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Einschätzung Temperaturfaktor und Taupunkt

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  •  Informatiker
  •   Bronze-Award
9.1. - 10.1.2026
5 Antworten | 3 Autoren 5
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Hallo zusammen,
da in Wien gerade der Winter eingebrochen ist, nutze ich die Gunst der Stunde, um die thermische Qualität meines Neubaus (CLT-Massivholzhaus mit 12 cm Zellulosedämmung und 6 cm EPS-Fensterumrahmung) unter die Lupe zu nehmen.
Bei einer Außentemperatur von -3 °C und einer Raumtemperatur von 19,5 °C (48 % relative Luftfeuchtigkeit) habe ich an den kältesten Stellen der Fensterlaibung und Fensterrahmen eine Oberflächentemperatur von ca. 13 °C gemessen.
Daraus ergeben sich für mich folgende Werte:
  • Taupunkt: 8,2 °C (bei diesen Bedingungen)
  • Temperaturfaktor (fRSI​): 0,711
Da ich als neugieriger Häuslbauer die bauphysikalische Langzeitstabilität meines Hauses sicherstellen möchte, bereitet mir der Wert von 0,71 etwas Kopfzerbrechen. Nach meinem Verständnis liegt dieser sehr knapp beim Grenzwert von 0,70, der oft zur Schimmelvermeidung herangezogen wird, lässt aber wenig Spielraum.

Wobei mir bzgl. dieses Temperaturfaktors, dies meine Info bisher ist: https://silberkraft.com/blogs/schimmel/frsi-rechner-schimmel-faktor-online-berechnen

Meine Fragen an die Experten:
  • Sind diese Werte für eine Kunststoff-Fensterkonstruktion in einem CLT-Bau bei diesen Außentemperaturen im Rahmen oder deutet das auf einen Mangel beim Einbau hin?
  • Wie bewertet ihr den fRSI​ von 0,71 in Hinblick auf die ÖNORM B 8110-2?
  • Was sind so eure Erfahrungen/Werte bei euren Fensternrahmen/Laibungen bei Minusgraden?

Beste Antwort  [im Thread anzeigen]

zitat..
Informatiker schrieb: laut Vaillant Therme,

Verwenden kleine Thermometer/ Hygrometer. Mir wurden Geräte von TFA (MOX) empfohlen. Die kosten nicht viel und zeigen reltiv genau an. Eine Option wäre noch Netatmo, aber die Kosten richtig Geld; sind es aber auch wert.

zitat..
Informatiker schrieb: Sind die ca. 14 °C an der Oberfläche(am unteren Rahmen der Fenster) bei diesen Bedingungen im grünen Bereich oder deutet das auf Schwachstellen beim Einbau hin?

Ja, das sind plausible Werte und du bist da im grünen Bereich.

 

zitat..
Informatiker schrieb: Zur Belüftung werde ich die Fenster und 2x Pendellüfter verwenden.

Schau mal bei Hautau nach. Da gibt es sehr gute Lüfter mit Wärmerückgewinnung, die im Sommer auch zur Nachtabsenkung genutzt werden können. Das solltest aber gut.
Bei Pendellüfter gibt es gute Geräte von Getair.


 

zitat..
Informatiker schrieb: Meine Vermutung wäre ja ein kleiner Hohlraum unter dem äußeren Fensterbrett wo kalte Luft leicht zum unteren Rahmen ziehen kann....

Wenn der Bauanachluss richtig geplant und ausgeführt wurde, hast du raumseitig eine umlaufende luftdichte Ebene. Da gibt es keine Luftströmung.
Aber schau dir mit einem IR-Thermometer oder noch besser mit einer Thermografiekammera die Ecke genauer an. Da wirst dunfeststellen, dass es in der Ecke ( Übergangsbereich Fensterrahmen, Fensterbank, Laibung) am kältesten ist.
Das ist der tote Winkel. Hier gibt es keine Warmluftströmungmung und deswegen ist es hier am kältesten.



Ist eventuell auftretendes Kondenswasser(aufgrund der niedrigen OF-Temperatur und der Unterschreitung des Taupunkts) an den Fenstern primär als hygienisches Problem (Oberflächenschimmel) zu betrachten, das sich durch einfache Reinigung rückstandslos entfernen lässt? (oder liege ich mit dieser Vermutung falsch?)

Staufeuchte über Nacht ist kein Problem, sofern diese am Morgen aufgetrocknet wird. Staufeuchte über einen längeren Zeitraum in Kombination mit Tempertur und Nährboden für Schimmelsporen wird zum Problem.
Beim Fenster ist das Problem mit dem Schimmel gleich wie bei der Silikonfuge in der Dusche oder Badewanne.
Das ist deffinitiv ein hygienisches Problem, welches durch den Nutzer verursacht worden ist. Als Nutzer will man das aber meist nicht wahrhaben und sucht die Gründe wo anders.
;
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  •  Gast-Karl
  •   Gold-Award
10.1.2026 11:03  (#1)

zitat..
Sind diese Werte für eine Kunststoff-Fensterkonstruktion in einem CLT-Bau bei diesen Außentemperaturen im Rahmen

Hängt vom Fenster ab (Ug, Uf, Uw, G-Wert...). Um welche Fenster handelt es sich?
Meine Werte habe ich kürzlich gepostet:
https://www.energiesparhaus.at/forum-3fach-verglasung-kondensat-innen/84493_1#910244


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  •  Squawvally
  •   Gold-Award
10.1.2026 14:02  (#2)

zitat..
Was sind so eure Erfahrungen/Werte bei euren Fensternrahmen/Laibungen bei Minusgraden?

Dieses Thema ist sehr komplex und du wirst hier im Forum viel lesen können. Ich kann dir nur meine Langzeiterfahrung schildern.

Ausgangsbasis für den Hausbau ist die richtige Planung und der Energieausweis. Bei der Planung wird unter Berücksichtigung auf das normative Raumklima (ÖNORM B 8110-2 und 5) so geplant, dass es zu keinem Tauwasserausfall im Bauteil kommt. Sollte dennoch kurzfristig zu einem Tauwasserausfall kommen, muss sichergestellt sein, dass das Kondensat abtrocknen kann. Dafür gibt es Berechnungsprogramme.

Im Energieauweis wird der hygienisch notwendige Luftwechsel bei Normraumklima geplant (8120-2 und 5). Auf der zweiten Seite rechts oben steht auch die Art der Lüftung.
Und hier fängt die Missere dann an. Hand aufs Herz. Wer schaut sich den Energieausweis genau an bzw. lässt ihn sich erklären?
Mit der Art der Lüftung lege ich als Nutzer fest, wie ich lüften werde. Bei der Fensterlüftung bedeutet dies eine vollständige Raumlüftung alle 3,5 Stunden. Halte ich dies als Nutzer nicht ein (ist ja auch schwer möglich) steigt im Raum die rel. Luftfeuchte und der Dampfdruck. So lange die Oberflächentemperaturen über dem Taupunkt liegen gibt es kein Problem. Aber sobald diese unter dem Taupunkt liegen gibt es Kondensat.

Das wäre jetzt auch kein Problem, wenn die Staufeuchte immer aufgetrocknet wird. Erfolgt dies nicht, kommt es dann zwangsläufig zum Schimmel.

Für deine Situation würde ich eine Anhebung der Raumtemperatur empfehlen. Damit hast du auch höhere Oberflächentemperaturen.
Da du den Taupunkt berechnen kannst, bist du auch klar im Vorteil. Du machst ja schon das Raumklimamonitoring ( ÖNORM 8110-2, BL 4) und kann somit schon rechtzeitig erkennen, wann du lüften musst. Somit sollte es bei dir keinen Tauwasserausfall geben.

Falls du auf 2 Ebenen lebst, kontrollier das Raumklima in der obersten Ebene etwas genauer. Du wirst feststellen, dass dieses im obersten Geschoß in Bezug auf den Taupunkt ungünstiger ist. Du kannst aber mit bedarfsgerechter Fensterlüftung sehr gut entgegen wirken.

Ich hatte jetzt bei -18* in der Laibung (toter Winkel; unterste Ecke in der Laibung) eine Lufttemperatur von 19,3*. Die Raumtemperatur liegt bei 22*. Die Oberflächentemperatur lag bei 11,4*. Das Ganze bei einem 50er Ziegel mit äußerer Laibungsdämmung (30mm).
Habe es mir auch mit einer Therografiekamera angesehen.


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  •  Informatiker
  •   Bronze-Award
10.1.2026 17:26  (#3)

Es ist ein 10cm CLT-Holzhaus mit 12 cm Zellulose und 6 cm Holzweichfaserplatten-Dämmung (Kleingartenwohnhaus daher dieser schlanke Wandaufbau, es sind nur 50m2 Grundfläche erlaubt, und die Wände sind ja schön warm;)). Da die Böden noch fehlen, ist es aktuell noch unbewohnt.

Als Fenster sind Kunststofffenster verbaut mit folgenden Werten:


_aktuell/2026011019202.png

Zur Belüftung werde ich die Fenster und 2x Pendellüfter verwenden. (Die Lüfter sind noch nicht fertig montiert und laufen noch nicht, sollten später via Home Assistant + Sensoren für Temp./Feuchtigkeit/CO2 gesteuert werden um möglichst leise und effektiv auf der jeweiligen Stufe bei Bedarf zu laufen (so der Plan))

Hier die Messung von heute Morgen(ohne Lüften) bei -3 °C Außentemperatur:
  • Raumklima (laut Vaillant Therme, gemessen Haus EG mitte): 22,5 °C bei 47 % rel. Luftfeuchtigkeit. 

Werte beim Fenster (OG, unterer Fensterrahmen):
  • Lufttemperatur direkt beim Rahmen: 19,9 °C
  • Rel. Feuchtigkeit beim Rahmen: 52 % (entspricht einem Taupunkt von ca. 9,75 °C)
  • Oberflächentemperatur am unteren Rahmen: ab 13,7 °C (niedrigster gemessener Wert via Infrarot-Thermometer)

    Die anderen Fenster haben ähnliche Werte...

    Sind die ca. 14 °C an der Oberfläche(am unteren Rahmen der Fenster) bei diesen Bedingungen im grünen Bereich oder deutet das auf Schwachstellen beim Einbau hin?

    Meine Vermutung wäre ja ein kleiner Hohlraum unter dem äußeren Fensterbrett wo kalte Luft leicht zum unteren Rahmen ziehen kann....

Ist eventuell auftretendes Kondenswasser(aufgrund der niedrigen OF-Temperatur und der Unterschreitung des Taupunkts) an den Fenstern primär als hygienisches Problem (Oberflächenschimmel) zu betrachten, das sich durch einfache Reinigung rückstandslos entfernen lässt? (oder liege ich mit dieser Vermutung falsch?)

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  •  Squawvally
  •   Gold-Award
10.1.2026 18:23  (#4)

zitat..
Informatiker schrieb: laut Vaillant Therme,

Verwenden kleine Thermometer/ Hygrometer. Mir wurden Geräte von TFA (MOX) empfohlen. Die kosten nicht viel und zeigen reltiv genau an. Eine Option wäre noch Netatmo, aber die Kosten richtig Geld; sind es aber auch wert.

zitat..
Informatiker schrieb: Sind die ca. 14 °C an der Oberfläche(am unteren Rahmen der Fenster) bei diesen Bedingungen im grünen Bereich oder deutet das auf Schwachstellen beim Einbau hin?

Ja, das sind plausible Werte und du bist da im grünen Bereich.

 

zitat..
Informatiker schrieb: Zur Belüftung werde ich die Fenster und 2x Pendellüfter verwenden.

Schau mal bei Hautau nach. Da gibt es sehr gute Lüfter mit Wärmerückgewinnung, die im Sommer auch zur Nachtabsenkung genutzt werden können. Das solltest aber gut.
Bei Pendellüfter gibt es gute Geräte von Getair.


 

zitat..
Informatiker schrieb: Meine Vermutung wäre ja ein kleiner Hohlraum unter dem äußeren Fensterbrett wo kalte Luft leicht zum unteren Rahmen ziehen kann....

Wenn der Bauanachluss richtig geplant und ausgeführt wurde, hast du raumseitig eine umlaufende luftdichte Ebene. Da gibt es keine Luftströmung.
Aber schau dir mit einem IR-Thermometer oder noch besser mit einer Thermografiekammera die Ecke genauer an. Da wirst dunfeststellen, dass es in der Ecke ( Übergangsbereich Fensterrahmen, Fensterbank, Laibung) am kältesten ist.
Das ist der tote Winkel. Hier gibt es keine Warmluftströmungmung und deswegen ist es hier am kältesten.



Ist eventuell auftretendes Kondenswasser(aufgrund der niedrigen OF-Temperatur und der Unterschreitung des Taupunkts) an den Fenstern primär als hygienisches Problem (Oberflächenschimmel) zu betrachten, das sich durch einfache Reinigung rückstandslos entfernen lässt? (oder liege ich mit dieser Vermutung falsch?)

Staufeuchte über Nacht ist kein Problem, sofern diese am Morgen aufgetrocknet wird. Staufeuchte über einen längeren Zeitraum in Kombination mit Tempertur und Nährboden für Schimmelsporen wird zum Problem.
Beim Fenster ist das Problem mit dem Schimmel gleich wie bei der Silikonfuge in der Dusche oder Badewanne.
Das ist deffinitiv ein hygienisches Problem, welches durch den Nutzer verursacht worden ist. Als Nutzer will man das aber meist nicht wahrhaben und sucht die Gründe wo anders.

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  •  Informatiker
  •   Bronze-Award
10.1.2026 18:35  (#5)
Gut zu wissen, dass die 14 °C OF-Temperatur am Fenster bei den Minusgraden(-3 Grad Außen) und einer Lufttemperatur von 19,9 Grad vor dem Fensterrahmen unten passen und bauphysikalisch alles im Lot ist.

Das nimmt mir einiges an Sorgen! Danke

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so tief in diese Materie eintauche – meine Frau hofft schon, dass die ‚Obsession Hausbau‘ bald wieder von normaleren Themen abgelöst wird. 🤣

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