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Hilfe Holzriegelbau - Wandaufbau Innen/Außen - Einschätzung/Meinung

14 Beiträge | 2.7. - 4.7.2019
Liebes Foren-Team,

nach längerem Studieren des Forums zum Thema "Holzriegel-Wandaufbau" muss ich leider kapitulieren: Ich komme selber nicht mehr weiter. Es geht um den folgenden Wandaufbau:

Außenwand (605 mm)
Silikonharz Edelputz
Unterputz vollflächig armiert
EPS-Platte als Putzträger (160 mm)
Gipsfaserplatte (15 mm)
Riegelkonstruktion (200 mm)
Wärmedeämmung Steinwolle (200 mm)
Dampfdiffusionsbremse
OSB Platte (12 mm)
Gipsplatte GFK (18 mm)

Innenwand (210/ 310 mm)
Gipsplatte GKF (18 mm)
OSB Platte (12 mm)
Riegelkonstruktion (100/200 mm)
Wärmedeämmung Steinwolle (50 mm)
OSB Platte (12 mm)
Gipsplatte GKF (18 mm)

Meine zentrale Frage:
Taugt dieser Wandaufbau etwas?
Gefühlsmäßg ist unsere Wand ziemlich "dick" wenn ich das mit anderen Posts vergleiche - kann aber als Laie überhaupt nicht einschätzen, ob uns das etwas bringt.
Außen sollten wir mit EPS & Steinwolle einen K-Wert um die 0,10-0,11 schaffen. Leider habe ich aber jetzt schon mehrmals gelesen, dass die EPS-Platten beim Holzriegelbau nicht zu empfehlen ist. Warum genau? Ist der EInfluss auf Hellhörigkeit/Raumklima wirklich so groß?

Vom Baumumfeld:
Wir bauen grundsätzlich in einer relativ ruhigen Gegend und haben eine Wohnraumlüftung inkl. Kühlung geplant. Lärm-mässig ist unsere Sorge eher, dass wir bei den Innenwänden zu viel durchhören - wir hören viel Musik. Wir hätten aktuell aber noch die Möglichkeit die EPS-Platten oder die Mineralwolle (oder beides) durch Hanf zu ersetzen - halt leider nur gegen erheblichen Aufpreis (ca. 12 T je Upgrade). Wir wissen nicht, ob es das wert ist. Als Laie ist es extrem schwierig hier eine Entscheidung zu treffen, weil es nicht wirklich greifbar ist.

Vielen Dank deshalb für jede Expertise/Meinung!

Lg
Oliver

 
2.7.2019 14:09
Kann es sein dass Du die Riegelkonstruktion UND die Wärmedämmung zusammengezählt hast?
Dort wo ein Riegel ist, ist keine Wärmedämmung (und umgekehrt). Daher nur 1x zählen!

Wir haben einen sehr ähnlichen Wandaufbau, was eine Außenwanddicke von ca. 40 cm ergibt (was eigentlich schon relativ viel ist ... viele haben - bei ähnlichem Wandaufbau - nur ca 35 cm).
Warum sollte man sie noch dicker machen? Bei 40 cm kann man eh schon auf einen U-Wert von 0,099999999999999 kommen.

Würde sagen, das ist ein 0-8-15-Fertighaus-Wandaufbau wie ihn die meisten Fertighäuser haben, wobei da manche Firmen - im Standard - schon auch noch dünnere/einfachere/billigere Ausführungen verwenden (z.B. die OSB-Platten komplett weglassen, weniger Dämmung etc.).

Noch besser geht natürlich immer: Installationsebene wäre sicher kein Nachteil. Alternativen zu XPS, Steinwolle und Dampfstelle gibt es auch, kostet halt alles Geld.
Gab diesbezüglich schon unzählige Glaubenskriege hier im Forum.
2.7.2019 14:29
ich halte diesen halbherzigen aufbauten grundsätzlich nichts.

aber der reihe nach:
1.) die vorgestellte außenwand hat sicher keine 605mm -> die dämmung sitzt in der riegelkonstruktion
2.) vor der dampfbremse sollte innenseitig eine installationsebene ausgeführt werden (kann auch gedämmt werden
3.) als dampfbremse keine folie verwenden sondern osb und stöße verkleben
4.) gipsfaserplatte außen am riegel macht für mich keinen sinn. sollte eher diffusionsoffene mdf oä. sein
5.) unter der fassade würde eine hinterlüftung sinn machen
6.) als putzträger würden sich holzweichfaserplatten anbieten

holzriegel ist eine hochwertige bauweise wenn richtig geplant und zimmermannsmäßig umgesetzt.
2.7.2019 15:46
Wer ist denn der Anbieter?

https://www.dataholz.eu/ hier gibt es haufenweise zertifizierte Wandaufbauten mit den bauphysikalischen Eigenschaften (da findest du auch den Schallschutz)
Wandaufbau ist ildefonso schrieb: 0-8-15-Fertighaus-Wandaufbau
Such dir einen Holzbauer und lass dir Alternativen vorschlagen. Überlege, wo du Eigenleistung einbringen kannst und möchtest um Kosten zu sparen. Dafür investier in nachhaltigere Materialien. Bei EPS und Steinwolle kommen mir persönlich die Tränen.
Wir haben bei uns z.B. die komplette vorgehangene Fassade gemacht, die Innenwände wurden nur einseitig beplankt geliefert (Dämmung von uns und zweite Platte). Bei den Außenwänden haben wir Strohhäcksel einblasen lassen, genauso lässt sich da aber Zellulose sehr günstig selbst organisieren. Ob man eine zusätzliche Installationsebene braucht kommt stark auf den Wandaufbau und die gewünschte Oberfläche innen an (Putz oder nur gespachtelt). Wenn man sie braucht, könnte man die Insatallationsebene aber auch unproblematisch selbst machen.


Blise schrieb: aber jetzt schon mehrmals gelesen, dass die EPS-Platten beim Holzriegelbau nicht zu empfehlen ist. Warum genau? Ist der EInfluss auf Hellhörigkeit/Raumklima wirklich so groß?

Ich persönlich mag erdölbasierende Produkte nicht, wenn es bezahlbare nachhaltige Alternativen gibt. Preislich ist EPS unschlagbar.
Bauphysikalisch hast du einige Nachteile:
geringerer Schallschutz, weil Masse fehlt
Aufbau ist nicht diffusionsoffen (bei Verarbeitungsfehlern kann es zu Bauschäden=Schimmel kommen)
Schlechterer sommerlicher Hitzeschutz, weil Phasenverschiebung geringer
unabhängig vom EPS kommt bei deinem Wandaufbau noch die geringere innere Speicherfähigkeit dazu.



2.7.2019 15:49


Blise schrieb: einen K-Wert um die 0,10-0,11

Wenn du diesen Begriff von deinem Anbieter hast, such dir wen anderen. Der steckt offensichtlich in den Neunzigern fest. Der Begriff U-Wert ist seit mindestens 2002 gebräuchlich.
2.7.2019 16:38
@alpenzell
Der Trend geht beim Fertighaus (und um das gehts hier wohl) ganz klar in Richtung "schlüsselfertig". Belagsfertig ist auch noch ein Thema, noch weniger zu bekommen, aber ein absolutes Minderheitenprogramm.
Von daher ist der Rat, selbst etwas gar an Wänden, Fassade oder Dämmung zu machen, zwar sicher nett gemeint, geht aber an der Realität ziemlich heftig vorbei.


alpenzell schrieb: Überlege, wo du Eigenleistung einbringen kannst und möchtest um Kosten zu sparen. Dafür investier in nachhaltigere Materialien.


Gerade die eigene Zeit ist oft sehr kostbar und teuer.
Wenn man daher etwas selbst macht um dann auf anderer Linie wieder mehr Geld auszugeben, ist das kostenrechnungstechnischer Betrug an sich selbst.
2.7.2019 20:40
Hello!


ildefonso schrieb: geht aber an der Realität ziemlich heftig vorbei.


Das kommt dann wohl darauf an, wessen Realität man als Referenz verwendet.


ildefonso schrieb: Wenn man daher etwas selbst macht um dann auf anderer Linie wieder mehr Geld auszugeben, ist das kostenrechnungstechnischer Betrug an sich selbst.

Kostentechnisch vielleicht...aber bautechnisch sicher nicht!
Bin ganz bei Alpenzell!


alpenzell schrieb: Überlege, wo du Eigenleistung einbringen kannst und möchtest um Kosten zu sparen. Dafür investier in nachhaltigere Materialien.

 Dem ist nichts hinzuzufügen - praktiziere ich derzeit selber - und das Gefühl ist großartig!
2.7.2019 21:22
also mit dem aussenwandaufbau kann ich gar nichts anfangen.
steckdose oder wasserleitung kann man da keine einbauen ohne die Dampfbremse zu durchlöchern...

ich fände einen 250mm riegel mit dämmung und innen nochmal 100mm gedämmte installationsebene als gut geeignet. aussen muss die platte diffusionsoffen sein. da gibt es von jedem plattenhersteller geeignete platten wie die egger mhf oder agepan. eine gipsplatte auf der aussenseite ist wohl ein witz.

aussen ist eine hinterlüftungsebene zu empfehlen. styropor oder weichfaser würde ich wenn es das budget hergibt vermeiden.
3.7.2019 12:47
Vorab - vielen Dank für alle Antworten! Bin zwar nur bedingt schlauer als vorher, aber unterm Strich: Kein perfekter Wandaufbau – aber 0815 heißt für mich auch nicht schlecht? Durch unseren Anbieter sehe ich nämlich hier nicht die Mega-Veränderungsmöglichkeiten. Außer eben das erwähnte HANF-Upgrade statt EPS/Steinwolle ...
... aber ich tu mir trotz der vielen Antworten immer noch schwer, den Einfluss auf die Lebensqualität zu beurteilen, wenn wir bei EPS & Steinwolle bleiben. Für das Thema Hitze & Co kriege ich um den selben Mehrpreis eine Klima-Anlage + PV-Anlage. Fahre ich damit nicht sowieso besser? Und bzgl. der Schalldämmung sind alle Zimmer bei uns von der Straße abgewendet – und auf der anderen Seite ist 1 km Feld. Land halt – d.h. von Außen werden wir nicht viel hören.

Danke nochmal für den Input. Falls noch jemand eine Meinung hat, bitte & gerne.
LG
Oliver
 
3.7.2019 13:00
@Blise

Ist das Elk, oder?
Denn der Wandaufbau entspricht, wenn ich es noch richtig im Kopf habe, in allen Angaben millimetergenau der Wand die man bei Elk bekommt wenn man die "dickere" Dämmung gegen Aufpreis dazukauft. Wobei mir neu wäre dass Elk dann auch noch eine OSB-Platte innen verwendet.
3.7.2019 15:15


Blise schrieb: Für das Thema Hitze & Co kriege ich um den selben Mehrpreis eine Klima-Anlage + PV-Anlage. Fahre ich damit nicht sowieso besser?

Die PV kann man immer machen, aber in puncto Nachhaltigkeit lohnt es sich, bereits beim Bauen auf Hitzeschutz zu achten. Auch ist es nachhaltiger und wird dem energiesparhaus-Gedanken besser gerecht, in passive Kühlung als in eine Klimaanlage zu investieren.

Aber zu allererst würde ich darauf achten, wie gebaut wird. Die Hitze, die nicht ins Haus gelangt, muss erst gar nicht wieder hinausgekühlt werden. 
3.7.2019 20:08
Danke für die zusätzlichen Infos!
Der Anbieter ist Zenker (=Elk); wobei ichdazusagen muss, dass Zenker im Standard  eigentlich Hanf als Putzträger & als Dämmmaterial hätte(statt EPS/Mineralwolle). Wir haben aber von Anfang an aus Budgetgründen "downgegradet"/ohne nachhaltigen Aspekten kalkuliert. Jetzt überlegen wir halt gerade doch noch einmal, ob wir wieder zum Standard upgraden.

Das bzgl. der Kühlung meinte ich nur so, dass eben PV-Anlage (aus die wir aktuell auch verzichten müssen) + Klimaanlage (die aufs Jahr gesehen, sicher von der PV-Anlage gedeckt wäre) genauso stark ins Budget fallen würde, wie entweder EPS oder Mineralwolle abzutauschen. Ist auch so eine gewisse budgetäre Balance aus Nachhaltigkeit & Wohncomfort die wir gerade zu finden versuchen.

Aber vielen Dank für euren Input! Wir überlegen jetzt mal nochmal :)
LG
Oliver
3.7.2019 20:26
nAbend

mein Senf:
* Ohne Installationsebene wäre ein absolutes NO GO für mich.
* genauso der energetische Unsinn, den Dämm-Mangel des Wandaufbaus mit einer Klimaanlage ausgleichen zu wollen (die hält net ewig)
* bei dem Innenwandaufbau werdets garantiert mehr durchhören, als euch lieb ist

mein Fazit: es gibt viele Bessere und a Handvoll Schlechtere Hüttenanbieter...

Und Ja, es ist schonamal a Mammutprojekt, bei den ganzen Wandaufbauten, Dämmungen, Dichtungen, Ausführungen und Beschreibungen halbwegs durchzublicken und a vernünftige Entscheidung zu treffen.
Dann hast Dich aber gradamal für an Wandaufbau und mglw. eine Hütte entschieden aber es steht noch nix

lg Wolfgang
4.7.2019 9:55
Hallo Blise

das Thema ist auch nicht so einfach zu durchschaun - ich möchte dir daher diese Lektüre ans Herz legen.
Einarbeitung und Verständnis gehört beim Hausbau dazu und es bedarf manchmal an Geduld:

https://hbz-nord.de/informationsdienst-holz/?wpdf_download_file=L2lzL2h0ZG9jcy93cDExNjE4MDlfT1c4RTBPMERJTS93d3cvdGVzdC9kb3dubG9hZHMvMl9Ib2x6YmF1X0hhbmRidWNoL1JlaWhlXzAxX0VudHd1cmZfdW5kX0tvbnN0cm

Meine ganz persönliche Meinung zu deinem Wandaufbau ist wie bereits von anderen geschrieben, dass es sinnlos ist beim Aufbau zu sparen nur um mit vermeindlicher Technik wieder was gut zu machen.
Da ich selbst ein Angsthase bin was den Holzriegel und Feuchtigkeit abgeht (und bekomme selbst einen), wäre dein Aufbau für mich nichts.
Über die hinterlüftete Vorfassade lässt sich streiten ob sie notwendig ist, aber aussen EPS drauf und innen keine Inst.Ebene finde ich wirklich nicht gut.
Du hast zwar eine OSB (kommt drauf an welche), die dir als Dampfbremse vor der Folie fungiert, aber bohrst du einmal durch deine 3cm Platten durch, bist du im Riegel - ein nogo!
Zudem ist aussen eine GFPlatte mehr als fraglich.
Zusammenfassend würde ich deinen Aufbau überdenken und zumindest wie Zenker es eigentlich macht mit Hanf dämmen und zudem eine Inst.Ebene einplanen.
Von der Dicke hast du noch Spielraum, mein Aufbau ist zusammen 54cm, mit Hinterlüftung und Inst.Ebene wohlgemerkt da ich kein Bauweh wegen Feuchtigkeit haben möchte.

LG
4.7.2019 13:15
Holzhaus nicht mit EPS und Steinwolle dämmen,

Der Vorteil bei anderen Dämmstoffen besteht gerade in der Kapillarität und Sorptionsfähigkeit, zudem höherer Rohdichte.

Dies ermöglicht einen viel besseren Feuchteausgleich,
gleichzeitig wird der Hitzeschutz verbessert.

Eine dämmtechnisch gute und preisgünstige Möglichkeit wären Stegträger, wie zB Steico Wall  für die Wände, außenseitig schwere 40 oder 60 mm Holzfaserplatten augschrauben und diese verputzen oder mit einer Holzverkleidung versehen.

Hohlräume mit Zellulose ausblasen

Innenseitig zB Dreischichtplatten verwenden,
ggf mit gedämmter Installationsebene

Den Wandaufbau würde ich so wählen, dass mind. Passivhausniveau erreicht wird-
der Kostenunterschied ist nicht erheblich, da breitere Stegträger nur wenig mehr kosten und dann nur mehr Zellulose gebraucht wird, was auch nicht viel teurer ist, da die Fixkosten ohnehin anfallen.

Alternativ zB 6/28 cm KVH verwenden,
außen dickere Dämmplatten aufbringen
und innen eine stärkere Installationsebene, um bessere Dämmwerte zu erzielen.

Insgesamt vermutlich nicht teurer als deine Version bei gleichzeitig viel besseren Eigenschaften.
EPS Fassaden verursachen erheblich höhere Unterhaltskosten

Ich würde als Fassadenputz KalkZement- oder hydraulische Kalkputze verwenden mit Silikatfarben

Statt Trägern würde ich auch eine Konstruktion mit CLT-Platten und außenseitig zur Dämmung Stegträger, Zellulose, Holzfaserplatten überlegen.
Vorteil hierbei, dass die Fenster ganz außen in der Dämmebene montiert werden können

Andreas Teich



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