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Erfahrung Sanierung 70er Jahre Haus

10 Beiträge | letzte Antwort 30.8.2018 | erstellt 10.7.2018
Hallo Häuslbauer!

Ich bin schon länger stille Mitleserin in in diesem sehr informativem Forum und hab jetzt auch eine Frage an die Community

Mein Mann und ich haben eventl die Möglichkeit, ein tolles Grundstück mit einem nicht so tollem Haus aus 1972 zu kaufen. Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem Baugrund und wollten neu bauen. Leider ist das Angebot in unserer favorisierten Gemeinde mehr als überschaubar.
Durch mehrere Zufälle sind wir nun eben auf oben Erwähntes gestossen.

Nun meine Frage: Hat jemand Erfahrung mit der Kernsanierung eines solchen Hauses? Ist sowas eine Never Ending Story? Kann man mit einem Budget von € 250 000,-  so sanieren, dass alles Hand und Fuß hat? Oder ist sowas immer ein Kompromiss? 

Uns ist natürlich klar, dass vor einem Kauf ein Sachverständiger die Bausubstanz beurteilen und ein Sanierungsplan her muss.

Ich weiß, dass jedes Objekt anders ist und schwer vergleichbar, dennoch würden wir uns über Erfahrungen freuen

LG
sumsi
10.7.2018 22:24
Setz dich mal mit dem User maider in Verbindung- er hat ein altes Haus zu einem Schmuckstück umgebaut und kann dir mit viel Erfahrung dienen 😉🤗
10.7.2018 22:31
70er jahre bauten sind meist unproblematisch. nicht so schlechte Bausubstanz wie in der Nachkriegszeit aber noch keine problematischen Baustoffe wie eps. Einzig Eternit am Dach könnte möglich sein, hält sich kostenmäßig aber im Rahmen. Zu beachten ist hauptsächlich ob die raumhöhen geeignet sind, einen höheren Fussbodenaufbau aufzunehmen. Alles andere kann man umbauen. Türen, Fenster, zur not die Treppe, alles machbar. Kostenmäßig gehts in alle Richtungen. ..
11.7.2018 8:03
Ich renoviere Grad selbst ein 72er Jahre Haus und finde, dass es nicht so viel Arbeit war wie ich es mir vorgestellt hatte. Gemacht haben wir im groben folgendes nach der Reihe sortiert.
Wassenlranschluss, da niemand wusste wo der Brunnen ist. 
Neuen Fußbodenaufbau im EG inkl. Isolierung 15 cm
Alle Abflüsse und Zuleitungen neu
Elektrik neu 
Neue Luftwärmepumpe 
Rigips auf der Decke
Alle Wände vernetzen und verspachteln
Dachboden 30 cm Isolierung
Und Aussenfassade mit 15 cm Isolierung

Kostenpunkte bei uns sind 200 000 € mit Haus und Grundstück.
Muss aber nicht sein, dass das bei euch auch so ist. Wir haben z. Bsp nur 2 Wände weggerissen, weil ums die Innenaufteilung gefallen hat. 
Abzüge müssten wir bei den Räumen und Türen im Og machen. Räe sind 2,15m hoch und Türen um die 1,90 m 



11.7.2018 17:10
Hallo, bei einem Freund haben wir das auch gemacht, war unproblematisch, haben alles inkl. Estrich raus.



Die einzige Herausvorderung war, durch den damals geringen Bodenaufbau und das vorhande Stiegenhaus und Raumhöhe die leitungen so zu verlegen dass es keine großen Kreuzungen gibt, dann wieder Schüttung rein, FBH auf Noppenmatten, einen besseren Estrich mit mehr ?Zement? und somit haben wir nur 5,5cm gebraucht.

also ein paar details überlegen dann ist alles kein problem 

lg
11.7.2018 17:15
Wieviel Schüttung (cm) kamen da rein?
Saniere auch gerade ein Haus aus dem Jahr 72, und mein größtes PRoblem ist, das der alte fussboden relativ geringe Höhe hat (im Keller habe ich nur 13-14cm )
11.7.2018 21:54
Danke schon mal für die Erfahrungsberichte, freuen uns jederzeit über mehr davon😜
15.7.2018 16:07
servus sumsi,


sumsi79 schrieb: Nun meine Frage: Hat jemand Erfahrung mit der Kernsanierung eines solchen Hauses?

Uns ist natürlich klar, dass vor einem Kauf ein Sachverständiger die Bausubstanz beurteilen und ein Sanierungsplan her muss...


da wirds hier ein paar erfahrene geben ...

unser familienstück ist von anfang '70, ein 'stockhaus', heute würde man generationenhaus dazu sagen...

das wichtigste war uns die bewertung des bestands. ziegelbau mit keller ist eine tolle hochwertige basis, ganz entscheidend war uns aber die ausrichtung & solare architektur des gebäudes.

und da haben meine eltern zum glück seinerzeit viel richtig gemacht. wir hätten keine nachteile gefunden und es wieder ähnlich hingestellt...

ein nachbar hat uns empfohlen es wegzuschieben, der hat sich seine traumburg vom baumeister hinstellen lassen und sie ein paar jahre später wieder verkauft...

wichtig war lange und ausführlich zu planen. mein persönliches glück dabei ist daß meine frau hochbauingenieurin ist. sie hat background & erfahrung gehabt, firmen koordiniert und ich durfte querdenken...

wir haben das haus von außen entkernt, das alte wdvs erster generation entfernt und das mauerwerk außen zugeschlämmt, weil innen großteil trockenausbau do-it-yourself vorhanden war.

nur baufirmen werken lassen wird nicht reichen, das geht planerisch schon in die tiefen
-> bauphysik
-> energetischer standrad
-> luftdichte ebene
-> fenster in die dämmebene
-> wärmetechnik
-> etc etc etc

wir sind jeden tag glücklich mit dem werk, genießen den neuen komfort im alten haus und freuen uns jedes jahr auf die heizkostenabrechnung, wenn gegenüber früher 90% eingespart wurden...

sanieren ist cool...

und irgendwann wird man vielleicht sogar fertig ...
16.7.2018 21:46
also bei baujahr 1972 kannst glück oder pech haben. aber damals war man bautechnisch schon gut auf der höhe, weil:
- die architektur war nicht verschnörkelt wie in den 90iger-jahren, es waren schlichte zeitlose häuser die heute oft genauso gebaut werden.
- es wurden oft ziegeleinhänge-decken verwendet (immer noch state of the art)
- es wurde mit zement-estrich, randdämmung aus styropor, mineralwollplatten als estrich-unterlage gearbeitet
- die unterputz-elektrodosen und rohre waren schon aus kunststoff anstatt metall, wobei damals auch sehr oft stegleitungen auf den ziegel genagelt wurden statt die leitungen zu verrohren.
- abwasser-rohre waren aus PVC (grau)
- die zeitlosen metall-türstöcke waren damals schon trend und mit glück sind es schon önorm-türen, d.h. türentausch mit stangenware aus dem baumarkt ist möglich.
- keller wurden schon mit mischbeton statt stampfbeton gemacht in vergleichbarer qualität wie heute.
- die tonziegel von damals waren viel stabiler als heute, weniger hohllöcher und mehr mineralisches material, daher besserer schallschutz.
- wc-spülkästen waren schon hinter dem WC anstatt irgendwo an der decke mit kette.
- kanalrohre am grundstück waren aus beton mit schnur-dichtung in bitumen getränkt. die halten sicher noch hundert jahre.
- klingeln und gegensprechanlagen waren damals schon trend, verrohrung sollte vorhanden sein.
- die treppe könnte evtl aus hochwertigen terazzo sein, der mit viel glück noch immer zeitlos schön ist, ansonsten kann man den supereinfach neu befliesen.
- podest-treppen mit angenehmen breiten, höhen und tiefen waren damals schon so gut wie heute, die hohen wendeltreppen mit vorprogrammierten krankenhausaufenthalt wurden damals schon nicht mehr genehmigt.
- mehrzügiger mineralischer kamin statt ofenrohr ist sehr sicher vorhanden, evtl. sogar von schiedel. den kann man heute noch nutzen um brennwert-rohr einzuziehen oder einen schacht als installations-steigschacht zweckentfremden.
- brandschutz war damals schon sehr wichtig und heikel, es war viel wichtiger als andere themen für die bausachverständiger.
- keller wurde schon oft mit roll-schotter zugeschüttet.

sichere nachteile:
- wasserleitungen sind meist aus stahl und wären zu tauschen
- badsanierung kann überraschung werden, damals wurden keine dünnbett-fliesenkleber verwendet und die fliesen in den frischen mörtel-putz gelegt. das rausstemmen wird eine herausforderung.
- lichtschalter sind auf ca. 130cm-140cm höhe anstatt die gewohnten blind greifbaren 105cm (türschnallenhöhe), klingt jetzt nach einem detail aber mir fällt das auf
- jeder raum wird nur einen lichtschalter und max. 5 steckdosen haben.
- elektroverteilung wird unwahrscheinlich mit hutschienen und automaten gemacht worden sein, sondern eher mit keramikschraubsicherungen auf eternit-tafeln.
- asbesthaltige baustoffe wirst du finden, zB eternit-dach, trägerschicht alter pvc-böden, abluft-vierkantrohre usw.
- drahtfarben bei der e-installation wo sich keiner auskennt.
- WC's hatten nur senkrechten statt waagrechten abfluss, d.h. es ist ein stockwerk darunter das abwasser-knie an der decke zu sehen.

wenn das haus aber nach der nachkriegs-billigbau-methode gebaut wurde (stampfbeton-keller, heraklit-trennwände, holzbalkendecke mit verputzten stroh/schilfmatten auf der unterseite, schwingender dielenbretterboden) und es zugleich feuchtigkeitsprobleme gibt, dann finger weg.

also wenn das haus damals nach "stand der technik" gebaut wurde, würde ich es auf keinen fall entkernen. sanierungskonzept erstellen wo man möglichst dach/fassade/fenster GLEICHZEITIG saniert (nur so bekommt man es möglichst wärmebrückenfrei hin), die anderen gewerke (elektro, bäder, treppen,...) schrittweise. fenster gehören die die dämmebene wie schon dyarne betont hat, daher muss man die gebäudehülle als eine einheit beim sanierungskonzept betrachten und soll die gewerke nicht in verschiedene zeitabschnitte verlegen. womit ihr anfängt hängt vom geldbeutel ab.
23.7.2018 12:30
Eine Sanierung im Bestandsbau ist quasi das Überrschungsei
Alles ist möglich..
Zu den Preisdimensionen.. Bei mir wurde es einen minimalinvasive Sanierung..
D.h. Fenster, ET, Heizsystem, Balkon, WDVS, Perimeterdämmung in Preis/Leistungsvariante und das waren dann auch mal gleich 60.000,-
Auch die Frage wieviel ihr an Eigenleistung machen könnt/wollt...
Natürlich auch das Qualitätsniveau der Ausführungen..

Meine persönliche Meinung als Nichtproffessionist
Wenn das Haus nicht ein "erhaltenswertes Schmuckkästchen" mit Charme und dem besonderen"Etwas" ist, würde ich keine Sanierung machen..
Ich glaube, dass eine Sanierung die Kür im Bauwesen ist. Alles ist möglich, vieles ist nur suboptimal mit Kompromissen umzusetzen und daher auch preisintensiver..
Was bei der Sanierung hinzukommt ist die Demontage vorher
Bei Interesse guckt bei meinem Faden rein..
30.8.2018 22:23
Ich danke für alle Inputs



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