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Preiserhöhung 2 Wochen vor Baubeginn - Berufung auf ÖNorm B2111

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2.5. - 8.5.2021
11 Beiträge | 6 Autoren 11
Hallo,

wir haben im Herbst 2020 ein Regieangebot mit unserem Baumeister fixiert.
Nun hat er uns 2 Wochen vor Baubeginn unter Berufung der Preissteigerungen (teilw. 66%) vorgewarnt dass er uns diese weiterverrechnen/anpassen wird.
Gemäß Ö-Norm handelt es sich bei unseren Angeboten um freibleibend-veränderliche Preise, d.h. wir sind gezwungen die derzeitige Preisentwicklung an die Preise im Auftrags-LV anzupassen

Ist das so rechtlich gedeckt? Wir werden uns noch beim Konsumentschutz erkundigen.

 
 
2.5.2021 (#1)
sorry, hab nun mittlerweile diesen Thread gefunden: https://www.energiesparhaus.at/forum-preise-veraenderlich-im-sinne-der-oenorm/62589

Bin jedoch zwecks Regieangebot und der Steigerung in diesem halben Jahr noch nicht schlau geworden.
2.5.2021 (#2)


chwoff schrieb: Ist das so rechtlich gedeckt? Wir werden uns noch beim Konsumentschutz erkundigen.

Das kann man pauschal nicht beantworten. Was genau steht im Vertrag?

Grundsätzlich ist ein Kostenvoranschlag gegenüber Konsumenten verbindlich. Aber der Unternehmer kann auch einen unverbindlichen Kostenvoranschlag machen, wenn das explizit im KV steht (ob Verweis auf AGBs reicht, wo dann drin steht, dass alle KV unverbindlich, weiß ich nicht). Manchmal steht auch genauer drin, wie lange die Preise garantiert werden (bei uns waren das üblicherweise 30 Tage oder 60 Tage, wobei auch danach nie ein Unternehmer die Kosten erhöht hat, aber bei uns gab es auch nicht diese Preissteigerungen).
2.5.2021 (#3)
Bei uns steht:
"Preise freibleibend-veränderlich gemäß ÖNORM B2111."
kein Zeitraum.


2.5.2021 (#4)


chwoff schrieb: Bin jedoch zwecks Regieangebot und der Steigerung in diesem halben Jahr noch nicht schlau geworden.



chwoff schrieb: "Preise freibleibend-veränderlich gemäß ÖNORM B2111."



Aber genau das wurde ja eh in dem von dir verlinkten Thread diskutiert und von BAULEItEr erklärt:

https://www.energiesparhaus.at/forum-preise-veraenderlich-im-sinne-der-oenorm/62589_1#602435

Was genau ist dir nicht klar daran?
3.5.2021 (#5)
ok, dass heißt eine Erhöhung kann nur auf Basis des Index passieren und nicht 1:1 die Einkaufspreise weitergeben.
Wenn ich jetzt auf https://preisumrechnung.at/ ; 10/2020 (Unterschrift Angebot) mit 02/2021 (neuere Daten gibts noch nicht) vergleiche kommt noch keine Erhöhung raus.

Der Baumeister möchte uns bis mitte der Woche bescheid geben mit welcher Erhöhung wir rechnen müssen. Das kann er ja dann noch gar nicht sagen, oder?


3.5.2021 (#6)
Also, gehen wir mal zurück zu Deinem Ursprungspost.


chwoff schrieb: Ist das so rechtlich gedeckt? Wir werden uns noch beim Konsumentschutz erkundigen.

Wollt Ihr wirklich einen solchen Start? Auch wenn es eine Zeitverzögerung bedeutet, wäre eine neue Ausschreibung sinnvoll - sofern es eine entsprechende Ausstiegsklausel gibt.
Dann würde ich mit dem zweit- und Drittplatzierten aus der ersten Angebotsphase kontakt aufnehmen.

Wenn Euch der Baumeister so unter Druck setzt, ist das echt kein guter Start. Da hätte ICH persönlich kein Vertrauen mehr und Angst, dass er das wieder und wieder ausreizt. Am Ende ist der Preis viel höher als bei den Mitbewerbern.

Das ist mein Gedanke dazu.


3.5.2021 (#7)


goaspeda schrieb: bedeutet, wäre eine neue Ausschreibung sinnvoll - sofern es eine entsprechende Ausstiegsklausel gibt.

Naja, ist das sinnvoll? Dass die Preise merklich angezogen haben betrifft ja die ganze Branche. Und zusätzlich sind ja viele Firmen ausgelastet. Die Chance ist hoch, dass man kurzfristig nix besseres findet bzw. heuer nicht mehr zu bauen anfängt - was auch hohe Kosten verursachen kann.


chwoff schrieb: Der Baumeister möchte uns bis mitte der Woche bescheid geben mit welcher Erhöhung wir rechnen müssen. Das kann er ja dann noch gar nicht sagen, oder?

Normal nicht. Weil der Index ja immer erst verspätet angepasst wird. Also man müsste auf den aktuellen Index warten.

Wie BAULEItEr im anderen Thread geschrieben hat, ist Kommunikation hier sicher die erste Wahl. Auf die Norm hinweisen, die ja regelt, wie Preiserhöhungen weitergegeben werden können. Zeigen, dass man weiß welche Rechte man hier hat bzw. in welcher Art das Angebot bindend ist und nicht beliebig verändert werden kann. Umgekehrt gilt das natürlich auch: auf den Preis vom Herbst pochen wird nicht gehen. 

Was ich jetzt nicht machen würde: ein neues Angebot unterschreiben, falls er euch eins vorlegt. Ich glaube da würdet ihr schlechter aussteigen.

Und dann als letzten Ausweg der andere Tipp von BAULEItEr: 

"Sollte es Nachforderungen geben eventuell einen Sachverständigen für Verdingungswesen einschalten.
Der wird dann genau prüfen ob die Firma alles richtig verrechnet,"
3.5.2021 (#8)


chrismo schrieb: Naja, ist das sinnvoll? Dass die Preise merklich angezogen haben betrifft ja die ganze Branche. Und zusätzlich sind ja viele Firmen ausgelastet. Die Chance ist hoch, dass man kurzfristig nix besseres findet bzw. heuer nicht mehr zu bauen anfängt - was auch hohe Kosten verursachen kann.

Kommt darauf an, wie hoch die Erhöhung ausfällt. Ja, Unternehmer sollen von Ihrer Arbeit leben können. Es hilft ja niemanden, wenn man auf tiefere Preise beharrt und diese durchgedrückt bekommt (wie auch immer das möglich sein soll), und am Ende wird das Bauunternehmen insolvent. Das kanns auch nicht sein.
Im Gegenzug darf man sich aber auch nicht jede x-beliebige Preiserhöhung gefallen lassen.

In einem sind wir uns alle Einig: Man muss miteinander OFFEN sprechen. Und es scheint so zu sein, dass das in der heutigen Zeit immer mehr verlernt wird.

Mal sehen, was die Preissteigerung denn wirklich ausmacht....


3.5.2021 (#9)
Also ich würde auch mal offen reden, wir hatten auch gerade so eine Situation mit unserem Flachdach Spengler. Wir haben uns zusammen gesetzt und vereinbart das er das Styropor ohne Aufschlag an uns weiter gibt, was aber für uns halt einen "kleinen" Aufpreis bedeutet. 
Dafür gibt er auch die Steigerung bei Folie, Bitumen und Blech nicht an uns weiter. 

Ich verstehe, dass er nicht draufzahlen möchte und so war es für uns beide ok, eine 60% Preissteigerung hätte ich jedoch nicht akzeptiert. 
7.5.2021 (#10)
Hallo an die Vertragsprofis. Bei unserem Regieangebot das wir Ende letztes Jahr zugesagt haben steht als gesetzl. Grundlage die drzt. gültigen ÖNORMEN insb. B2110 ausgenommen Pkt. 6.5 Pkt. 8.72 und Pkt 8.73 drinnen. Ich möchte auch fragen, ob schon wer praktische Erfahrungen mit erhöhten Einzelpreisen gesammelt hat, die vom Regieangebot abweichen? Gibt es Tipps um die vereinbarten Herbstpreise noch zu bekommen. Soll ich handeln auf Teufel komm raus. Wie will man sonst noch eine geordnete Rechnungskontrolle betreiben? Was ist mein unterschriebenen Angebot noch wert? Ich freue mich über praktische Tipps. Stehen jetzt 2 Monate vor Baubeginn! Gespräch mit BM folgt noch. Der drohte schon mit Preiserhöhung von 7K weil ja alle Rahmenverträge von der Industrie aufgekündigt wurden und zur Zeit nur mehr auf Tagespreisbasis gearbeitet wird. Wie ist die drzt. Situation von denen die gerade Bauen?. LG
8.5.2021 22:17 (#11)


Kellerkind1 schrieb: Bei unserem Regieangebot das wir Ende letztes Jahr zugesagt haben steht als gesetzl. Grundlage die drzt. gültigen ÖNORMEN insb. B2110 ausgenommen Pkt. 6.5 Pkt. 8.72 und Pkt 8.73 drinnen.

Hat jetzt alles mal nichts mit der momentanen Preisentwicklung zu tun.
Hier geht es um Verzg Deckungsrücklas und Haftrücklas.


Kellerkind1 schrieb: Ich möchte auch fragen, ob schon wer praktische Erfahrungen mit erhöhten Einzelpreisen gesammelt hat, die vom Regieangebot abweichen?

So, jetzt mal ehrlich lasst euch nicht narrisch  machen.

Nehmt euch einen Taschenrechner und rechnets mal grob drüber.

Ich habe das vorige Woche bei einem 540.000 Euro EFH gemacht und bin auf 3,17 Prozent gekommen.

Hier wird in einigen Threats sehr viel Hysterie verbreitet, ich kann das nicht nachvollziehen.

Bei den "wesentlichen Positionen" gibt es keine untypischen Preissteigerungen.
(wesentliche Positionen = 30 Prozent der Positionen welche 70 Prozent der Auftragssumme ausmachen)

Ich könnte jetzt noch ewig schreiben um zu beruhigen, aber das wäre ein ganzes Stück Arbeit.
Sollte es Fragen geben gehe ich gerne darauf ein.


Kellerkind1 schrieb: Gespräch mit BM folgt noch. Der drohte schon mit Preiserhöhung von 7K weil ja alle Rahmenverträge von der Industrie aufgekündigt wurden und zur Zeit nur mehr auf Tagespreisbasis gearbeitet wird.

Ich weiß jetz nicht was dein Baumeister alles macht, aber wegen 7k brauchst jetzt net aus allen Wolken fallen.
Ich weiß schon ist net mein Geld aber wenn er mir zusichert dass er einmalig 7k verlangt und es dafür keine sonstigen Preiserhöhungen mehr gibt würd ich das annehmen und Schluss.



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