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Funktioniert eine witterungsgeführte Heizung im Altbau?

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  •  ABERG
  •   Bronze-Award
5.1.2026
8 Antworten | 4 Autoren 8
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Unser Haus ist Baujahr 1993 und thermisch auch nicht saniert. Die Gasheizung wurde im Herbst durch eine WP WP [Wärmepumpe] mit Tiefenbohrung ersetzt und ich habe versucht die Heizkennlinie zu optimieren. Eigentlich dachte ich, dass es gar nicht so schlecht funktioniert hat, doch in den letzten Tagen wurde ich eines Besseren belehrt. Der Herbst und Frühwinter war ja durch "ruhiges" Nebelwetter im Osten Österreichs geprägt und dementspechend auch die Witterung nicht so herausfordernd für die Heizkennlinie. Dann kam der starke Wind vor dem Jahreswechsel und die sonnigen Tage im neuen Jahr. Und schon war es dahin mit meiner Heizkennlinie! Bei den selben Außentemperaturen wirkt sich starker Wind oder Sonne bei den Raumtemperatuen merklich aus. Wir haben keine Fußbodenheizung, sondern Radiatoren und in zwei Räumen eine Hypokaustenheizung (https://www.energiesparhaus.at/forum-hypokaustenheizung-mit-waermepumpe/82677). Es ist jetzt nicht extrem unangenehm, aber mich würde es von der Regeltechnik her interessieren, wie man das handhaben könnte. Mir ist schon klar, dass eine witterungsgeführte Regelung in modernen, sehr  gut isolierten, dichten Häusern mit großen Speichermassen durch die FB-Heizung gut funktioniert. In unserem Fall dürfte das aber nicht der Fall sein. Rein von der Regelungstechnik (ist bei mir zwar schon ein paar Jahrzehnte her, als ich das in der HTL gelernt habe) stellt sich mir die Frage, wie man diese zusätzlichen Störgrößen in den Regelkreis einbinden könnte. Bei der witterungsgeführten Regelung wird ja eigentlich die Störgröße (Außentemepratur) zur Führungsgröße!? Hab ein wenig gesucht, aber keine theoretischen Konzepte gefunden, wie das regelungstechnisch funktionieren kann.

Mir schwebt vor, dass ich über OpenMeteo die Wettervorhersage einbinde und die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit nicht nur von der Außentemperatur, sondern auch vom Wind und der Sonne versuche zu regeln. Geht aber erst im nächsten Winter, denn da werde ich dann schon in der Pension sein...😀

  •  wuschi
  •   Bronze-Award
5.1.2026 9:31  (#1)
Kurz: Nein, funktioniert nicht. Die letzten Tage auch bei mir Wind und kalt. Wurde deutlich kühler im Haus (kann es auch quantitativ auf 1-2K benennen, weil ich in mehreren Räumen Funkthermometer habe um den thermischen Abgleich zu beobachten und zu optimieren. 
Ebenfalls ungedämmter Altbau, ZFH mit mehreren Bausubstanzen, neue Fenster, Dachboden gedämmt, Heizkörper.

Als ich es dann eingesehen habe, dass es wohl am Wind liegt, lief die WP WP [Wärmepumpe] dann manuell einen Tag auf Vollgas um wieder die gewünschten Temperaturen zu erreichen. 
Letzte Nacht hatte es dagegen -5°C am Abend und -10°C am Morgen, ohne merklichen Wind und ein bissl Sonne am Nachmittag davor (-> leichte Übertemperatur in gewissen Räumen). Da hat die WP WP [Wärmepumpe] sich wacker geschlagen und hätte noch eine Stufe mit ca. 1kW Reserve gehabt. 
Ich habe meine WP WP [Wärmepumpe] bewusst sehr knapp dimensioniert, weil wahrscheinlich noch thermisch saniert wird. Meine hängt am Grundwasser und kann dadurch auch dauerhaft größere Leistungen abrufen ohne die Quelle zu überlasten.
Den Wärmebedarf habe ich letzen Winter mit einem China-Wärmemengenzähler ermittelt. Rechnerisch müsste die WP WP [Wärmepumpe] bis ca. -10°C reichen. Daher bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden und habe jetzt auch Frieden für meine Nerven.

Nachtrag: Habe am Abend WW WW [Warmwasser] mit dem Heizstab im speicher nachgeheizt, damit sie in der Nacht keinen WW WW [Warmwasser]-Takt macht.

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  •  ABERG
  •   Bronze-Award
5.1.2026 9:56  (#2)
Ja, ich habe auch eine "NERD"-Wetterstation und in nahezu allen Räumen eine genaue T-Messung. Bei mir war der Temperaturabfall nicht so stark - eher im Bereich von 0,5K. OK, wenn die Sonne ins Wohnzimmer heizt, sind es schon mal 2-3K Anstieg, aber das hält man leichter aus. Ich gehe aber eher über die Tagesmitteltemperaturen. Aber auch die waren merklich abhängig vom Wind. Wir hatten heute auch -11°C um 6Uhr und die 6kW WP WP [Wärmepumpe] ist noch lange nicht am Anschlag. Diese Dimensionierung dürfte ok sein, aber regelungstechnisch "interessant" mit unserem außergewähnlichen Heizsystem.

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  •  leitwolf
  •   Gold-Award
5.1.2026 10:11  (#3)
Das war bereits beim Bau des energybase (2008) in Wien Floridsdorf ein Thema.
Bei modernen energieeffizienten Gebäuden ist die Heizlast nicht alleine von der AT AT [Außentemperatur] abhängig, sondern wird je nach Südanteil der Fenster von der Einstrahlung stark beeinflusst. An sonnigen Tagen kann die Einstrahlungsenergie höher sein, als die benötigte Wärmeenergie für den ganzen Tag (24h). Aufgrund der Luftdichtheit der Gebäudehülle und Winddichtheit der Konstruktion ist der Einfluss von Wind auf die Heizlast gering.
Das bedeutet, dass an Nebeltagen, die selten unter -5°C mit sich bringen, die höchste Heizleistung erforderlich ist, während an Tagen unter -10°C (im Regelfall klares Hochdruckwetter mit Sonnenstunden) sogar deutlich weniger Heizleistung erforderlich ist. Bei modernen Heizungen kann man die Heizkurve dementsprechend einstellen. Eine rein außentemperaturgeführte Regelung kann zu einer Überwärmung des Gebäudes bei tiefen AT AT [Außentemperatur] führen und damit mit der Einspeicherung solarer Gewinne konkurrieren. Im Ausnahmefall (Frostnacht + bewölkter Tag) kann unter Umständen die Vorlauftemperatur an die Grenze kommen.

Bei Altbauten sind die solaren Gewinne im Verhältnis zur Heizlast wesentlich kleiner, während hingegen der Windeinfluss bei undichten Altbauten dominiert. Bei undichteren Altbauten würde daher eine windabhängige Regelung durchaus Sinn machen.

Je flinker das Gebäude auf äußere Einflüsse reagiert und je träger das Heizsystem auf diese Änderung der Raumtemperatur reagieren kann, desto mehr macht eine vorhersagebasierte Regelung Sinn. Die Prognosen müssen so exakt sein, dass sie einzelne Wolkenfelder, Frühnebel, örtlichen Windeinfluss, etc. stundengenau für den Standort mit einer Vorlaufzeit von mehreren Stunden vorhersagen können. Inzwischen sind die Daten bereits regional sehr detailliert. Es ist nur eine Frage, wie man an diese herankommt und wie man sie verarbeitet.

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  •  wuschi
  •   Bronze-Award
5.1.2026 10:11  (#4)
Eine Möglichkeit wäre noch ein Raumfühler mit gewissem Regeleinfluss. Das könnte ich relativ schnell unsetzen indem ich die Zahlreichen Kabel des alten Raumthermostat zusammenhänge und da einen PT1000 anschließe.
Andererdeits kann ich am Handy die Heizkurve um 2-3 grad verscheiben, wenns windig ist. Viel mehr kann die App allerdings auch nicht.

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  •  heislplaner
  •   Gold-Award
5.1.2026 10:12  (#5)

zitat..
wuschi schrieb: Kurz: Nein, funktioniert nicht.

Das liegt aber wahrscheinlich in erster Linie an einer falsch eingestellten Heizkurve


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  •  ABERG
  •   Bronze-Award
5.1.2026 10:22  (#6)
@leitwolf: Vielen Dank für die detallierte und interessante Antwort! Die Wettervorhersagedaten bekommt man sehr einfach über die API von OpenMeteo! Für die nächsten 12-18 Stunden stimmen die Vorhersage sehr gut. Wird ein Projekt für die Pense...😀

Im Moment "regle" ich die Heizung händisch über die App und bin eigentlich eh zufrieden. Der deutlich spürbare Einfluß vom Wind hat mich halt getriggert.

Gibt es eigentlich theoretische Untersuchungen zur witterungsgeführten Regelung? Wie oben schon geschrieben, wundert mich das "Vertauschen" von Führungs- und Störgröße.

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  •  ABERG
  •   Bronze-Award
5.1.2026 10:25  (#7)

zitat..
heislplaner schrieb:

Das liegt aber wahrscheinlich in erster Linie an einer falsch eingestellten Heizkurve

Wenn aber bei der selben Tagesmitteltemperatur am Außenfühler die Innentemperatur dann nicht passt, kann ich genau was an der Heizkurve ändern?


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  •  wuschi
  •   Bronze-Award
5.1.2026 10:32  (#8)

zitat..
heislplaner schrieb:

──────..
wuschi schrieb: Kurz: Nein, funktioniert nicht.
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Das liegt aber wahrscheinlich in erster Linie an einer falsch eingestellten Heizkurve

Vom sch...en die hose runter ziehen.
(Oder: vorm Antworten die Beiträge lesen)


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