Ich lese hier oft die Frage „Home Assistant oder KNX oder Loxone?“. Meiner Erfahrung nach ist das die falsche Frage. Home Assistant ist keine Alternative zu einem Bussystem, sondern die Ebene darüber. Wer das trennt, bekommt ein Haus, das auch dann funktioniert, wenn der kleine Server im Technikraum gerade ein Update macht.
Kurz vorweg: Ich plane und baue solche Anlagen beruflich (Smartmacherei, Oberösterreich).
Hier geht es aber nur um den Aufbau, nicht um Produkte von mir.
Die vier Ebenen:
1. Feldebene: Taster, Aktoren, Sensoren, Antriebe, Wärmepumpe, Wechselrichter.
2. Anbindung: der Weg vom Gerät zur Zentrale. Kabelbus (KNX, Loxone Tree), Funk (Zigbee,
Matter/Thread, Loxone Air), Netzwerk (Modbus TCP, HTTP-API, LAN).
3. Zentrale: das, was die Logik ausführt. Bei KNX sitzt sie in den Aktoren, bei Loxone im
Miniserver, dazu Home Assistant als übergeordnete Zentrale.
4. Bedienung: Taster an der Wand, App, Wandtablet, Sprache.
Die Regel, die ich jedem mitgebe: Was jeden Tag funktionieren muss, gehört in den Bus. Licht am Taster, Beschattung, Heizungsgrundregelung. Home Assistant bekommt alles, was systemübergreifend ist: eine Oberfläche für alle Systeme, Energie-Logik (PV-Überschuss auf Wallbox und Wärmepumpe), Anwesenheit, Benachrichtigungen. Fällt Home Assistant aus, fehlt der Komfort, nicht das Licht.
Was löst Home Assistant überhaupt? Warum nicht nur KNX mit Display oder Loxone mit App?
Weil beides an der Haustür des eigenen Systems endet. Ein KNX-Display oder eine KNX-Visu (Gira X1, MDT VisuControl, HomeServer) zeigt KNX. Die Loxone-App zeigt Loxone. Beides ist gut in dem, was am Bus hängt. Nur hängt in einem Haus von heute die Hälfte der Technik nicht am Bus:
Wärmepumpe, Wechselrichter, Speicher, Wallbox, Kameras, Türsprechstelle, Staubsaugroboter, Klimagerät, Lautsprecher.
Jedes davon bringt seine eigene App mit. Am Ende hat man sechs Apps, und die Automation „lade das Auto nur mit PV-Überschuss“ scheitert daran, dass Wechselrichter und Wallbox sich nicht kennen.
Bei Loxone lässt sich manches nachbauen: virtuelle Eingänge, Modbus, selbst geschriebene HTTP-Abfragen. Das ist Handarbeit je Gerät, und bei jedem Firmware-Update des Herstellers hofft man, dass die Abfrage noch passt. Bei KNX braucht jedes Fremdgerät ein Gateway, das es oft gar nicht gibt.
Home Assistant löst genau das:
- Eine Oberfläche für alles. Bus-Geräte und Fremdgeräte im selben Dashboard, auf Handy,
Tablet und Wandtablet. Die Loxone-App oder der KNX-Taster bleiben, aber man braucht sie nicht
mehr für den Überblick.
- Fertige Integrationen statt Handarbeit. Über 3.000 Integrationen, gepflegt von der
Community. Der Staubsaugroboter, die Klimaanlage, der Wechselrichter, die Wallbox: einmal
auswählen, fertig. Kein Herstellerzwang, kein Warten auf eine Extension.
- Logik über Systemgrenzen. PV-Überschuss auf Wallbox und Wärmepumpe, Klingel schaltet
Flurlicht am Bus, Staubsauger startet, wenn der Bus meldet, dass alle weg sind.
- Nachrüsten ohne Verteiler. Pool-Wärmepumpe ohne Buskabel, Klimagerät im Wohnzimmer,
ein Sensor, den es beim Bus-Hersteller nicht gibt: per API, Modbus, Zigbee oder Matter, und
der Wert geht als Eingang zurück in die Buslogik.
- Lokal, ohne Abo, ohne Cloud.
Was Home Assistant nicht löst und auch nicht soll: den Taster an der Wand. Licht, Beschattung und Heizung bleiben im Bus, damit sie ohne Server funktionieren. Home Assistant ist die Klammer darüber, nicht der Ersatz darunter.
Variante A: Home Assistant mit KNX als verkabelter Basis
So sieht das bei einem Neubau oder einer Kernsanierung aus (im Bild blau markiert, was direkt über
Home Assistant läuft; alles andere hängt am KNX-Bus und funktioniert ohne Server):
- Schalten, Dimmen, Jalousieaktoren, Präsenzmelder an der Decke: KNX, verkabelt. Die Logik
„Taster drücken, Licht an“ läuft im Aktor, ohne Server.
- Beschattung: entweder zentral über den KNX-Jalousieaktor oder dezentral je Fenster mit einem
Shelly 2PM Gen4, der per Matter über WLAN direkt in Home Assistant landet.
- Präsenz: KNX-Melder an der Decke. Fensterkontakte im Neubau als Reedkontakt auf einen
KNX-Binäreingang verdrahten; ein Funk-Kontakt wie der Aqara P100 nur dort, wo kein Reedkontakt
liegt. Rauchmelder: X-Sense, vernetzt über die SBS50-Basis, meldet nach Home Assistant, der
Alarm läuft auch ohne HA.
- Heizung, Wärmepumpe, Wechselrichter, Speicher, Wallbox: Modbus TCP oder die lokale
HTTP-Schnittstelle des Geräts. Keine Hersteller-Cloud dazwischen.
- Kameras, Türsprechstelle, Multiroom-Audio: LAN, lokale Schnittstelle.
- Home Assistant: KNX-IP-Router, Matter-Server für die Shelly Gen4, Modbus- und API-Integrationen. Läuft als Home Assistant OS auf Home
Assistant Green oder einem Mini-PC mit SSD, kleiner USV und automatischem Backup, feste IP im eigenen Smart- Home-VLAN.
Variante B: Loxone als Basis, Home Assistant als gemeinsame Oberfläche
Wer schon Loxone hat oder eine komplette Raumautomation aus einer Hand will, lässt den Miniserver die Grundautomation machen: Licht, Beschattung, Raumregelung, Alarm, Zutritt, Lüftung, Energiemanager mit Wallbox. Der Miniserver Compact bringt Tree, Air und Link schon mit, eine Air Base Extension braucht es nicht. PV, Wärmepumpe und Zähler hängen per Modbus TCP direkt über das Netzwerk am Miniserver, ohne Modbus Extension. Auf DALI verzichte ich in der Loxone-Variante: die Loxone-Dimmer und der RGBW Dimmer Tree decken das ab, ein DALI-Gateway wäre nur Zusatzkosten.
Home Assistant liegt darüber und holt sich die Loxone-Geräte über eine Integration als eigene Geräte, samt Echtzeitwerten. Multiroom-Audio bleibt in Loxone (Audioserver oder Wireless Speaker), weil Ansagen, Klingel und Wecker dann direkt aus der Loxone-Logik kommen. Über Home Assistant laufen dann nur noch: Netzwerk, Kameras und Türsprechstelle, Sprachassistent, das gemeinsame Dashboard und Geräte, die es bei Loxone nicht gibt (im Bild blau markiert). Werte aus Home Assistant können als Eingänge zurück in die Loxone-Logik.
Ergebnis: eine Oberfläche für alles und wenn Home Assistant aus ist, läuft das Haus wie vorher.
Wann welche Variante
- In beiden Fällen ist Home Assistant die Klammer für Energie, Fremdgeräte und Bedienung.
Und in beiden Fällen gilt: nichts Sicherheitsrelevantes hängt allein an Home Assistant.
Typische Fehler, die ich sehe:
- WLAN-Geräte mit Cloud-Zwang. Bei 40 Geräten im WLAN und einem Hersteller, der den Dienst
abschaltet, ist Schluss.
- Zigbee und Thread auf einem Stick. Klingt praktisch, ist im Alltag instabil.
- Kein Backup, keine USV, Server auf einer SD-Karte.
- Doppelte Visualisierung: jeden Eingang in der Loxone-Visu und nochmal in Home Assistant
pflegen. Besser: eine Oberfläche entscheiden, die andere nur als Rückfallebene.
Wenn jemand seinen geplanten Aufbau hier reinstellt, schaue ich gern drüber. Fragen zu den beiden Skizzen beantworte ich hier im Thread.