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Welche Heizung auch für die Zukunft?

59 Beiträge | letzte Antwort 2.2.2018 | erstellt 24.1.2018
Wir sind gerade in der Planung unseres neuen Hauses (140 qm ohne Keller) und auch am überlegen welche Heizung es werden soll. Viel gesprochen wird ja zurzeit über die "Luftwärmepumpe"! Finde diese nicht schlecht aber ich habe auch gehört bei einem kalten Winter schießen die Kosten ganz schön in die Höhe!? Dann wären ja noch die Heizungen mit Gas, Öl usw.. wobei ich leider noch keine Erfahrungen sammeln konnte

Nun meine Frage? Welche Heizung würdet ihr empfehlen die auch noch in ferner Zukunft noch sinnvoll ist? Bzw. welche Heizung habt ihr und wie zufrieden seit ihr damit?

LG
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24.1.2018 12:54
Als allererstes überlegen:

wie können Wärmeverluste reduziert und
wie können solare Gewinne maximiert werden?

Wärmeverluste reduzieren zB durch

Kompakte Bauweise
Größenbegrenzung auf tatsächlich benötigte Flächen
Minimierung von Verkehrsflächen
Kurze Warmwasserleitungswege,
Für Räume mit höherer Temperatur Südausrichtung, soweit möglich
Dämmstandard mind. Passivhausniveau.

Solare Gewinne durch Südausrichtung mit großen Fensterflächen,
im Winter unbeschattet.
Überhitzung vermeiden durch Dachüberstände, Beschattung durch Bepflanzung

Und ganz zum Schluß, nach Berechnung der Heizlast,
sind Überlegungen zur Wärmeerzeugung sinnvoll.

Die baulichen und architektonischen Maßnahmen und Kosten fallen einmal an,
Heizungsmehraufwand fällt dann Jahrzehnte lang immer wieder an.

In einer waldreichen Gegend kann Holz sinnvoll und günstig sein,
strombasierte Systeme nur bei eigener oder externer Photovoltaik
Öl würde ich von vornherein ausschließen, 
Gas ebenso, sofern nicht Biogas möglich ist.

Andreas Teich
24.1.2018 13:10


Mario33 schrieb: Welche Heizung würdet ihr empfehlen die auch noch in ferner Zukunft noch sinnvoll ist? Bzw. welche Heizung habt ihr und wie zufrieden seit ihr damit?


meine. und wir sind absolut zufrieden.
erdwärmepumpe + rgk kollektor + passivhausnahe hausbauweise
24.1.2018 13:14
Hatte bei 200 m2 Wohnnutzfläche folgende Optionen:
Energiekennzahl Ziegel mit U-Wert 0,115 zu 0,174.
Die Investitionskosten waren bei 0,115 um ca. 9000,- höher. Der Ziegel davon nur ein kleiner Teil, der andere Teil waren größere Bodenplatte, Zwischendecken, Dach, Fassade,... die Heizlast hätte sich um 6,5% reduziert. Heizkosten bei 0,174: 300,- / Jahr. Was will man sich da noch viel ersparen?
Amortisation nach 462 Jahren. Kommt natürlich auf die Bauweise an. Glaube nicht, dass bei allen Bauweisen größere Bodenplatten, usw. bei dickerer Dämmung erforderlich sind.
Die Frage ist immer wo ist ein vernünftiger Dämmkompromiss. Habe mir dazu einen Rechner gebastelt, der über die Amortisation Auskunft gibt.
Genau so wichtig finde ich eine schlaue Heizung. Z.B. Ringgrabenkollektor mir modulierendem Verdichter.


24.1.2018 13:16


Mario33 schrieb: Viel gesprochen wird ja zurzeit über die "Luftwärmepumpe"!


Na dann lies mal etwas hier im Forum - da wird eher davon gesprochen, warum man denn überhaupt eine LWP macht, wenn man zu ähnlichem Preis eine Erdwärmepumpe (Ringgraben) machen kann. ;)

Diese mache wird btw. - Öl/Gas war für uns im Neubau nie eine Option.
Holz macht m.M.n. nur Sinn, wenn man selbst Holz "machen" kann, dazu also die nötigen Geräte + Wald hat. Täts aber trotzdem nicht, weil es mir zu aufwändig wäre.
24.1.2018 14:11
was hier bereits zu den baulichen maßnahmen erwähnt wurde kann man nur unterstreichen.

ich denke das potential von gas sollte man nicht unterschätzen.
+ es gibt bereits hervorragende infrastrukturen
+ es gibt bereits alterativen zu erdgas wie zb. biogas. und in zukunft werden auch energieträger wie wasserstoff udgl. eine wichtige rolle spielen.
+ emissionen bei der verbrennung von gas sind vergleichsweise gering

man muss wieder anfangen die dinge objektiv zu betrachten und aufhören dem pseudo-öko-mainstream ohnmächtig zu erliegen.
24.1.2018 14:32


Mario33 schrieb: Viel gesprochen wird ja zurzeit über die "Luftwärmepumpe"


Stimmt, etliche Installateure und Architekten sprechen darüber: weil es einfach ist, man (scheinbar!) nicht so genau planen muss, weil es „billig“ ist, und weil die Kunden nach einer vordergründig billigen Lösung verlangen. 

Auch unser Architekt schlug uns eine Luftwärmepumpe vor, um dann zuzugeben, dass das weder eine besonders effiziente noch ökologische Lösung ist. 
Erdwärme sei viel effizienter. 

Nach viel Lesen und Suchen sind wir dann auf den Ringgrabenkollektor gestoßen. Dieser vereint Effizienz mit Erschwinglichkeit. Es handelt sich um eine Erdwärmelösung, die gut geplant wird und genau zum Haus passt. Wenn man eine qualitätvolle LWP mit einer RGK-Lösung vom Preislichen her vergleicht, sind die Anschaffungskosten nahe beisammen. Im Betrieb allerdings schlägt die gut ausgelegte Erdwärmepumpe die LWP allemal, weil sie um einiges weniger an Strom braucht. 
24.1.2018 14:47
was bitte soll an einer lwp nicht ökologisch sein?
glaube ausser lwp und ewp mit ökostrom oder eigenem strom gibts nimma viel was weniger rausbläst. 
der ringgrabenkollektor ist ne feine sache, hät ich auch gemacht wenn ichs früher gekannt hätte.
so hab ich halt ne lwp, seh jetzt für mich aber keine nachteile.
eine lwp würd ich dir aber nur empfehlen wenn du in ner wärmeren region sitzt, hier kann sie ihre vorteile gut ausspielen
24.1.2018 15:18


Stefan86 schrieb: was bitte soll an einer lwp nicht ökologisch sein?


Sie ist weniger effizient und braucht daher mehr Strom. Nicht aller Strom ist ökologisch produziert, schon gar nicht im Winter (und PV wirft im Winter auch nicht so viel ab). 
Erst ab JAZ 3 beginnt eine WP, besser zu sein als manch fossile Alternativen, ab JAZ 4 ist die Balance eindeutig zugunsten von WP: https://www.energieinstitut.at/buerger/haustechnik-energieversorgung/gute-waermepumpen/
Das erreichen LWP aber nur selten. 

Was kältere Regionen angeht, hast du zweifelsohne recht, da ist eine LWP wirklich nicht gut eingesetzt. Deshalb war die erste Empfehlung unseres Architekten ja so merkwürdig: wir leben in einer ziemlich kühlen Region.
24.1.2018 15:33


Mario33 schrieb: Finde diese nicht schlecht aber ich habe auch gehört bei einem kalten Winter schießen die Kosten ganz schön in die Höhe!?


Uns wurde von einem Heizungsspezi ausgerechnet dass wir für unser anstehendes Bauprojekt mit der LWP etwa Mehrkosten von etwa 150,-/Jahr im Vergleich zur EWP hätten.
164m² 2 Etagen ohne Keller.
25.1.2018 8:31
bei uns kann es sich auch nicht um viel mehr reissen.
jaz 3 müssten wir locker schaffen. 
bei meinen schwiegerelter in der nachbarschaft wurde gerade eine mit 6x2 kw zusatzheizstäben aufgestellt. da oben ist es dauernd arschkalt. und der kerl hätte als bauer grund ohne ende und nen eigenen bagger. aber wollte per se eine lwp, was in der region absolut fehl am platz ist
25.1.2018 8:51


Landei88 schrieb:

Uns wurde von einem Heizungsspezi ausgerechnet dass wir für unser anstehendes Bauprojekt mit der LWP etwa Mehrkosten von etwa 150,-/Jahr im Vergleich zur EWP hätten.
164m² 2 Etagen ohne Keller.


Klingt nach einer halbwegs realistischen Schätzung, wenn auch am oberen Ende des Bereichs...

Im Grunde ist die Rechnung ja einfach. 

Angenommen dein Haus braucht 9.000 kWh / Jahr thermisch.
LWP - AZ 4,0 - 2.250 kWh elektrisch - € 0,16/kWh - € 360,- pro Jahr
EWP - AZ 6,0 - 1.500 kWh elektrisch - € 0,16/kWh - € 240,- pro Jahr

Nicht eingerechnet sind dabei Vorteile der EWP bei der Nutzung flexibler Stromtarife. 
Auch bei steigenden Energiepreisen geht die Rechnung weiter zugunsten der EWP.

Die LWP ist keine schlechte Heizung, auch wenn´s manchmal gerne so dargestellt wird.
Wenn die Voraussetzungen passen ist die EWP aber sicherlich die bessere Lösung!
25.1.2018 8:59
uns gings primär um niedrige betriebskosten und langlebigkeit des heizsystems.
für die verbrenner (pellets, holz, gas, ..) hätten wir einen kamin gebraucht. das wollten wir ohnehin nicht. bei pellets/holz brauchst zusätzlich lagerraum. auch nicht gewollt.
die wp ist das zukunftsheizsystem, weil sie einen hohen anteil der umgebungsenergie nutzt, um wärme zu erzeugen, und dabei wenig strom benötigt. es gibt nichts günstigeres/effizienteres.
lwp hat den nachteil, dass ein aussenteil draussen ist, das bewittert wird und potential hat nicht angenehme geräusche zu produzieren. aber vor allem der worst case arbeitspunkt gefiel uns nicht - winter, nacht, -15°. genau schlechteste bedingungen für den höchsten wärmebedarf im haus. daher kam bei uns nur erdwärme in frage. und mit rgk die top lösung.
eine lwp kann die stärken in sommer ausspielen, zb als pool heizung.
ewp kann die stärken in winter ausspielen, als haus heizung, und im sommer zur passiven kühlung des hauses.
25.1.2018 9:27


ricer schrieb: Klingt nach einer halbwegs realistischen Schätzung, wenn auch am oberen Ende des Bereichs...

Im Grunde ist die Rechnung ja einfach.

Angenommen dein Haus braucht 9.000 kWh / Jahr thermisch.
LWP - AZ 4,0 - 2.250 kWh elektrisch - € 0,16/kWh - € 360,- pro Jahr
EWP - AZ 6,0 - 1.500 kWh elektrisch - € 0,16/kWh - € 240,- pro Jahr

Nicht eingerechnet sind dabei Vorteile der EWP bei der Nutzung flexibler Stromtarife.
Auch bei steigenden Energiepreisen geht die Rechnung weiter zugunsten der EWP.

Die LWP ist keine schlechte Heizung, auch wenn´s manchmal gerne so dargestellt wird.
Wenn die Voraussetzungen passen ist die EWP aber sicherlich die bessere Lösung!


Danke für die prima Rechnung.

Wir schwnanken noch etwas zwischen LWP und RGK.
Kann jemand eine Firma für den RGK empfehlen aus dem Mühlviertel oder westlichen NÖ.
Danke
25.1.2018 9:40
man muss bei heizungen auch immer die warmwasserbereitung mitbetrachten.
wie ist das bei wp generell? wenn eine kurzfristige nachladung leistungstechnisch nicht möglich ist wird ein größerer ww-speicher erforderlich sein, nicht?
gerade die lwp muss überdies für die ww-bereitung ja eine überaus große temperaturdifferenz (im winter > 60°C?) überwinden was folglich einen schlechten wirkungsgrad erzeugt.
bei einem energiebedarf von 5000 kWh/a für ww spielt das, denke ich, schon eine rolle.
25.1.2018 10:17
@Landei88
hinterleg bitte deine PLZ im Profil, dann kann man dir bei Empfehlungen besser helfen.
25.1.2018 11:37
Was sagt ihr zu "Flüssiggas"? Ein Bekannter hat seit ca. 10 Jahren eine Flüssiggasanlage mit eigenem (gemietetem) Tank. Alle 1 1/2 ist eine Füllung notwendig (Einfamilienhaus ca. 100qm) und halbjährlich kommt der Servicetechniker. Bin auch am Überlegen. Aber wie sieht es in Zukunft mit so einer Heizung aus?
25.1.2018 12:06
Die Zukunft sieht wohl nicht so gut aus. Allein die Wartungs- und Lieferkosten sind über den Zeitraum von 20 Jahren hoch. 
Hier mal ein kleiner Vergleich, wenn du möchtest kann ich dir die Exceltabelle auch schicken damit du selbst die Werte anpassen kannst Welche Heizung auch für die Zukunft?
25.1.2018 12:30
Bekannte haben auch einen gemieteten Flüssiggastank und sind jetzt auf Erdgas umgestiegen wegen des Preisvorteils. Flüssiggas ist ziemlich teuer.

@Pluverizer bei Erdwärme darfst ganz leicht auf JAZ 5,0 erhöhen, ohne WW wahrscheinlich sogar Richtung JAZ 5,5. Ansonsten schöne Aufstellung.

Edit: Habe gerade gesehen bei der Tabelle scheinen die CO2 Werte nicht zu stimmen? In der OIB Richtlinie 6 werden folgende Werte verwendet:

Strom 276 g/kWh
Erdgas 236 g/kWh
Heizöl 311 g/kWh
Biomasse 4 g/kWh

Macht dann für 2000kWh Strom bei der Wärmepumpe 0,55 to und nicht 1,2 to CO2

Erdgas 9000kWh bei 96% = 9375 kWh Gas macht 2,2 to CO2

Da sieht man schon wo die Reise hingeht wenn man sich auch nur ein bisschen für Umweltschutz und Nachhaltigkeit interessiert.

25.1.2018 12:50
@Executer  Danke, Werte wurden angepasst.  Habe die CO2 Werte nie hinterfragt, Tabelle ist ursprünglich nicht von mir
25.1.2018 13:09

Pellets bekommst für <200€/t und der JNG ist höher wenn die Heizung in der Gebäudehülle steht. (Abwärme bleibt im Haus)

Flüssiggas würde ich auf gar keinen Fall machen.
25.1.2018 16:06
Ich würde sagen: wenn es bei euch relativ einfach und ohne gröbere Mehrkosten machbar ist, dann EWP mit Flächen oder Ringgrabenkollektor. Tiefenbohrung rechnet sich meist nicht. Falls das bei euch wegen der Bodenbeschaffenheit oder der Zufahrt schwierig ist, dann eine LWP. Brauchen ca 100-150 Euro mehr Strom im Jahr, das Außenteil ist wenn es ein leises sein soll keine Schönheit und relaitv groß. Ist dafür einfacher herzustellen.

Stückholz und Pellets rechnen sich für Niedrigeenergie-Häuser kaum weil der Verbrauch so gering ist. Fernwärme ist sehr teuer.
Gas wäre mir wegen der Abhängigkeit vom Lieferanten und wegen der Gefahr eines Gasaustrittes zu unsicher.



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