Werkzeug beim Hausbau: kaufen, mieten oder später vermieten?

Wer beim Hausbau oder bei einer Sanierung selbst mitarbeitet, kann einen beträchtlichen Teil der Arbeitskosten sparen. Ganz ohne zusätzliche Ausgaben funktioniert Eigenleistung allerdings nicht: Spätestens wenn Mauernutfräse, Rotationslaser, Kernbohrgerät oder Bautrockner benötigt werden, wächst auch das Werkzeugbudget.

Bei Standardwerkzeug ist die Entscheidung meist einfach. Akkuschrauber, Bohrhammer oder eine gute Wasserwaage werden während und nach der Bauphase regelmäßig gebraucht.

Anders sieht es bei Spezialwerkzeug und größeren Baugeräten aus. Sie sind oft teuer, sperrig und nur für wenige Arbeitsschritte notwendig. Dann stellt sich die Frage: kaufen, mieten oder anschaffen und später selbst vermieten?

Werkzeugkosten von Beginn an mitplanen

Werkzeug wird im Baubudget gerne unter „Kleinkram“ eingeordnet. In der Summe kann daraus allerdings ein überraschend großer Betrag werden.

Auch energiesparhaus.at weist bei den versteckten Zusatzkosten eines Hausbaus darauf hin, dass sich Elektrowerkzeug, Leitern, Kleingerüste, Anhänger und laufend benötigtes Kleinmaterial schnell summieren. Hinzu kommen Fahrten zum Baumarkt, Verbrauchsmaterial und Geräte, die kurzfristig doch noch benötigt werden.

Vor einer Anschaffung sollten daher nicht nur die Preise im Baumarkt verglichen werden. Entscheidend sind auch:

Gerade der Zeitfaktor wird häufig unterschätzt. Wenn eine Arbeit wetterbedingt verschoben wird oder ein vorheriges Gewerk länger braucht, kann aus einem Miettag schnell eine ganze Woche werden.

Umgekehrt lohnt es sich kaum, eine teure Maschine zu kaufen, die nach drei Stunden Arbeit für Jahre im Keller verschwindet.

Wann sich der Kauf von Werkzeug lohnt

Werkzeug zu kaufen ist nicht grundsätzlich unwirtschaftlich. Auf einer Baustelle kann die jederzeitige Verfügbarkeit sogar wichtiger sein als der niedrigste rechnerische Preis.

Ein Kauf bietet sich vor allem an, wenn das Gerät:

Typische Beispiele sind Akkuschrauber, Bohrhammer, Handkreissäge, Winkelschleifer, Baustellensauger und grundlegende Messgeräte. Auch bei Geräten, deren Verwendung erst nach und nach gelernt wird, kann Zeitdruck durch eine kurze Mietdauer unangenehm sein.

Der günstigste Kauf ist allerdings nicht automatisch der wirtschaftlichste. Ein schwaches Gerät, das die Arbeit unnötig erschwert oder mitten im Projekt ausfällt, kostet neben Geld auch Zeit und Nerven.

Die Community auf energiesparhaus.at beschäftigt sich deshalb regelmäßig sehr detailliert mit der richtigen Qualität. Bei einer Kaufberatung für einen Rotationslaser landete ein Nutzer beispielsweise inklusive Empfänger, Stativ und Messlatte bei knapp 1.000 Euro. Das ist eine beträchtliche Anschaffung, kann bei häufigem Einsatz aber trotzdem sinnvoll sein.

Wann Mieten die bessere Lösung ist

Mieten ist besonders interessant, wenn hochwertiges Spezialwerkzeug nur für einen klar begrenzten Arbeitsschritt benötigt wird. Man bezahlt für die tatsächliche Nutzung und muss sich danach weder um Lagerplatz noch um einen späteren Verkauf kümmern.

Dafür kommen beispielsweise infrage:

Vor der Buchung sollte möglichst realistisch abgeschätzt werden, wie lange das Gerät tatsächlich gebraucht wird. Ein knapp kalkulierter Mietzeitraum kann teuer werden, wenn Material fehlt, Helfer ausfallen oder ein Arbeitsschritt länger dauert als erwartet.

Auch die Entfernung spielt eine Rolle. Zwei längere Fahrten für Abholung und Rückgabe können einen zunächst günstigen Mietpreis deutlich weniger attraktiv machen.

Zu klären ist außerdem, welches Zubehör enthalten ist. Bohrer, Trennscheiben, Sägeblätter, Schläuche oder passende Adapter sind nicht bei jedem Mietgerät automatisch dabei.

Kaufen und nach dem Hausbau weitervermieten

Zwischen Kaufen und Mieten gibt es eine dritte Möglichkeit: Ein Gerät wird für die eigene Baustelle angeschafft und anschließend anderen Bauherren gegen Entgelt zur Verfügung gestellt.

Das ist vor allem bei Werkzeug interessant, das während eines längeren Projekts immer wieder gebraucht wird, nach Abschluss der Arbeiten aber weitgehend ungenutzt bleibt. So bleibt das Gerät während der Bauphase jederzeit verfügbar, ohne anschließend dauerhaft totes Kapital zu sein.

Geeignet sind beispielsweise:

Wie gut dieses Modell zur Realität vieler Bauherren passt, zeigt ein Beitrag im ESH-Forum: Ein Nutzer suchte eine Mauernutfräse und einen Industriestaubsauger zum Mieten oder Ausleihen. Darauf meldeten sich unter anderem Personen, deren Geräte nach der eigenen Sanierung ohnehin nur noch herumstanden.

Genau dort entsteht eine sinnvolle lokale Nutzungskette. Der eine benötigt das Gerät nur für wenige Tage, während der andere seine Anschaffung nach Abschluss des eigenen Projekts zumindest teilweise refinanzieren kann.

Kaufen oder mieten: eine einfache Entscheidungshilfe

Ausgangssituation

Meist sinnvolle Lösung

Das Werkzeug wird häufig und auch später gebraucht

Kaufen und behalten

Das Gerät ist teuer und nur kurz notwendig

Mieten

Das Werkzeug wird während des Baus regelmäßig, danach aber selten gebraucht

Kaufen und später vermieten

Transport, Wartung oder Lagerung sind sehr aufwendig

Mieten

Das Gerät muss spontan und ohne Zeitdruck verfügbar sein

Kaufen

Die fachgerechte Bedienung ist nicht sichergestellt

Fachbetrieb beauftragen

Diese Einteilung ist keine starre Regel. Ein günstiges Mietangebot in unmittelbarer Nähe kann die Rechnung genauso verändern wie eine lange Bauphase oder ein Gerät mit besonders gutem Wiederverkaufswert.

Die Kosten realistisch vergleichen

Für einen ehrlichen Vergleich reicht es nicht, nur Kaufpreis und Tagesmiete gegenüberzustellen. Beim Kauf sollte mit den tatsächlichen Nutzungskosten gerechnet werden:

Kaufpreis minus erwarteter Restwert, zuzüglich Wartung, Verschleiß und Lagerung.

Wird das Gerät später vermietet, können die erzielten Einnahmen ebenfalls berücksichtigt werden. Sie sind allerdings nicht garantiert und verursachen einen gewissen Aufwand.

Angenommen, ein Gerät kostet 1.000 Euro und kann nach dem eigenen Projekt noch um 600 Euro verkauft werden. Die effektiven Anschaffungskosten liegen dann zunächst bei 400 Euro, sofern keine größeren Reparaturen oder zusätzlichen Kosten anfallen.

Wird das Gerät stattdessen einige Male vermietet, kann sich dieser Betrag weiter reduzieren. Dafür müssen Nachfrage, Standort und Mietpreis passen – und natürlich muss die Maschine weiterhin in gutem Zustand sein.

Bei Mietgeräten ergibt sich die Rechnung aus Tages- oder Wochenpreis, Transportkosten, möglicher Kaution und der realistischen Mietdauer. Wer ein Gerät mehrfach zurückgeben und erneut abholen muss, sollte auch den eigenen Zeitaufwand berücksichtigen.

Was passiert nach Abschluss der Baustelle?

Während der Bauphase wirkt fast jedes Werkzeug unverzichtbar. Nach dem Einzug sieht die Situation häufig anders aus.

Die Mauernutfräse wird wahrscheinlich nicht mehr gebraucht, der Betonmischer nimmt Platz weg und der Rotationslaser wartet auf ein Projekt, das vielleicht erst in einigen Jahren kommt. Dann bleiben grundsätzlich drei Möglichkeiten: behalten, verkaufen oder vermieten.

Ein Verkauf schafft Platz und bringt sofort einen Teil des Kaufpreises zurück. Allerdings muss ein Käufer gefunden und häufig ein deutlicher Preisabschlag akzeptiert werden.

Beim Vermieten bleibt das Gerät im eigenen Besitz und kann bei späterem Bedarf weiterhin verwendet werden. Gleichzeitig lässt es sich anderen Personen aus der Umgebung zur Verfügung stellen, Win-Win.

Auf dem österreichischen Mietmarktplatz shareonimo.at beispielsweise, können Privatpersonen ihre Geräte im Bereich für Werkzeug und Bau inserieren und an andre vermieten. Preis und Verfügbarkeit werden selbst festgelegt, während Anfrage, Reservierung und Bezahlung voll digital abgewickelt werden können.

Ganz ohne Aufwand funktioniert das Vermieten allerdings nicht. Übergabetermine müssen vereinbart, Geräte kontrolliert und gelegentlich Fragen zur Bedienung beantwortet werden. Wer sein Werkzeug anbietet, sollte diesen Aufwand bei der Preisgestaltung berücksichtigen - dennoch kann es sich bei hochwertigem Equipment lohnen.

Was bei der privaten Vermietung zu beachten ist

Vor jeder Übergabe sollte der Zustand des Geräts gemeinsam kontrolliert und möglichst mit Fotos dokumentiert werden. Das gilt besonders für höherwertige Maschinen und empfindliches Zubehör.

Eine kurze Checkliste hilft, spätere Missverständnisse zu vermeiden:

Bei komplexen Baugeräten sollte auch darauf geachtet werden, dass der Mieter über die notwendigen Kenntnisse verfügt. Eine kurze Einweisung ersetzt keine fachliche Qualifikation.

Persönliche Schutzausrüstung, funktionierende Schutzvorrichtungen und die Bedienungsanleitung sollten ebenfalls nicht fehlen. Ein beschädigtes oder technisch zweifelhaftes Gerät gehört weder auf die eigene Baustelle noch in die Vermietung.

Bei wertvollen Maschinen empfiehlt es sich außerdem, eine etwaige Kaution vorab zu klären. Ohne eindeutige Vereinbarung entstehen sonst genau dann Diskussionen, wenn bereits etwas passiert ist.

Gemeinsame Nutzung spart nicht nur Geld

Ein professionelles Baugerät wird für eine lange Lebensdauer entwickelt. Trotzdem werden viele Maschinen nach einem einzelnen Bau- oder Sanierungsprojekt kaum noch verwendet.

Je häufiger ein bereits vorhandenes Gerät genutzt wird, desto weniger neue Maschinen müssen für denselben Zweck produziert, transportiert und irgendwann entsorgt werden. Das spart Ressourcen und reduziert den Platzbedarf in Kellern, Garagen und Lagerräumen.

Der ökologische Vorteil entsteht allerdings nur, wenn Geräte gepflegt, sinnvoll transportiert und möglichst lange eingesetzt werden. Auch hier gilt: Qualität und verantwortungsvoller Umgang sind wichtiger als möglichst viele kurzfristige Vermietungen.

Fazit: Nicht jedes Werkzeug muss im eigenen Keller landen

Ob sich Kaufen oder Mieten mehr lohnt, hängt von Nutzungsdauer, Verfügbarkeit, Anschaffungspreis und der späteren Verwendung ab.

Grundwerkzeug, das regelmäßig gebraucht wird, darf ruhig gekauft werden. Bei teuren Spezialmaschinen für wenige Einsatztage ist Mieten meist die naheliegendere Variante.

Wer ein Gerät während der gesamten Bauphase verfügbar haben möchte, kann es kaufen und nach Abschluss des Projekts weitervermieten. Damit wird aus einer einmaligen Anschaffung ein Werkzeug, das auch nach der eigenen Baustelle sinnvoll genutzt wird.