» Diskussionsforum » Passivhaus-Forum

Erfahrung mit Passivhäusern?

11 Beiträge | letzte Antwort 16.6.2015 | erstellt 13.6.2014
Hallo,

man liest und hört viel Positives über Passivhäuser.

Jetzt mal die Frage an Leute die in einem Passivhaus wohnen:

- Wurden Eure Erwartungen erfüllt? Gibt es Kritikpunkte?
- Welche unerwarteten Probleme können auftreten?

Vielen Dank,
Marcus
13.6.2014 12:00


Mar schrieb: Wurden Eure Erwartungen erfüllt? Gibt es Kritikpunkte?

Ja, dass es verschiedene Definitionen von Passivhaus gibt, das macht die Kommunikation schwieriger. Weiters denke ich, dass es einen Preisaufschlag von Proffesionisten gibt, wenn diese Passivhaus hören.


Mar schrieb: Welche unerwarteten Probleme können auftreten?


Der Bauablauf sollte genau geplant werden, denn ein teilfertiggestelltes Passivhaus lässt sich nicht mit der (richtig ausgelegten) Heizung heizen. Dies trift teilweise auch auf Niedrigstenergiehäuser zu.
13.6.2014 15:14
aus meiner persönlichen Sicht. Andere könnens anders sehen:

Also was waren unsere Erwartungen. Niedrige Energiekosten, angenehme Wärme im Winter und angenehme Kühle im Sommer.
Gleich vorweg, das hätte wohl ein sehr gutes Niedrigstenergiehaus mit KWL auch hinbekommen. Muss man also die Mehrkosten fürs Passivhaus tragen oder kriegt man sie jemals wieder rein, ist eine Sache die eine Glaskugel und einen philosophischen Abend benötigt. Ich lass es dahingestellt, die Energiepreise der Zukunft werdens zeigen, aber nicht immer ist das das Hauptargument dafür oder dagegen. Bei uns wars die Förderung, weil wir für die Wohnbauförderung zuviel verdienen und somit ist es ein PH geworden, um zumindest etwas zu bekommen.

Nachdem wir vor 1-2 Wochen unsere erste Jahresabrechnung von Strom und Wasser bekommen haben, wo wirklich ein ganzes Wohnjahr abgebildet war, kann ich sagen, dass wir das Haus im Monat mit 100 Euro betreiben, also Strom, Wasser, Warmwasser, Gartenbewässerung. Das ist also ein angenehmer Wert mit dem wir gut leben können.
Solang du eine gute Beschattung im Sommer hast ist es angenehm kühl und im Winter frierst du nicht auch ohne Heizung. Die Kritikpunkte sind besonders im Winter die niedrige Luftfeuchtigkeit und naja wenn man das so sagen will, die großen Fensterflächen, die mehr kosten und geputzt gehören. Ein weiterer Vorteil ist, dass du immer Frischluft hast und nicht lüften brauchst. Die Luft ist nie abgstanden. Manche Lüften aber gern und denen machts nichts. Wir öffnen die Fenster nur zum putzen. Dafür schauen wir auch dass die Außentüren geschlossen bleiben und nicht sperrangelweit offen stehen, um das System nicht zu stören.
14.6.2014 19:55
Naja
eine KWL kann man ja auch haben, wenn man kein Passivhaus hat. Z.B. hat ja auch ein Niedrigenergiehaus eine KWL.

Was ein Passivhaus ist, ist ja rel. genau definiert.
Beim Niedrigenergiehaus sind Definitionen weniger genau. Doch würde ich mal sagen, dass für ein Niedrigenergiehaus beim Blower-Door Test ein n_50 Wert von 1,5 1/h (habe auch schon Bundesländer erlebt, die 1,0 1/h für die Förderung als Kriterium hatten) ausreicht während dieser beim Passivhaus max. 0,6 1/h sein darf.

Als Niedrigenergiehaus galt immer, dass der Heizwärmebedarf unter 50 kWh/m² im Jahr liegen muss, beim Passivhaus sind es 15 kWh/m² im Jahr (oder maximale Heizlast 10 W/m²).

Also es gibt schon Unterschiede.

Die Energiekriterien machen letztlich ein Passivhaus aus würde ich mal sagen.


Ja, dass es verschiedene Definitionen von Passivhaus gibt,


In anderen Ländern gibt es z.T. andere Passivhauskriterien.

Offiziell gilt in Österreich der Energieausweis der ja bei Neubauten (und auch Vermietung/Verkauf von Immobilien) gesetzlich vorgeschrieben ist. Dieser wird wohl auch für die Förderung herangezogen.

Eine Berechnung nach PHPP hat meines Wissens bei Föderungsstellen, Baubehörden etc. nach keine Rechtgültigkeit in Österreich, kann aber vom Kunden als Qualitätskriterium gefordert werden.

Wichtig auch. die Bezugsflächen auf die sich die Energiekennzahlen beziehen (PHPP - OIB) !!!



18.6.2014 12:23


halfway schrieb: Gleich vorweg, das hätte wohl ein sehr gutes Niedrigstenergiehaus mit KWL auch hinbekommen.


Die Rede war also von einem Niedrigstenergiehaus und nicht einem Niedrigenergiehaus.

Wir für unseren Teil bauen ein möglichst gutes Niedrigstenergiehaus mit KWL, aus dem einfachen Grund weil mit 50er Ziegel kein richtiges Passivhhaus zu realisieren ist. Dennoch orientieren wir uns an den Ansätzen des Passivhauses (Wärmebrücken/Fensterausrichtung/Dichtheit <0,6/Dämmwerte) soweit diese sinnvoll erreichbar sind, und denken damit ein gutes Verhältnis von Aufwand/Kosten/Leistung zu erzielen.

Dennoch finde ich das Konzept Passivhaus sinnvoll und zukünftig erstrebenswert.
18.6.2014 14:39


Executer schrieb: ennoch orientieren wir uns an den Ansätzen des Passivhauses (Wärmebrücken/Fensterausrichtung/Dichtheit <0,6/Dämmwerte) soweit diese sinnvoll erreichbar sind, und denken damit ein gutes Verhältnis von Aufwand/Kosten/Leistung zu erzielen.

bin da ganz bei Dir.

Ich finde persönlich das Konzept des Standard Solarhauses von Steixner wirtschaftlicher und umweltfreundlicher obendrein, da es nicht so viel Ressourcen bei der Errichtung verballert.
http://www.steixner.com/inhalt/architektur/einfamilienhaeuser/einfamilienhaeuser.htm

14.7.2014 18:02
Wir wollten ursprünglich auch ein Passivhaus bauen aber die Mehrkosten von rund 30.000 Euro haben uns dann doch davon abgebracht. Wir bauen jetzt ein Liapor-Niedrigenergiehaus mit KWL. Die Mehrkosten die das Passivhaus verursacht hätte, hätten sich nie amortisiert. Für 30.000 Euro kann ich viel Strom kaufen (Aus dem selben Grund haben wir auch auf eine Photovoltaikanlage verzichtet).
23.7.2014 16:59
Eingeschränkt nützliche Antwort von mir - denn wir haben noch keinen Winter im Haus verbracht. Und wir hatten auch keine Erwartungen, aber unsere Baufirma baut nunmal Passivhäuser.

Unsere bisherigen (Sommer-) Erfahrungen:

- Wenn man morgenes die Türen&Fenster schließt und die Beschattung runterlässt, bleibt das Haus kühl wie ein Kühlschrank. Auch im Dachgeschoß, auch während der Hundstage neulich. Das ist absolut großartig.
- bei geschlossenen Fenstern eine Pizza oder einen Kuchen backen ist im Sommer hingegen keine gute Idee. Ebensogut könnte man einheizen. Im Winter ist das dann wohl ein Vorteil.
- Die Lüftung ist genial. Niemals abgestandene Luft, selbst wenn drei Personen in einem kleinen Zimmer bei geschlossenen Fenstern schlafen ist sie in der Früh frisch. Ein völlig neues Lebensgefühl. (empfehle KWL also auch für andere Häuser!)
- wir haben eine Wärmepumpe am Rücklauf der Fußbodenheizung dranhängen, die Warmwasser macht. Das kühlt den Boden leicht ab. Im Sommer empfehlenswert.

Zur Info: Unser Haus ist aus Holz mit Zellulose-Dämmung (System von www.weissenseer.at). Sehr empfehlenswert.
23.7.2014 17:11


Trallala schrieb: - wir haben eine Wärmepumpe am Rücklauf der Fußbodenheizung dranhängen, die Warmwasser macht. Das kühlt den Boden leicht ab. Im Sommer empfehlenswert.

erstmal dachte ich dass PH keine FBH brauchen... aber die Idee eine WP an den RL zu hängen finde ich sehr spannend - kannst Du mehr dazu sagen?
28.5.2015 13:29
Ich wohne leider (noch) nicht in einem PH, aber das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Die Planungen laufen schon recht konkret. Momentan sind wir aber noch auf der Suche nach einem passenden Grundstück. Von daher kann ich dir leider keinen Erfahrungsbericht liefern. Vielleicht aber kann ich dir mit einem, wie ich finde, sehr interessanten Artikel zum Thema Passiv Häuser ein wenig weiterhelfen. Lies dir mal http://architekten-scout.com/energie/das-passivhaus-eine-uebersicht durch, da steht vieles drin was ich bei der Lektüre der Üblichen Quellen so gar nicht gefunden habe. Außerdem gibt es noch interessante Links zur weiteren Lektüre.
LG
29.5.2015 16:45
also grundsätzlich war mir die normierung egal ob es nun ein passiv oder niedrigenergiehaus ist egal.
als techniker wollte ich jedoch eine möglichst niedrige EKZ und KWL. die verbindung von beidem ergibt zwangsläufig ein passivhaus. ordentliches bauen setze ich ebenfalls voraus und so ist die luftdichte sowie wärmebrückenfreiheit ebenfalls mit intrgriert.
den terminus "passivhaus" hab ich während der gesamten bauzeit möglichst vermieden. tatsächlich reagieren völlig unbeteiligte sofort auf die investitionswilligen und verlangen einen passivhausaufschlag.

das haus ist grundsätzlich nicht anders als andere. man braucht wenig heizenergie. deshalb auf heizquellen zu verzichten ist allerdings nicht zu empfehlen. wir konnten unser noch ungedämmtes haus auch bei dem vergangenen milden winter nicht mit der WP heizen. das schafften nur zusätzliche heizquellen. das aber die bodenplatte bereits massiv eigepackt war hat man schon sehr gemerkt. auch die gut dämmenden fenster hat man schon gemerkt. war immerhin die wärmsten stellen an den wänden. jetzt vor kurzem haben wir die dämmung (größtenteils) gemacht. während der vergangenen kühleren periode hat man schon massiv die nun vorhandene dämmung bemerkt. die temperatur ist abends nur wenig abgesunken und die wandstellen wo schon dämmung ist kühlen kaum noch ab.
die förderung ist mittlerweile durch die bereits brutal niedrigen zinsen keine investitionsmotivation. die kosten bis zur bewilligung (eintragung, notar, bestätigungen,...) sind höher als die einsparung. die technische bewilligung ist (zumindest in NÖ) beim passivhaus leichter. und das ist sicherlich auch tatsächlich so: jemand der sich entschließt ein passivhaus zu bauen, entscheidet sich bewusst, sich intensiv mit der thematik auseinander zu setzen oder jemanden damit zu beauftragen.
jemand der ein auto kauft weil es eine start/stop automatik hat sitzt jedoch im auto nicht besser oder schlechter als jemand mit viel sprit verbrauch. so ist auch das leben im passivhaus nicht zwangsläufig anders al im EKZ100 haus.
16.6.2015 10:27


Executer schrieb: Dennoch orientieren wir uns an den Ansätzen des Passivhauses (Wärmebrücken/Fensterausrichtung/Dichtheit <0,6/Dämmwerte) soweit diese sinnvoll erreichbar sind, und denken damit ein gutes Verhältnis von Aufwand/Kosten/Leistung zu erzielen.
Dennoch finde ich das Konzept Passivhaus sinnvoll und zukünftig erstrebenswert.

das würde ich für mich so unterschreiben...


BAU2014 schrieb: als techniker wollte ich jedoch eine möglichst niedrige EKZ und KWL. die verbindung von beidem ergibt zwangsläufig ein passivhaus. ordentliches bauen setze ich ebenfalls voraus und so ist die luftdichte sowie Wärmebrückenfreiheit ebenfalls mit intrgriert.

das ebenfalls ...

der eigentliche sieg der passivhausentwicklung hat ja nicht am kern-passivhaussektor stattgefunden, sondern am lückenschluß der 'konventionellen' bauweise nach oben.

so steckt ja mittlerweile zum glück in jedem zeitgemäßen neubau einiger passivstandard drinnen.
über den dichten fenstereinbau diskutiert eh niemand mehr, bauphysikalische betrachtungen des wandaufbaus sind standard, u-werte nähern sich auf breiter basis der 0,1-er schwelle, blowerdoor ist standard, kwl wirds gerade...

und alle die schon drinnen wohnen diskutieren gar nicht mehr über amortisationszeiten versus förderungen, weil das wohngefühl so großartig ist daß man es einfach nicht mehr missen möchte ...


BAU2014 schrieb: jemand der sich entschließt ein passivhaus zu bauen, entscheidet sich bewusst, sich intensiv mit der thematik auseinander zu setzen oder jemanden damit zu beauftragen...

was wiederum den bauherren und der branche zum vorteil gereicht.

ich habs auch so wie du durch langsame sanierung mit viel eigenleistung erleben dürfen wie einzelne maßnahmen wirken. freu mich schon auf weitere berichte von deinem haus im nächsten winter ...


Dieser Thread wurde geschlossen, es sind keine weiteren Antworten möglich.