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Heizungsüberlegungen für Altbau - WP mit HK? teilen

10.8.2026     4 Antworten    2 Autoren 4 2026-08-10T14:25:42+02:00
  •  JanRi
  •   Gold-Award
10.08.2026
4
Hallo in die Runde,
nach leider mal wieder längerer Forumabstinenz melde ich mich mal wieder mit einem Projekt, das dieses Mal in eine ganz andere Richtung geht als die letzten beiden.
Vielleicht erinnert sich jemand an das Haus, um das es im Thread https://www.energiesparhaus.at/forum-unbewohntes-haus-sinnvoll-heizen/83868 gegangen ist (Details folgen unten aber noch einmal). Die dort diskutierte Fernsteuerung der Heizung mittels Zigbee- und WLAN-Steckdosen über die Verfälschung des Autßentemperatursensors der uralten Heizung hat prima funktioniert, aber das ist natürlich kein Dauerzustand.
Um das Haus vermieten zu können (das ist der aktuelle Plan, eventuell gibt es in ferner Zukunft auch Eigennutzungspläne, die dann mit einer Komplettsanierung verbunden wären), braucht es eine neue Heizung und eine neue Warmwasserbereitung. Dazu bin ich aktuell am Ideensammeln, was zugleich auch der Grund dieses Threads ist.
Ausgangslage ist ein Haus von 1927, dessen Außenwände aus 12 cm Vollziegel + 6 cm Luft + 12 cm Vollziegel bestehen, die seit 1993 mit 6 cm Styropor außenseitig gedämmt sind. Die meisten Fenster sind moderne Doppelfenster aus den 90ern. Das Dach ist mit ca. 12 cm Mineralwolle gedämmt und die obere Geschossdecke mit Mineralwolle und Styropor in angemessenem Maß (das ist aber im Gegensatz zu den anderen Dingen leicht änderbar). Geheizt wird aktuell mit einem von 1993 stammenden Gaskessel (Gas-Spezialheizkessel G-124 LP Lower-Plus, Regelgeräz HS 3220, 20 kW), dessen Brenner bereits Risse hat und der laut Aussage der Wartungsfirma keine lange Zukunft mehr hat. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine wilde Mischung aus Heizkörpern, wobei es drei Kreise mit jeweils zwei oder drei aus DDR-Zeiten stammenden Plattenheizkörpern in Einrohrtechnik und einen Kreis mit modernen Standardheizkörpern aus den 90ern in Zweirohrtechnik gibt. Abgeglichen ist das in keiner Weise und es passt auch nicht zu den 20 kW des Brenners. Wenn das Haus eiskalt ist, dann läuft der Kessel ca. 20 Minuten, bis er die Abschalttemperatur laut Heizkurve (je nach AT AT [Außentemperatur] irgendwas um 50-70 Grad) erreicht hat. Er wird die Wärme also selbst bei voller Drehzahl der Heizkreispumpe nicht los.
Der Heizenergiebedarf lag in den letzten Jahren bei ca. 22000 kWh Gas, wobei es ordentliche Verluste durch schlecht gedämmte Leitungen im Keller und die Abstrahlungen des Kessels selbst (der eigentlich ungeheizte Keller ist gut warm) gibt. Von daher dürften es eher unter 20000 kWh für ca. 130 qm Wohnfläche sein und ich bin mir recht sicher, dass 10-12 kW Heizleistung mit Sicherheit ausreichen würden. Eine Heizkurve gibt es, aber sie ist eher auf „nachts abkühlen lassen und morgens schnell aufheizen“ ausgelegt. Einen Dauerbetrieb mit niedriger Temperatur lässt die aktuelle Regelung nicht zu bzw. das würde bei dem überdimensionierten Kessel zu noch heftigerem Kurztakten führen. Wenn ich mich recht entsinne, lag die Temperatur der HK aber auch im Winter so, dass man sie noch anfassen konnte (also eher unter 50 Grad).
Eine raumweise Heizlastberechnung gibt es natürlich nicht, aber das will ich demnächst raumweise selbst machen, um eine erste Abschätzung zu haben.
Warmwasser wird mit einem Gas-Durchlauferhitzer gemacht, der eigentlich prima funktioniert, aber das große Problem hat, dass die aus den 80ern stammenden Stahlleitungen zum großen Teil zugesetzt sind. Sprich, warmes Wasser kommt eher tröpfchenweise.
Was wir bislang überlegt haben: Solange nicht klar ist, ob, wann und wie es zu einer Eigennutzung kommt, wollen wir nicht an die thermische Hülle gehen (mit Ausnahme einiger offensichtlicher und leicht zu behebender Schwachstellen wie zwei Uraltfenstern und ein paar Wärmebrücken an den Rolladenkästen). Ebenso ist es keine Option, auf FBH FBH [Fußbodenheizung] umzubauen, da die Balkendecken kaum Aufbauhöhe bieten und statisch sicher auch nicht für schwere Aufbauen ausgelegt sind. Wand/Deckenheizungen wären theoretisch mit entsprechendem Aufwand machbar, nur halte ich es auch hier für sinnvoller, das in Zusammenhang mit den Umbauten für Eigennutzung anzugehen. Damit scheint es am sinnvollsten zu sein, bei Heizkörpern zu bleiben (nur eben andere, damit der VL VL [Vorlauf] runter kann).
Die Heizungsrohre bestehen zu 1/4 (Zweirohrkreis) aus Kupfer, während die anderen 3/4 aus DDR-Zeiten stammende Stahlrohre sind. Dementsprechend sieht auch das Heizungswasser aus, sprich, es ist tiefschwarz. Ich denke nicht, dass man das einem modernen Wärmeerzeuger zumuten kann, zumal die Einrohrheizung von der Abstimmung her eine Katastrophe ist. Von daher müsste man das neu bauen.
Was die Wärmequelle angeht, so bin ich (siehe Anlagen bei mir und bei meiner Schwester) von Erdwärme überzeugt, aber der eigentlich naheliegenden RGK RGK [Ringgrabenkollektor] ist hier eher keine Option, weil das Grundstück nicht umgegraben werden soll und zudem der Sandboden eine ziemliche Fläche für 10-12 kW erfordern würde. Außerdem ist unklar, ob das wegen eines nahen Wasserschutzgebietes und einer großen, durch das Grundstück verlaufenden Fernwasserleitung überhaupt genehmigungsfähig ist.
Von daher denke ich derzeit in zwei mögliche Richtungen:
1. Luft-WP mit Heizkörpern. Da die Rohre ohnehin zu 3/4 neu müssen, könnte man das so auslegen, dass man bei NAT auf 45 C maximalen VL VL [Vorlauf] kommt und somit halbwegs effizient arbeiten kann. Der Abstand zu den Nachbarn ist groß genug, so dass das kein Problem wäre. Spannende Frage wäre, ob man den weiterbenutzten Teil der Kupferrohre (dann mit neuen, größeren HK) so gespült bekommt, dass der Dreck rauskommt.
2. Splitklima zum Heizen. Das wäre die einfachste und billigste Lösung, dürfte aber gerade bei Vermietung ein großes Akzeptanzproblem haben, auch wenn die Kühlfunktion natürlich bei immer wärmer werdenden Sommern eine prima Sache wäre.
Bei Warmwasser bin ich ja bekanntlich ein großer Fan von Niedrigtemperaturauslegungen mit Friwa, aber auch das ist bei Vermietung vermutlich keine gute Idee, zumal es ja Vorschriften für die Temperaturen gibt. Von daher wäre die einfachste Idee hier ein elektrischer DLE, sofern man das noch genehmigt bekommt. Bei der Klima-Lösung wäre das sogar die einzige Option.  Die Warmwasserleitungen müssen in jedem Fall neu, da könnte man das um einen sinnvoll positionierten DLE herum planen.
Soviel erstmal von mir - es gibt natürlich noch hunderte weiterer Details, aber das Posting ist jetzt schon viel zu lang. Primär geht es mir um Anregungen, in welche Richtung man das am besten weiterdenkt - dabei helfen fremde Perspektiven ja ziemlich gut.
Was denkt ihr?
Viele Grüße,
Jan

  •  christoph1703
10.8.2026 11:56  (#1)
Wenn ihr schon groß umbaut (Stahlrohre raus und WW WW [Warmwasser] neu), würde ich trotzdem FBH FBH [Fußbodenheizung] in Erwägung ziehen. Im Trockenbau geht die schon mit geringen Aufbauhöhen und bringt kaum Last auf die Decken. Potenzielle Mieter freuen sich über die niedrigen Betriebskosten und ihr habt ein wartungsfreies und deppensicheres System.

DLE würde ich nicht machen, das wird ab 2027 ein riesiges No-Go.

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  •  JanRi
  •   Gold-Award
10.8.2026 12:17  (#2)
Hast du zu dem mit dem DLE ab 2027 einen Link? Ich hatte dazu noch nicht weiter geforscht... Standort ist allerdings nicht Österreich, sondern Brandenburg in DE.

FBH: Naja... dann müssten zumindest auch alle Innentüren neu und in den gefliesten Räumen (großes Bad und Eingangsveranda) die Fliesen neu. Mit wirklich niedrigen VL VL [Vorlauf]-Temperaturen wird man aber auch da nicht auskommen, weil die nötige Heizleistung bezogen auf die Fläche zu hoch ist und nur endlich Fußbodenfläche zur Verfügung steht. In unserem Neubau haben wir die ca 1,5 fache Wohnfläche bei halber NAT-Heizleistung, was also insgesamt einen Faktor drei ausmacht. Gut, da haben wir 29C bei NAT, aber für die dreifache Heizleistung pro Bodenfläche muss man sicher auch in Richtung 40 C gehen (mit den Nachteilen eines ziemlich warmen Fußbodens).

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  •  christoph1703
10.8.2026 14:07  (#3)

zitat..
JanRi schrieb: Hast du zu dem mit dem DLE ab 2027 einen Link? Ich hatte dazu noch nicht weiter geforscht... Standort ist allerdings nicht Österreich, sondern Brandenburg in DE.

Ah, das ist was anderes. In AT AT [Außentemperatur] kommt Leistungsmessung für alle. Dann ist ein DLE für die Dusche oder Badewanne eine Kostenfalle. DE wird da noch länger brauchen, aber irgendwann wird auch bei euch sowas kommen.


zitat..
JanRi schrieb: alle Innentüren neu und in den gefliesten Räumen (großes Bad und Eingangsveranda) die Fliesen neu

Innentüren könnten schon bleiben, die sind ja bei Trockenestrich nicht im Weg. Fliesen... ja. Was du beschrieben hast, hat für mich nach einem größeren Umbau geklungen, bei dem auch die Fliesen nicht unbedingt verschont werden.

Klar, ohne thermische Sanierung wird auch das nicht supereffizient. Aber eine neue Heizkörperinstallation würde ich nicht mehr machen (auch wenn ein Teil evtl weiterverwendet wird).


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  •  JanRi
  •   Gold-Award
10.8.2026 14:25  (#4)
Das mit der Leistungsmessung ist in der Tat ein wichtiges Argument. Da bin ich bei dir, dass das auch in DE sicher nicht mehr beliebig lange auf sich warten lässt. Zudem sind DLE relevanter Leistung genehmigungspflichtig, was auch noch ein wichtiger Punkt ist. An die Elektrik müssen wir leider schon wegen der WP WP [Wärmepumpe] ran, denn das Haus hat noch einen einphasigen Anschluss. Bis in den Keller liegen seit ca. 20 Jahren zwar drei Phasen, aber der HAK ist einphasis und der Zähler auch. Das muss dann vermutlich alles neu, weil halt auch alt und sicher nicht mehr den aktuellen TAB genügend. Einphasig halte ich bei einer 10-12 kW WP WP [Wärmepumpe] für kaum machbar, denn auch wenn es für den Kompressor alleine reichen würde, braucht das Haus ja auch noch was und den Heizstab sollte man bei einer LWWP LWWP [Luft-Wasser-Würmepumpe] auch nicht ignorieren für extrem kalte Tage.

Bezüglich neuer HK hast du natürlich auch nicht unrecht, denn ganz wenig Aufwand ist das nicht, aber FBH FBH [Fußbodenheizung] zieht natürlich sehr viel mit sich: Die Böden sind aktuell Holzdielen mit Auslegware oder irgendwelchem PVC-Zeugs drüber. Letzteres kann natürlich weg, aber Trockenestrich kann von der Höhe her eher nicht auf die Dielen, denn die Systeme, mit denen ich mich vor ein paar Jahren für unseren Dachboden auseinander gesetzt habe, sind wenigstens 3 cm hoch. Die Dielen müssten dann raus bzw. zerkleinert zwischen die Balken, was auch ein gigantischer Aufwand wäre. Zwischen den Balken ist irgendeine Schüttung aus dem Baujahr, also Schlacke oder ähnliches. An die Fliesen wollen wir eigentlich nicht ran.

Man könnte natürlich auch noch einen ganzen Schritt zurücktreten und überlegen, ob man einen Wärmeerzeuger findet, der mittels Wärmetauscher (zur Entkopplung von aktuellen System) mit den bestehenden HK + Verteilung arbeiten kann (eventuell mit Umbau auf Zweirohr). Das würde aber sehr viel höhere VL VL [Vorlauf]-Temperaturen bedeuten, als man sinnvollerweise mit einer WP WP [Wärmepumpe] fährt, was also Verbrennung bedeuten würde. Da Gas und Öl zukunftslos sind, bliebe dann nur Pellet. Da bin ich mir aber auch nicht sicher, ob man sich das antun will und wie lange man die Dinger noch betreiben darf, denn gerade der Feinstaubausstoß ist ja nicht ohne (und der Gestank auch nicht).

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