Nibe/KNV verbaut, aber natürlich die installiert, die ich haben wollte. Der Insti wurde dabei vom KNV-Regionalvertreter unterstützt.

Sprich du hast von einem die WP bezogen und mit einem anderen installiert?
Hätte gewettet das jener der liefert auch installieren will...
18.11.2019 15:15
Nein, das hast du falsch verstanden. Ich habe den Kontakt zwischen einem KNV-Vertreter und dem Insti hergestellt und wir haben uns dann mal auf der Baustelle getroffen. Insti hat dann die WP über KNV gekauft und verbaut.
3.5.2020 9:18
Verstehe ich das richtig, dass das Hauptproblem an Überdimensionierung ist, dass die WP aufgrund des Taktens schneller kaputtgeht? Oder gibts noch weitere Probleme?
3.5.2020 10:03
Primär geht's darum das sie schneller kaputt geht.
Sekundär sind bei gleicher Spreizung gegenüber einer kleineren WP, die Volumenströme höher (die WP muss die Leistung ja wegbekommen). Das hat zur Folge daß mehr Fläche für die Leistungsabgabe vorhanden sein muss. Fehlt diese, dann erhöht sich die Vorlauftemperatur -> geringerer Wirkungsgrad der WP.

Wenn du eine BKA verbaut hast, dann entschärft sich das Problem der überdimensionierten WP, da einfach viel Speichermasse vorhanden ist. Die WP taktet dann aber noch immer, die Zyklen sind aber sehr lange. Ich habe bei mir die LWP bewusst überdimensioniert, um damit bei Schönwetter (am Tag bei hohen Aussentemperaturen) die BKA aufzuladen. Bei einer SWP ist das aber nicht notwendig, da die Soletemperatur sich fast unabhängig der Aussentemperatur bewegt.
3.5.2020 10:17
Ein paar Vorteile ggü. On-Off:

Höhere Lebensdauer, weil der Kompressor nicht so oft ein/ausgeschaltet wird und nicht nur mit Volllast läuft.

Effizienter, weil die Wärmeleistung bzw. VL Temp. optimal an den akt. Bedarf angepasst wird.

Hier findest noch mehr Details bzw. weitere Vorteile: https://www.xn--ingenieurbro-held-c3b.de/images/publikationen/1708-Warmepumpe-mit-Invertertechnologie.pdf
3.5.2020 14:01
Blöde Frage, aber was ist die Vorlauftemperatur und warum hat eine höhere Vorlauftemperatur einen geringeren Wirkungsgrad zur Folge bzw warum führt eine zu groß dimensionierte WP zu einer höheren Vorlauftemperatur?
3.5.2020 15:13
Zum Lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Carnot-Wirkungsgrad

Relevant ist vor allem das Stück "Analoge Größen für Wärmepumpen und Kältemaschinen"

Da sieht man, wie der Wirkungsgrad vom VL abhängt und dass er mit steigendem VL bei sonst gleichen Parametern sinken muss. Reale WP schaffen in etwa 50% des Carnot-Wirkungsgrades, aber die Folgerungen bzgl. des VL gelten damit natürlich immer noch.

Wenn die WP zu gross für ein Haus, dann hat sie Probleme, die Wärme loszuwerden. Wenn eine modulierende WP genau die nötige Temperatur erreicht, dann kann sie effizient durchlaufen. Ist zu gross (kommt also nicht weit genug mit der Leistung runter), dann wird der VL zwangsläufig höher, weil sie die Wärme ja nicht loswird. Je nach Regelung geht sie dann früher oder später aus (taktet), aber bis dahin läuft sie zu warm. Da sowohl zu warm (s.o.) als auch zu kurze Takte (Lebensdauer sowie die Tatsache, dass die ersten Minuten eines Taktes ineffizienter sind, weil erst die Maschine selbst warm werden muss) schlecht sind, ist das dann die Wahl zwischen Pest und Cholera.



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