« Finanzierung

Verkaufen und neu kaufen - Abwicklung


Zusammenfassung
  •  titan
  •   Bronze-Award
15.6.2026
12 Antworten | 5 Autoren 12
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Hallo zusammen,

ich frage für einen Freund. Er hat eine Nachbarin die ihm das Leben schwer macht, bzw. hauptsächlich seiner Frau weil die den ganzen Tag zuhause ist. Nun überlegt er sein Haus zu verkaufen, aber das gestaltet sich alles sehr schwierig, zumindest in unserer Vorstellung bzw. aus unseren Gesprächen heraus.

Er stellt sich das alles so einfach vor, wobei ich das ganze gedanklich mit ihm durchgespielt habe. 
Erstmal 2 kleine Kinder, Frau nicht berufstätig. Häuserpreise gehen hier im Westen durch die Decke. Schulden noch ca. 300000 auf dem Haus. Wert des Hauses sag ich mal 700000...? so über den Daumen geschätzt.

Wie wickelt man sowas ab?

Man findet sein Traumhaus und möchte das aktuelle Haus verkaufen. Bei den Preisen aktuell sehe ich immer wieder dass Häuser monatelang oder länger inseriert werden. Wenn jemand also ein neues Haus gefunden hat, sagen wir mal in einer ähnlichen Preisliga oder etwas höher, wie wickelt man sowas ab? Gibt einem die Bank vorab einen Kredit? Was wenn ich das alte Haus nicht so schnell weg bekomme? Was wenn ich den Preis nicht erzielen kann?

Ich sehe das so dass man zuerst schaut die alte Bude loszuwerden, dann sich ne Wohnung sucht für die zwischenzeit, und wenn man dann ein neues Objekt hat die Finanzierung angeht. Schritt für Schritt also. Alles andere wäre mir zu riskant und unüberschaubar. Wobei die Variante mit zwischenzeitlich in eine Wohnung ziehen halt mit Kindern auch nicht so lustig ist. Alles in allem riesen Aufwand.

Warum die Fragerei? Ich wüsste nicht wie ich das angehen sollte. Und da ich den Freund von schnellschüssen fernhalten will frage ich hier mal in die Runde. Hat jemand sowas schon hinter sich? Wie ist das vonstatten gegangen?

  •  LiConsult
  •   Gold-Award
15.6.2026 11:33  (#1)
aus Finanzierungssicht: 
die Bank ermittelt den Wert des zu verkaufenden Hauses. 80% dieses Wertes abzüglich Vorlasten können rein rechnerisch zwischenfinanziert werden. Das bedeutet im konkreten Fall die geschätzten 700k mal 0,8 minus 300k = 260k
Die Differenz auf den Kaufpreis + Kaufnebenkosten des neuen Hauses müssen in einer langfristigen Finanzierung aufgenommen werden.

Sowohl die Zinsbelastung aus der Zwischenfinanzierung als auch die Annuität (Tilgung + Zinsen) aus der langfristigen Finanzierung muss ebenfalls in den regulatorischen Rahmen hinsichtlich Schuldendienstquote passen. Das bedeutet, dass dadurch maximal 40% (oder je nach Ausnahmekontingent auch mehr) des Nettoeinkommens der Kreditnehmer belastet werden dürfen.

Um die Fragen zu beantworten:

zitat..
titan schrieb: Gibt einem die Bank vorab einen Kredit?

ja, wenn die o.a. Voraussetzungen erfüllt sind

zitat..
titan schrieb: Was wenn ich das alte Haus nicht so schnell weg bekomme?

Dafür würde ich den Zeitraum für die Zwischenfinanzierung möglichst lange wählen - maximal sind 24 Monate möglich. Sollte diese Frist nicht ausreichen, muss man mit der finanzierenden Bank eine Lösung suchen.

zitat..
titan schrieb: Was wenn ich den Preis nicht erzielen kann?

Das wäre dann problematisch. Das Risiko sollte jedoch durch die bankinterne Bewertung (die tendenziell ohnehin schon konservativer ist) und die weiteren 20% Abschlag (es werden nur 80% angesetzt) gemildert sein.

zitat..
titan schrieb: Ich sehe das so dass man zuerst schaut die alte Bude loszuwerden, dann sich ne Wohnung sucht für die zwischenzeit, und wenn man dann ein neues Objekt hat die Finanzierung angeht. Schritt für Schritt also. Alles andere wäre mir zu riskant und unüberschaubar. Wobei die Variante mit zwischenzeitlich in eine Wohnung ziehen halt mit Kindern auch nicht so lustig ist. Alles in allem riesen Aufwand.

auch eine Möglichkeit - obwohl natürlich der organisatorische Aufwand mit sehr jungem Nachwuchs enorm sein kann. 

aus Immobilientreuhändersicht:
mit der Aufbereitung der Immobilie (Fotos, Bauakt, Marktrecherche, Durchführung allfälliger "behübschender" Maßnahmen, etc.) und der Vermarktung so früh wie möglich beginnen. Auch wenn entgegen den Erwartungen der Verkauf rascher über die Bühne gehen sollte, ist das immer noch eine "angenehmere" Problematik, als zu lange warten zu müssen bzw. in Verbindung damit unter Preisdruck zu geraten.

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  •  titan
  •   Bronze-Award
15.6.2026 11:47  (#2)
Danke für die ausführliche Erklärung. Das heißt im Grunde spielt da eine Bank mit, wenn Bonität und Bewertung passen. 

zitat..
LiConsult schrieb: Sowohl die Zinsbelastung aus der Zwischenfinanzierung als auch die Annuität (Tilgung + Zinsen) aus der langfristigen Finanzierung muss ebenfalls in den regulatorischen Rahmen hinsichtlich Schuldendienstquote passen.

Heißt das, man muss sowohl den alten Kredit bedienen können, als auch den neuen, oder wie ist das mit der Zwischenfinanzierung zu verstehen? Beispielsweise, ich kaufe das neue Haus und muss die Rate bedienen, was passiert mit der Rate vom noch nicht verkauften Haus? Stundung oder weiterzahlen? Sorry bin da nicht so drin in diesen Themen, möchte es aber verstehen...

Danke


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  •  LiConsult
  •   Gold-Award
15.6.2026 11:52  (#3)
gerne,

nein, der "alte" Kredit wird dann in der Berechnung nicht mehr berücksichtigt, da 80% des bankseitig festgestellten Verkehrswertes abzüglich "altem Kredit" ja zwischenfinanziert wird.

Die 40% (oder wie erwähnt je nach Bank auch mehr) betreffen die Zwischen- und langfristige Endfinanzierung

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  •  Dirm
  •   Bronze-Award
15.6.2026 11:54  (#4)
So in der Praxis, wenn man keine Ahnung von dem ganzen hat.
Weil man das passende Haus gefunden hat und es sich leisten könnte, heißt das nicht,  dass man es bekommt. Es muss auch noch die Bank rechtzeitig mitspielen, Verkäufer keinen schnelleren Käufer finden,  ... wir sind 3 mal gedanklich eingezogen.

Auch wenn man mal gekauft hat, der Verkauf ist auch stressig. Um einen guten Preis wirds keiner gleich kaufen. Wir hatten eine Zwischenfinanzierung bei der die Zinsen in der Finanzierung waren - wir mussten keine monatlichen Raten zahlen bis zum Verkauf (max 24 Monate). Somit waren wir zwar "freier" mit den Umzugs/Renovierungszahlungen, aber man hadert trotzdem mit jedem Monat, weil man damit am Ende Zwischenfinanzierungszinsen spart.

Bei uns waren u.a. auch Nachbarn ein Umzugsgrund. Haben aber auch wieder eine tolle Nachbarin erwischt. (Zumindest nur eine...)

Gibt es keine andere Lösung mit der Nachbarin? Bzw Verbündete?
Mit unserer haben wir auf verständnisvoll getan, bis wir alles nötige für dem Umzug hatten und dann sind wir ihr ziemlich direkt geworden und seitdem ist es ruhig geworden.

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  •  titan
  •   Bronze-Award
15.6.2026 11:54  (#5)
Achso, jetzt verstehe ich es.. Na gut, dann habe ich ein paar Fundierte Infos zum weitergeben. 

Danke

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  •  LiConsult
  •   Gold-Award
15.6.2026 12:04  (#6)
👍

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  •  titan
  •   Bronze-Award
15.6.2026 12:29  (#7)

zitat..
Dirm schrieb: So in der Praxis, wenn man keine Ahnung von dem ganzen hat.

Da es sich tatsächlich um einen Freund handelt für den ich Frage, muss ich sagen dass weder ich noch er Ahnung von der Materie haben. 

zitat..
Dirm schrieb: Weil man das passende Haus gefunden hat und es sich leisten könnte, heißt das nicht,  dass man es bekommt. Es muss auch noch die Bank rechtzeitig mitspielen, Verkäufer keinen schnelleren Käufer finden,  ..

Genau so stelle ich mir das vor, hauptsächlich stressig. 

zitat..
Dirm schrieb: Haben aber auch wieder eine tolle Nachbarin erwischt. (Zumindest nur eine...)

Das ist der nächste Faktor. Wer garantiert mir nettere Nachbarn? Niemand...

zitat..
Dirm schrieb: Gibt es keine andere Lösung mit der Nachbarin? Bzw Verbündete?

Naja, es ist halt so, er hat Kinder und die Nachbarin scheinbar ein Problem damit. Die Nachbarin weiß mittlerweile gut wie sie sie ärgern kann. Das tut sie so dass man sie dafür nicht belangen kann. Verbündete? Ja anscheinend schütteln andere Nachbarn auch den Kopf, aber außer Kopfschütteln halten sich da alle schön brav da raus solang es sie nicht direkt betrifft.

Das ist übrigens auch meine Erfahrung. Ich habe da auch so nette Exemplare als Nachbarn. Neid, Missgunst, Platzhirsch-Verhalten und Schwurbler, alles dabei. Aber was willst machen? Paroli bieten und auf Abstand halten. 
Wenn es mit freundlich sein nicht klappt dann wird halt entgegengesetzt was geht, auch verbal. Leider. Kostet Zeit, Nerven und Kraft, aber ich habe mich mehr oder weniger damit abgefunden.
Vor allem sehe ich da keinen Ausweg. Nachbarn sind halt da, du weißt nie wie es werden wird. Gibt keine Garantie dass sie nett bleiben. Wenn du ruhe willst musst du überall hin genug Abstand haben. Kann sich ein normaler Mensch bei uns nicht mehr leisten. 

Somit versuche ich meinem Kumpel klarzumachen dass er sich damit abfinden soll. 


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  •  speeeedcat
  •   Gold-Award
15.6.2026 12:59  (#8)
Zum Ablauf, wenn es mittels Zwischenfinanzierung und Bank gehen soll, wurde eh schon alles gesagt.

Die für mich westentlich entspannerte Version ist aber der Hausverkauf und Neukauf, also Zug um Zug, wie dir auch dein Gefühl gesagt hat. Dann hat man aus Verkäufersicht keinen zeitlichen Stress, dass eventuell der ZwiFi-Zeitraum zu kurz werden könnte. Denn der größte Feind bei einem Verkauf ist die Zeit. 

Und noch ein wesentlicher Faktor: die Zwischenfinanzierung kostet richtig Geld: meist 1% Pönale für die vorzeitige Rückführung des Altkredites, Eintragung Pfandurkunde 1,44% inkl. Nebengebührensicherstellung, Schätzgebühr, Zinskosten (ein wesentlicher Nachteil, sofern der Verkäufer aus der Zeit kommt, wo die Fixzinsen um 2% geringer waren als zurzeit), uswusf.

Da wäre für mich der Auszug und Umzug in ein temporäres Wohnverhältnis das weitaus geringere Übel (das Haus besenrein machen erspart sich der Verkäufer ohnedies nicht).

LG

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  •  titan
  •   Bronze-Award
15.6.2026 13:17  (#9)

zitat..
speeeedcat schrieb: die Zwischenfinanzierung kostet richtig Geld: meist 1% Pönale für die vorzeitige Rückführung des Altkredites, Eintragung Pfandurkunde 1,44% inkl. Nebengebührensicherstellung, Schätzgebühr, Zinskosten (ein wesentlicher Nachteil, sofern der Verkäufer aus der Zeit kommt, wo die Fixzinsen um 2% geringer waren als zurzeit), uswusf.

Genau das denke ich mir. Vielleicht hat man noch super fixverzinste Darlehen die dann auch weg sind. 


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  •  LiConsult
  •   Gold-Award
15.6.2026 13:26  (#10)
Nachdem der bestehende Hauskredit nach dem Verkauf so oder so "weg" ist (mit dem Verkaufserlös wird dieser abgedeckt und die Pönale - so vereinbart - fällt ohnehin an), macht das keinen Unterschied - das alte (möglicherweise niedrigst verzinste) Darlehen existiert dann nicht mehr. Unabhängig davon ob nun zuerst der Verkaufsprozess gestartet, in eine Mietimmobilie eingezogen und danach gekauft wird, oder im Wege der Zwischenfinanzierung der vor dem Verkauf stattfindende Kauf finanziert wird.

Rein kostenseitig sind je nach Verwertungsdauer der alten Immobilie die Kosten der Zwischenfinanzierung mit den Mietwaufwendungen gegenüberzustellen.

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  •  speeeedcat
  •   Gold-Award
15.6.2026 13:40  (#11)
Weil man nicht weiß, ob der Verkäufer zur Miete (und wenn ja, wie hoch die Miete ist) wohnen muss oder vielleicht auch bei den z.B. Eltern unterkommen kann, schrieb ich von

zitat..
speeeedcat schrieb: temporäres Wohnverhältnis

Bei einem alten top-Fixzins in Höhe von 1% ggü. 3,...% für eine ZwiFi macht das GAP allein schon 5-6K pro Jahr aus.
Dazu noch Pönale, Eintragung, Schätzgebühr usw.
Nur zur Klarstellung.

Meine Aufzählung dient lediglich der Veranschaulichung, welche Kosten dadurch entstehen. Die genauen Parameter wissen wir nicht. Aber titan kann seinem Freund damit auch die Kostenseite vor Augen führen.


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  •  brabsi
  •   Bronze-Award
15.6.2026 15:19  (#12)
Wir haben das vor ein paar Jahren auch gemacht.

Ich hätte aber NIE eine neue Hypothek unterschrieben, wenn ich die alte Bude noch nicht los gewesen wäre (bei uns wärs nicht tragisch gewesen, weil schuldenfrei, aber trotzdem)

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