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Holzfassade: Fichte oder Weißtanne

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  •  atzer81
29.11. - 3.12.2021
20 Antworten | 10 Autoren 20
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Hallo zusammen,

hat jemand Erfahrungen mit Fichte als vorvergraute, hinterlüftete Holzfassade? In der gängigen Literatur ist Fichte oft gleich  eingestuft wie Weißtanne bzgl der Haltbarkeit, teilweise eine Stufe schlechter. Beide sind aber immer schlechter als Lärche. Weißtanne wird aber besonders im Vorarlberg häufig als unbehandelte oder vorvergraute Fassade eingesetzt. Über unbehandelte Fichtenfassaden finde ich fast nix. Ist die Fichte da wirklich so viel schlechter?

  •  taliesin
  •   Gold-Award
29.11.2021  (#1)
Es geht um Resistenzklassen und Gebrauchsklassen ... http://www.holzfragen.de/seiten/einsatzbereich.html

Kurz gesagt, Fichte an der Fassade 40 Jahre, Lärche 80 Jahre emoji
Aber es gibt >100 Jahre alte Lärchenfassaden in den Alpen, die vermutlich nochmal 100 Jahre halten, d.h. es kommt stark auf die Umgebungsfaktoren an. Vertikale Bretter halten länger als horizontale und und und....

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  •  MalcolmX
  •   Gold-Award
30.11.2021  (#2)
Wieso nicht Lärche?

Mit Arbeit und Unterkonstruktion ist Lärche vielleicht um 20% teurer bei 100% mehr Lebensdauer? Da gehe ich davon aus dass man sich die Fichte letztlich nicht leisten will, weil finanziell die schlechtere Wahl.

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  •  mattmein
  •   Silber-Award
30.11.2021  (#3)

zitat..
taliesin schrieb: Vertikale Bretter halten länger als horizontale und und und....

Kann man das wirklich pauschal so sagen? Glaube kaum, dass zB eine vertikale, nicht hinterlüftete Fassade länger hält als eine horizontale hinterlüftete.

Welche Quellen hast du für die Aussage? Finde leider nichts im Internet (Holzforschung etc.)

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  •  kernoel
  •   Gold-Award
30.11.2021  (#4)
Bei gleicher Ausführung hält die Vertikale sicher länger. Fasserrichtung, wie läuft das Wasser ab ... 

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  •  snueffelstueck
30.11.2021  (#5)
Lärche schlägt Fichte (naturbedingt)
Vertikal schlägt Horizontal (technisch)
Hinterlüftung hilft immer

Wir haben eine sägerauhe, unbehandelte, hinterlüftete, vertikale Lärchenschalung als Deckelschalung. Bin der guten Hoffnung das Ding vererben zu können. 

Ist für mich persönlich die wahrscheinlich langlebigste Fassadenform überhaupt am Holzhaus und komplett rückbaubar/reparabel.

Schnüffelstück

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  •  peterT1
  •   Gold-Award
30.11.2021  (#6)

zitat..
mattmein schrieb:

──────
taliesin schrieb: Vertikale Bretter halten länger als horizontale und und und....
──────

Kann man das wirklich pauschal so sagen? 

JA!


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  •  atzer81
30.11.2021  (#7)
Wir hätten gerne eine vorvergraute Fassade. Die Auswahl an Holzarten beschränkt sich da hier beim Händler auf Fichte, Weißtanne, sibirische Lärche und Douglasie. Sibirische Lärche ist mir aufgrund der Herkunft nicht so sympathisch, Weißtanne z.Zt. ca. 25% teurer als Fichte, Preise für Douglasie hab ich noch nicht.
Daher frag ich mich, ob sich der Mehrpreis für Weißtanne lohnt, wenn es mir reicht, dass die Fassade 30 Jahre hält und nicht hundert...


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  •  peterT1
  •   Gold-Award
30.11.2021  (#8)
Fichte ist nicht Fichte und Weißtanne ist nicht Weißtanne.
Eine gute Fichte ist haltbarer als eine schlechte Weißtanne.
Mir wäre wichtig, welche Qualität der Händler anbietet und was der Verarbeiter meint. 
Grundsätzlich mindern Äste die Haltbarkeit...

Wenn Holz richtig verarbeitet wird gibt es wohl kein heimisches Holz welches nicht mind. 30 Jahre an der Fassade hält. 

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  •  MissT
  •   Gold-Award
30.11.2021  (#9)
Ergänzende Bemerkung: Ich hatte vor wenigen Wochen den Fall in der Familie, dass Lärchen-Bretter für einen Stadl sogar geringfügig günstiger waren als Fichte. Das ist vermutlich auf den aktuellen Mangel an Bauholz zurückzuführen. 

zitat..
atzer81 schrieb: Sibirische Lärche ist mir aufgrund der Herkunft nicht so sympathisch

Wenn Dir die Herkunft so wichtig ist, dann würde ich genau nachfragen, woher die Alternativen kommen würden. 


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  •  taliesin
  •   Gold-Award
30.11.2021  (#10)
Ich kann zu vertikal vs. horizontal leider keine Forschungsergebnisse präsentieren, offensichtlich entspricht das so unserer Erfahrung, dass sich da keiner die Mühe machen will.

Zumindest ein paar grundlegende Informationen zu dem Thema möchte ich anbieten:

1. Der Hauptfeind des Holzes ist Wasser, ab ca. 18% Holzfeuchte wird Holz für Bakterien und Pilze aufschließbar. In Folge kommen dann ev. auch Insekten dazu. Unter Wasser hingegen bleibt Holz fast perfekt erhalten.

2. die Wassermenge, die sich quer zur Faser am Holz halten kann ist deutlich höher als längs zur Faser. Speziell bei verwittertem Holz sind die weichen Ringe deutlich niedriger als die harten und bleiben stärker benetzt, eine Schrägstellung des Brettes erhöht diese Benetzung weiter.

3. horizontale Kapillarfugen halten viel mehr Wasser als vertikale. Die Gewichtskraft und die Kapillarkraft stehen in einem viel schlechterem Verhältnis zueinander. Diese Kapillarfugen entstehen an den einzelnen Brettstößen, aber auch durch Risse entlang der Faser.

4. Wasser am Holz diffundiert (über die Zeit) in die Holzporen ein, die Verweilzeit an der Oberfläche ergibt einen wesentlichen Unterschied bei der Eindringtiefe des Wassers durch Diffusion. Die Langzeitverfügbarkeit hängt direkt mit der Eindringtiefe zusammen.

5. die Hinterlüftung erhöht den Abtransport von diffundiertem Wasser im Holz und von durch Fugen eingedrungenem Wasser. Diffusionsoffene Folien machen wenig Unterschied bez. Wasserhaushalt im anliegenden Holz, wenn es für die Feuchte einen rel. kurzen Weg gibt abtransportiert zu werden. Der Diffusionsprozess dauert sowieso relativ lange. Eingedrungenes Wasser ist da kritischer, d.h. ein vollständiger Verzicht auf Hinterlüftung ist wenn, dann nur bei plattenförmiger Verkleidung möglich.

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  •  snueffelstueck
3.12.2021  (#11)
Ad Herkunft: Gibt auch genug heimische Lärche, einfach mal den Holztandler/Zimmerer drauf ansprechen. Für die Fassade brauchst  keine Spezial-Bretter

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  •  MissT
  •   Gold-Award
3.12.2021  (#12)
Da wäre ich vorsichtig und würde mir das Material vorher genau ansehen. Ich habe bei einem - zugegebenermaßen ungleich kleineren - Projekt heimische Lärche bekommen, die überhaupt nicht vergleichbar war mit sibirischer Lärche: Viel breitere Jahresringe, extrem rissig (manche Bretter sind in Längsrichtung regelrecht durchgebrochen), schüsselnd. Ich könnte mir vorstellen, dass sibirische Lärche viel langsamer wächst und daher grundsätzlich eine entsprechend bessere Qualität aufweist. Das ist aber nur eine Mutmaßung von mir.

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  •  heislplaner
  •   Gold-Award
3.12.2021  (#13)
ich habe leider genau die selbe erfahrung gemacht. heimische lärche qualitativ mit der sibirischen nicht vergleichbar - leider!
bez. weißtanne: ich habe einmal irgendwo gelesen dass die weißtanne nicht zum ausharzen  neigt was natürlich beim vorvergrauen ein riesiger vorteil wäre - aber achtung: gefährliches halbwissen

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  •  MalcolmX
  •   Gold-Award
3.12.2021  (#14)

zitat..
MissT schrieb:

Da wäre ich vorsichtig und würde mir das Material vorher genau ansehen. Ich habe bei einem - zugegebenermaßen ungleich kleineren - Projekt heimische Lärche bekommen, die überhaupt nicht vergleichbar war mit sibirischer Lärche: Viel breitere Jahresringe, extrem rissig (manche Bretter sind in Längsrichtung regelrecht durchgebrochen), schüsselnd. Ich könnte mir vorstellen, dass sibirische Lärche viel langsamer wächst und daher grundsätzlich eine entsprechend bessere Qualität aufweist. Das ist aber nur eine Mutmaßung von mir.

Gibt auch heimisch langsam wachsende Lärchenbestände im alpinen Raum. Aber die gibt's halt nicht als Hornbach-Schnäppchen, speich mindestens so teuer wie sibirische Lärche.

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  •  MissT
  •   Gold-Award
3.12.2021  (#15)
Ein Hornbach-Schnäppchen war die von mir verwendete heimische Lärche eh nicht: Ein regionaler Holzhändler mit angeschlossenem Sägewerk hatte in der Nachbarschaft eine Baustelle, von denen habe ich mir das Holz organisiert, weil es mir die Arbeiter mitnehmen konnten und ich mich nicht um den Transport kümmern musste. Der Preis war auch nicht ohne. In Kombination mit der schlechten Qualität war das leider ein ziemlicher Reinfall ...

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  •  MalcolmX
  •   Gold-Award
3.12.2021  (#16)
Pfuh, mühsam.

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  •  taliesin
  •   Gold-Award
3.12.2021  (#17)

zitat..
MissT schrieb: Da wäre ich vorsichtig und würde mir das Material vorher genau ansehen.

Dem muss man schon beipflichten, es gibt gutes Holz am Markt, aber die Basisqualität ist nur ein Faktor, der Zeitpunkt des Schlägerns (nein ich mein nicht die Mondphase emoji )und der Einschnitt sind mindestens genauso wichtig. Aktuell ist es sowieso schwierig ordentliches Holz zu einem vernünftigen Preis zu bekommen.

Vorher das geschnittene Holz ansehen ist schlau, man sollte wissen worauf man achten muss. Bei meiner Lärchenholzfassade ist das, trotz Besichtigung, auch nur teilweise geglückt, weil doch rel. viele Bretter aus dem Kern geschnitten waren.

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  •  heislplaner
  •   Gold-Award
3.12.2021  (#18)
Ich kaufe mein Holz auch nicht im Baumarkt - sondern beim Holzhändler meines Vertrauens - und da waren eben die Unterschiede leider eklatant

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  •  Hobbyplaner
  •   Silber-Award
3.12.2021  (#19)

zitat..
atzer81 schrieb: Über unbehandelte Fichtenfassaden finde ich fast nix

In meiner Regionen gibt es Stadeln die seit mehr als 80 Jahren mit unbehandelten Fichtenbrettern beschlagen sind, und noch immer gut aussehen.

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  •  taliesin
  •   Gold-Award
3.12.2021  (#20)

zitat..
Hobbyplaner schrieb: mehr als 80 Jahren mit unbehandelten Fichtenbrettern beschlagen sind, und noch immer gut aussehen.

Allerdings unterliegt man bei der Beobachtung dem 'survival bias' emoji

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