« Heizung, Lüftung, Klima  |

Verständnisfrage zu Schluckbrunnen: bestehender Brunnen, Sickerschacht

Teilen: facebook    whatsapp    email
   
  •  kubist
9.2. - 13.2.2024
3 Antworten | 2 Autoren 3
1
4
Wir überlegen gerade, welches Heizsystem wir für unser 2013er-Haus umrüsten - die Adaptierung ist ein bisschen eine Herausforderung, da wir am recht neuen Haus so wenig wie möglich zerstören wollten. LWWP ist bei uns komplexer, weshalb wir jetzt eher mit einer Tiefenbohrung/WW-WPWP [Wärmepumpe] liegäugeln.

In einem Fragethread dazu ( https://www.energiesparhaus.at/forum-unternehmen-fuer-tiefenbohrung-sole-wp-im-raum-marchfeld/76306 ) hat uns jemand nahegelegt, auch eine brunnenbasierte WWWP in Betracht zu ziehen.

Vielleicht sehen wir den Wald da vor lauter Bäumen nicht, oder kennen uns einfach zu wenig aus: aber wir haben im Haus bereits 2(!) Sickerschächte sowie einen Brunnen in ausreichendem Abstand zueinander. Der Brunnenschacht sieht so aus:


_aktuell/20240209815889.jpg

Die damaligen Bauherren haben sogar eine Wasserleitung (als Schlauch für Elektrokabel, da schaut aktuell das E-Kabel raus) in unseren Technikraum gelegt. Jetzt ist die Frage: kann man eigentlich rein theoretisch etwas davon für einen WW WW [Warmwasser]-WPWP [Wärmepumpe] auf Saug/Schluckbrunnenbasis nutzen? Welche Wasserleitungsquerschnitte hat man denn da üblich? Hat schon jemand seinen normalen Gartenbewässerungsbrunnen zwecks Wärmepumpe umgerüstet?

Alternativ könnten wir in diesen bereits eingefassten Brunnenschacht ein zweites Brunnenrohr für die WPWP [Wärmepumpe] bohren lassen?

Und wie ist das mit den Sickerschächten? Die sind ja eigentlich für starken Regen dimensioniert, darf man da den Ablauf der WPWP [Wärmepumpe] theoretisch reinleiten oder muss man dafür einen separaten Schacht anlegen?

  •  Peter2
  •   Silber-Award
12.2.2024  (#1)
Hier sind einige Dinge zu beachten. Es ist also nicht ganz so einfach.
1.) Wie ist die Grundwasserrichtung?
Grundwasser fließt immer in eine Richtung und der Schluck Brunnen muss immer in Grundwasserrichtung im Verhältnis zum Entnahme Brunnen liegen. Man würde sonst das bereits abgekühlte Wasser wieder der Wärmepumpe zuführen.
In Niederösterreich kann man das über den Niederösterreichatlas online abfragen.
2.) Wasserqualität.
Das Wasser muss diverse Anforderungen an die Qualität erfüllen. Am wichtigsten sind die Werte für Eisen und Mangan. Sind diese Werte erhöht kann es zur Verokkerung des Schluck Brunnen kommen. Dieser wird dadurch unbrauchbar.
Ein Wassertest in einem Labor ist hier anzuraten.
3.) Wassermenge.
Die Brunnen müssen genug Wasser fördern/ versickern können.
Das kann man mit Pumpversuchen feststellen. 
4.) Die Behörden.
Eine solche Anlage muß von der Behörde (BH) genehmigt werden. Das dauert und ist mit Bürokratie verbunden.
5.) Die zwei PE Leitungen gehen auch in den Technikraum? 
Du benötigst wenn der Zwischenkreistauscher in den Brunnen Schacht kann/darf mindestens zwei DN 32 Leitungen für die Sole. Die meisten dieser Wärmepumpen sind Sole Maschinen die mit einem Trenn - Zwischenkreistauscher arbeiten.
6.) Wie hoch ist der Grundwasserstand über das Jahr verteilt?
Wirklich Sinn macht die Grundwasser Wärmepumpe nur mit Saugheber da entsprechende Brunnenpumpen die genauso effektiv sind kaum am Markt verfügbar sind.
Ein Saugheber funktioniert nur wenn der Grundwasserstand nie tiefer als 9m unter dem höchsten Punkt der Grundwasserleitungen der Anlage liegen. Außerdem muss die Leitung im Schluck Brunnen unter der Wasserlinie enden.
In einem entsprechenden Sickerschacht muss dafür ein entsprechender Ausbau stattfinden da Oberflächenwasser nicht direkt ins Grundwasser fließen darf, er also auch nicht tief genug geht. Der Schacht wird ja weiterhin für die Regenrinne oder ähnliches genutzt wodurch ein solcher Ausbau nicht einfach wird. Alternativ könnte man auch einen eigenen Schluck Brunnen erstellen.
Hierfür gibt es bereits einige Beiträge hier im Forum. Einfach nach Saugheber suchen.
7.) Eigeninitiative
So eine Anlage wird in den seltensten Fällen von einem Installateur gut geplant. Dafür sind sie einfach zu selten. Also wenn man erwartet dem Installateur einfach zu sagen: " mach mal" wird es wohl nicht besonders gut geplant und am Ende auch funktionieren. Ohne selbst eine gewisse Zeit, Energie und Hirnschmalz zu investieren wirst nicht glücklich werden. Bei der finanziellen Investition sollte man das immer bedenken.
MfG von einem Besitzer so einer Anlage 
Peter

2
  •  kubist
13.2.2024  (#2)
Danke für die Infos - muss mal checken, welchen Leitungs-DN wir haben. Basierend auf dem Feedback soweit tendieren wir eh eher zur Sole-Tiefenbohrung, ist durch das geschlossene System für uns wahrscheinlich langfristig die bessere Investition... soweit wir es herausgefunden haben, haben wir im Marchfeld über die Jahre trotz Marchfeldkanal doch einen relativ stark schwankenden und tendentiell rückläufigen Grundwasserpegel, und mir kommt vor, als wären im Wasser ziemlich viele Mineralien.

1
  •  Peter2
  •   Silber-Award
13.2.2024  (#3)
Ich muss dir recht geben das nicht jedes Objekt für Grundwasser Wärmepumpen geeignet ist. Aber wenn du das oben genannte überprüft hast und es treten Zweifel auf oder eines davon ist komplett unerfüllbar dann brauchst eh eine alternative.
Die Kosten wären eventuell geringer. Das hilft aber auch nicht wenn in ein paar Jahren kein Grundwasser mehr zur Verfügung steht ect.
MfG
Peter 

1



Beitrag schreiben oder Werbung ausblenden?
Einloggen

 Kostenlos registrieren [Mehr Infos]

Nächstes Thema: HWB und Heizlast selbst (grob) ermitteln (PMPP o.ä.)