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Grundsatzdiskussion Wärme- und Energiewende

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  •  manuon
29.5.2026
4 Antworten | 4 Autoren 4
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Hallo zusammen,

ich muss das jetzt einfach mal loswerden und eine kleine Grundsatzdiskussion anstoßen. Erstmal vorab ein riesiges Dankeschön an diese Community! Ohne das geballte Wissen, die unzähligen Threads und weiteren Quellen hier hätte ich mein Projekt so nie durchziehen können. Wir wohnen nun knapp ein Jahr in unserem Haus und jede Sekunde die ich in diesem Forum verbracht habe hat sich ausgezahlt.

Ich habe (musste...) vieles in Eigenleistung geplant und umgesetzt. Hier kurz die Eckdaten zum Projekt:
 
  • Gebäude: EFH Neubau nach KfW40
  • Wohnfläche: 270 m²
  • Technik/Hydraulik: KWL, HRDS, Friwa, Flow30
  • Heizung: RGK mit Nibe Sole-WP
  • Strom: 32 kWp kWp [kWpeak, Spitzenleistung] PV-Anlage gepaart mit einem 30 kWh Speicher
 
Die Zahlen (Heizperiode 25/26): Wir haben das Haus diesen Winter noch ohne Außenputz bewohnt.
 
  • Gesamt-Heizenergie mit WW WW [Warmwasser] (thermisch): 10.447 kWh (WMZ der Nibe)
  • Netzbezug für Heizung: Exakt 505,4 kWh (Extern gemessen, Rest kam aus der PV)
  • Heizkosten: Bei meinem Stromtarif macht das 126,35 € fürs Heizen im Jahr.
 
Und jetzt kommt der Punkt, an dem mich alle zum Lügner erklären: Ich habe insgesamt knapp 700 € Stromkosten im Jahr für das gesamte Gebäude inkl. Elektromobilität meiner Familie. Obwohl wir hier im energetischen Überfluss leben, außer PV optimiertes Laden des Autos, gibts hier kein Energiesparen.

Dem gegenüber steht noch eine Einspeisevergütung von ca. 1.500 € pro Jahr.
Unterm Strich: Ich wohne warm, fahre Auto und bekomme dafür am Ende des Jahres noch 800 € raus.

Und die Gesellschaft streitet noch drum, Gas- und Ölheizungen einbauen zu dürfen – HÄ?!

Da läuft doch in diesem Land irgendwas gewaltig schief. Auf der einen Seite werden Wärmepumpen in Bestandsgebäuden für 50.000 € eingebaut, wahnsinnig komplex und trotzdem keine Hydraulik oder Dämmung angepasst und das wird dann auch noch vom Staat gefördert?

Für eine Summe in der Größenordnung habe ich hier die komplette Installation von Heizung und PV+Speicher umgesetzt!

Und diese durch falsche Anreize überteuerten und lieblos eingebauten 15kW Wärmepumpen ballern dann am Ende 8.000 kWh Netzstrom pro Jahr durch. Da ärgern sich die Besitzer natürlich und das Vertrauen in die WP WP [Wärmepumpe] sinkt - Weil der Nachbar zahlt 3600€ Strom im Jahr wegen der Wärmpeumpe, da kommt dann lieber der Heizöllaster! 

Wo liegt eigentlich das Problem? Warum setzt sich ein wirklich durchdachtes Konzept wie der RGK RGK [Ringgrabenkollektor] oder Flow30 in Verbindung mit PV nicht rasend schnell flächendeckend durch? Günstige Hydraulik, einfach umzusetzen, simpel.

Als ich das alles geplant und gebaut habe, musste ich mir von allen Seiten anhören, dass ich völlig verrückt sei.
 
  • Heizungsbauer: "Das funktioniert so niemals, die Bude bleibt im Winter kalt!", "Wie? Verschiedene Verlegeabstände in der FBH FBH [Fußbodenheizung] pro Raum? Wir machen immer 15cm!", "Wandheizung? Geht nicht!" - die haben alle abgewunken als die meine eigene raumweise Heizlastberechnung gesehen und Flow30 gehört haben...

  • Rohbauer: "Wie das muss luftdicht sein, die Wände müssen atmen sonst schimmelts!", "Haben wir nochnie so gemacht!", "Wozu eine thermische Trennung? Da ist doch sowieso EPS unter dem Estrich", "So eine dicke Kellerdämmung geht nicht".
  • Das Umfeld: Schornsteinfeger, (Schwieger-)Eltern, Freunde und angebliche "Bauexperten" haben mich belächelt oder für komplett naiv erklärt. "Baut bitte einen Notkamin ein, das Haus bekommt ihr niemals warm!"..

    und so weiter...
 
Es gehört einiges an Mut dazu, alle Tipps hier aus dem Forum bei einem Neubau als Laie und Neuling durchzuziehen wenn einem JEDER (tatsächlich gab es bei mir keine einzige Ausnahme) dagegen argumentiert.

Und - wenn es wirklich schief geht - mehrere 10k€ in den Sand gesetzt wären.

Es gab Tage da habe ich gezweifelt und hätte mich beinahe von der Vision abbringen lassen. Zum Glück hielt ich durch. Heute weiß ich, selbst wenn das ein oder andere nicht in absoluter Energieeffizienz-Perfektion durchgezogen werden konnte - am Ende kommt ein offensichtlich taugliches System bei raus welches wohl sparsammer ist als bei den meisten.   

Die Leute tanken alle fleißig weiter für 2.000 € im Jahr Heizöl und zahlen nochmal denselben Betrag für ihren Haushaltsstrom und beschweren Sich über teueres Benzin/Diesel.
Wenn ich meine Zahlen auf den Tisch lege, glaubt mir schlichtweg keiner.
"Das würde ja dann jeder so machen?!" hab ich schon oft gehört. 

Wie kann es da heute noch Zweifler geben? Wie kann es sein, dass noch Holz, Gas oder Ölheizungen in NEUBAUTEN eingebaut werden? Alle meine Bekannten im Umfeld, die sich gerade im Bau, der Renovierung oder der Planung befinden, lassen sich nicht überzeugen. Da baut jeder ohne KWL KWL [Kontrollierte Wohnraumlüftung] und mit Kamin. Die werden von Ihren Planern und Firmen auch explizit dahingehend beraten. KWL "ist eine Keimschleuder" und die Leute "Vertragen das nicht", "die Rohre verschimmeln", "Ist wie bei der Klimaanlage". PV "machen wir irgendwann mal", "mehr als 5kWp lohnt sich nicht". Ich dreh noch durch :D   

Solche realen Praxisbeispiele wie meines existieren hier ja zuhauf. Jemand wie Arne müsste doch eigentlich zur Prime-Time groß im TV ausgestrahlt werden oder die Politik beraten, um diesen ganzen Stammtisch-Mythen mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. 

Es müsste doch massig Firmen geben die sich da drauf spezialisieren und für sowas massiv Werbung machen. Im Prinzieb ist das ja alles kein Hexenwerk. Aber ich sehe nix in diese Richtung?  

Wie sind eure Erfahrungen da draußen? Rennt ihr bei Bekannten und Handwerkern auch gegen Wände?

Wo soll das noch hinführen frage ich mich?

Bin gespannt auf eure Meinungen!

Viele Grüße

  •  christoph1703
29.5.2026 11:27  (#1)
Ich glaub man kanns runterbrechen auf: Planung kostet Geld, und zwar jetzt. Die Ersparnis ist abstrakt, liegt in der Zukunft, und ist nicht exakt vorhersehbar.

Und Angst vor Neuem ist sicher auch ein Faktor. Das Haus von meinen Eltern ist nicht luftdicht, nicht gedämmt, wird mit Gas geheizt, und sie leben trotzdem gut darin. Warum von altbewährtem abweichen? (Nicht meine Meinung, falls das nicht klar ist)

Handwerker haben auch nichts davon, was neues auszuprobieren. Im Fall einer knapp dimensionierten WP WP [Wärmepumpe] schießt sich der Insti sogar doppelt ins Bein: Haus wird evtl nicht warm genug und die WP WP [Wärmepumpe] lebt potenziell doppelt so lang.

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  •  thohem
29.5.2026 13:01  (#2)
Ich kann's aus Sanierungssicht sagen: hier "rechnet" (im Sinne einer wirtschaftlichen Rechnung) es sich halt einfach nicht. 

Bei uns war die thermische Sanierung (Fenster, Fassade, Dachboden, Kellerdecke, WP) ohne Förderung um die 120k. Vorbesitzer hat um die 5k in Gas verbrannt.....das sind halt viele viele Jahre. Mit der großzügigen Förderung bei uns wurden halt ~15k daraus und damit rentiert sich das halt viel viel schneller.

Wir hätten so oder so saniert, aber für viele (grade in der heutigen Zeit) ist's halt eine Kosten-Nutzen Rechnung.

Für Neubauten sollten mMn so oder so gewisse Vorgaben gelten (mind. HWB, keine Verbrenner Heizung usw)

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  •  pred
  •   Bronze-Award
29.5.2026 15:19  (#3)
Zusammenfassung: wenn ich eine Million für ein neues Haus ausgebe habe ich anschließend niedrige Betriebskosten? ;)
Das klingt ähnlich wie die Kommentare zu den neu gekaufen / geleasten Autos und dann die ersten Jahre keine Wartungskosten und keine Betriebskosten weil der Strom ja gratis vom Dach kommt. Die ganzen Investitionskosten blendet man halt gerne mal aus.
Neues Haus / Auto kann sich nun nicht jeder leisten und so muss man aus meiner Sicht aus beste / effizienteste aus der jeweiligen Situation machen. 

Ich kann allerdings die ganzen negativen Erfahrungen mit Firmen z.B. Installateueren nicht nachvollziehen.
Hab die letzten 15 Jahre 3 mal mit unterschiedlichen Installateuren zu tun und jedesmal wurde es genauso umgesetzt wie der Wunsch / "Vorgabe" meinerseits war. Ob vor 15 Jahren die nur 5kW LWP LWP [Luftwärmepumpe], vor knapp 10 Jahren der selbst gerechnete Erdwärmekollektor oder letztes Jahr im Altbau die Erdwärmepumpe an der selbst geplanten Tiefenbohrung mit Heizkörpern und 500l Puffer zur Rücklaufanhebung via anderer Wärmequelle.

Aus meiner Sicht müssten sich die Bauherren/innen damit mehr beschäftigen und den Firmen dann halt klar kommunizieren was sie sich vorstellen. Nur viele wollen das halt nicht und verlassen sich auf die Firmen die dann die standard Lösung umsetzen...




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Hallo manuon,
hier gibt es dazu Erfahrungen und Preise: Grundsatzdiskussion Wärme- und Energiewende



  •  Akani
29.5.2026 16:21  (#4)
Ist bei uns in D Gesetzlich festgelegt.
Kein Öl in Neubauten. 
Konventionelle Energie muss mit 65% regenerativ abgedeckt werden im Neubau also WP WP [Wärmepumpe] ist da fast Pflicht.
Ist aber bei Sanierung an Häusern das gleiche viele bleiben bei Öl und Gas weils schlichtweg von den sogenannten Profis nicht kommuniziert wird.
Warum auch sollte ein HB zum Kunden sagen der ne neue Heizung will, mach erst dein Gebäude auf einen besseren Standard und leg darauf die Heizung aus. Nein, lieber jetz die größere verkauft und verbaut, bringt mehr Geld.
Und die Unwissenheit der Leute, falsche Gesetzgebung und fehlinformationen aus jeder Ecke. 
Also bleibt dabei, des ha mer scho immer so gemacht.
Hier baut auch jeder mit 42er Ziegel, keine KWL KWL [Kontrollierte Wohnraumlüftung], keine BKT, kein flow30, keine zusätzlichen Heizfkächen in Bädern oder fehlender Heizlast in Räumen. ERR, usw........
Ma redet und erklärt sich gegen Windmühlen und Wände

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