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ÖNORM H6038

29 Beiträge | letzte Antwort 3.4.2014 | erstellt 5.2.2014
Ich finde die Norm leider nirgends frei zugänglich (ich weiss, ist keine Überraschung) und weiss daher nicht was drinnen steht. Soll man diese Norm jetzt vertraglich vereinbaren?
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8.2.2014 16:21
Ich bemühe mich, die Dinge so zu erklären, dass sie nachvollziehbar sind. Man kann ja viel behaupten, man muss es aber auch plausibel erklären können. Das ist natürlich nicht immer ganz einfach.


Vectra schrieb: Noch eine Frage: Wie stehst du zu Luftbefeuchtung und Feuchterückgewinnung?


Feuchterückgewinnung ist bei Nutzungen mit geringerer Feuchtefreisetzung als in Wohnungen (Büros, Schulklassen, Kindergärten) eine zu bevorzugende Strategie. In der Wohnungslüftung bei normaler Belegung und Bedarfssteuerung nicht unbedingt erforderlich. Da eine Feuchterückgewinnung und vor allem eine Befeuchtung höhere Kosten in der Anschaffung und bei der Wartung verursachen (auch kürzere Lebensdauer), plane ich diese nur ein, wenn es nicht anders möglich ist.
8.2.2014 16:36


Vectra schrieb: 0,35 l/s pro m² Bodenfläche bei Belegung und mindestens 0,1 l/s pro m² Bodenfläche ohne Belegung. Das Lüftungssystem müsste dann für 0,35 l/s pro m² Bodenfläche ausgelegt werden.


zum notwendigen Mindestluftwechsel zur Abführung belegungsunabhängiger Lasten haben wir auch in der Arbeitsgruppe recherchiert. Die bestehenden alten Normen geben hier sehr hohe flächenbezogene Lasten an, die nicht mehr zeitgemäß sind.
Einer meinte sogar, weniger als 0,3-facher Luftwechsel wäre sogar gefährlich. Ich meinte darauf: dann müssen wir sofort die Medien informieren, dass Häuser ohne Lüftungsanlage nicht mehr betreten werden dürfen
8.2.2014 21:53
In einigen Jahren werden Geräte bzw. Sensorpakete vorhanden sein, die man einfach zu Hause aufstellen kann und die dann nicht nur den CO2 Gehalt, sondern auch den Gehalt an Formaldehyd, Ozon, Ammoniak usw. messen werden.

Das ist aber noch Zukunftsmusik.
Der Formaldehydgehalt in der Raumluft beträgt ca. 0,01 bis 0,04 ppm. Es gibt auch heute schon Geräte die diesen direkt anzeigen, aber die Geräte sind vermutlich noch nicht ausreichend genau.
Wenn man heute den Formaldehydgehalt mit direktanzeigenden Geräten misst muss man z.B. auf andere Aldehyde aufpassen die die Messung stören (Interferenzen).

Ozon kann heute z.B. mit Geräten von 2B Technologies gemessen werden. Glaub diese Geräte beruhen auf UV-Absorption.
Auch NOx, Staub bzw. Feinstaub, VOC usw. können heute schon gemessen werden.

Einen guten Richtwert für "reine Luft" zu finden ist schwer, aber ca. 4000 Partikel größer als 0,02 Mikrometer per m³ Luft soll ein guter Richtwert sein.

Sehr kritisch für Kleinkinder sind z.B. neue Matratzen oder frisch gestrichene Räume. Teppiche die z.B. gute gereinigt werden, sind weniger kritisch.

Naja, lassen wir uns überraschen welche Stoffe wir in Zukunft mit den neuen Geräten noch in der Raumluft finden werden


8.2.2014 22:11
Hier
http://www.twobtech.com/

Ein bisschen zum Stöbern ...
9.2.2014 22:29
Ein paar Gedanken...
Also, wenn ich das hier so lese (im Allgemeinen, nicht auf einen User bezogen), dann mutiert die KWL zum LAG - Luft Analyse Gerät. Dann darf die Lüftung nur dann laufen, wenn der Ozongehalt der Aussenluft konform geht mit einem Grenzwert, der willkürlich in einem Druckwert festgelegt ist, nicht überschritten wird. Berücksichtigen muss man auch den Radongehalt der Aussenluft und die Relation Feuchte zu CO. Eventuell kann das Lüftungsgerät dann trotzdem nicht laufen, da der Sonnenstand nicht passt im Kontext mit einer "Nichtbelegung" des Wohnraumes...????? *Ironie aus*

Es hat den Anschein, dass hier die wichtigste Funktion einer KWL bald vergessen wird: nämlich ein kontrollierter Luftaustausch in (Wohn-)Räumen. Mit welcher Luftwechselrate, darüber kann man diskutieren, aber wenn sich der Trend der letzten Jahre fortsetzt, dann sprechen wir in ca. 10 Jahren von einem Luftwechsel 0,015???? Wozu noch KWL? Bauen wir halt die zukünftigen Häuser nicht mehr so dicht, den Rest macht der Wind.
Und gespannt bin ich dann auch auf die Regelelektroniken der Zukunft: Da brauchst dann einen Octacore Prozessor mit 4 GB RAM, damit man alle diese Parameter berücksichtigen kann, oder? Dann kostet ja schon das einfache Gerät 15.000 Euro, ohne Rohre und Zubehör. Von den Reparaturkosten zu schweigen.

Ich bin der Meinung, dass jeder seinen Luftwechsel selbst bestimmen soll, unabhängig von irgendeinem Regelwerk. Wenn er mit der Mindestluftmenge zufrieden ist - o.k. Wenn ein anderer volle Pulle aufdreht - auch o.k. er muss damit leben, nicht die Norm. Gott sei Dank hat es jeder (noch) selbst in der Hand (buchstäblich )

So wollte mal meine Gedanken hier loswerden und noch eine Weisheit loslassen: Nicht die Normen wohnen oder leben in den Häusern, sondern die Menschen selbst...

P.S. Werde mir auch die neue Norm "geben"

9.2.2014 23:02
@energie_experte

ich denke Du hast den Sinn einer Norm falsch verstanden und interpretiert. Eine Norm ist nicht dazu da, alles gleich zu machen und Individualismus auszuräumen.
Der Sinn dahinter ist, eine Mindestanforderung zu definieren, um den Nutzer zu schützen, wenn dieser eine Wohnraumlüftung bestellt. Gäbe es eine Normenanarchie, wie würden die Häuser wohl aussehen? Überlegt doch einmal.

Angst vor zu viel Regelungstechnik? Dann gibt es keine Zentralheizung mit Einzelraumregelung mehr (nur mehr Einzelofen mit Naturzug), keine Solaranlage, keine PV, keine ... und Autos wie wir sie kennen schon gar nicht.

Wir haben nun über ein Jahrzehnt Erfahrung mit Lüftungsanlagen, deren Lüftungsstärke den Nutzern überlassen war. Das Ergebnis: in vielen Fällen unbefriedigend, da es bei Dauerlüften (auch bei Abwesenheit) zu trocken wird. Der Nutzer will nicht ständig an seiner Lüftung herumdrehen. Der Mensch hat auch keine ausreichende Sensorik um sich zu schützen. Genauso wenig will er dauernd an der Vorlauftemperatur und an der Heizungspumpe herumdrehen, weil es von einer Stunde auf die andere zu heiß oder zu kalt geworden ist. Das sollte eine moderne Regelung übernehmen.

Wer würde heute Fenster ohne Dichtung kaufen? Selbst meine uralte Großmutter nicht, obwohl sie die meiste Lebenszeit damit verbracht hat. Allerdings hatte sie 2 kohle- und holzbeheizten Einzelöfen in einer 3-Zimmer Wohnung, die für die nötige Entlüftung der Räume gesorgt hat, wenn sie befeuert waren. Die Raumluftfeuchte lag allerdings auch unter 30% und alle waren angeblich pumperlgsund. Gelüftet wurde nur, wenn es in der Übergangszeit mit den nicht regelbaren Öfen zu heiß wurde und wenn es draußen warm war.
Sie lebt heute in einer Wohnung mit KWL und hat ihr Lüftungsverhalten nicht ändern müssen (wenns kalt ist, regnet oder schneit, oder windig ist, bleiben die Fenster zu, und jedenfalls auch in der Nacht). Ich bin mir sicher, sie würde nicht mehr in ihre alten 4 Wände zurück.

Ich habe schon viele Wohnungen besucht, in denen nur bei Schönwetter gelüftet wird. Die kleinen Kinder, die darin wohnen müssen, haben mir leid getan. Die Eltern haben es in der Hand zu lüften, tun es aber nicht, weil sie Angst haben, dass sich die Kinder sonst verkühlen. Das Bewusstsein fehlt und der Energiespar- und Komfortgedanken diktiert das Lüftungsverhalten. Gibt es eine andere Alternative für den modernen Menschen?

10.2.2014 17:43
Wenn es generell
um Lüftungen, Luftwechselzahlen und vor allem relative Feuchtigkeiten geht, müssen sich oft Auftraggeber und Planer genaue Details vereinbaren.

Oft sind die Projekte sehr speziell, z.B. bei Museen, Galerien oder Laboratorien. Hier weiß meist der Auftraggeber welche Raumzustände erwünscht sind bzw. nicht über- oder unterschritten werden dürfen.

Oft sind es die relativen Luftfeuchtigkeiten, die ein wichtiges Kriterium darstellen. Wir haben bei Studium mal eine Exkursion in ein Laboratorium gemacht in dem die relative Luftfeuchtigkeit möglichst exakt (glaube) 44 % (+/- 2 %) betragen durfte usw.

Gerade hier sind Planer gefordert.
11.2.2014 20:16


sir_rws schrieb: ich kann die Norm also ruhig als Vertragsbestandteil aufnehmen. Muss aber nicht. Kann ich in dem einen bzw. im anderen Fall Nachteile deswegen haben?


ich würde nur die normen in den vertrag aufnehmen in denen ich auch sattelfest bin


leitwolf schrieb: Da die ÖNORM nur Mindestanforderungen festlegt, kann das für höhere Qualitätsansprüche nicht ausreichend sein.
Bei der Akustik empfehlen sich beispielsweise die Qualitätskriterien von komfortlüftung.at heranzuziehen.


mitunter könnten sich hier norm und qualitätskriterien widersprechen und mit dem ergebnis bist dann erst nicht zufrieden. schreib lieber explizit deine forderungen und ansprüche rein, die kannst ja ableiten aus beiden quellen...
3.4.2014 17:24
luftfeuchtigkeit
da im vor-dunstabzugshauben-zeitalter auch gelebt werden konnte:
? welche erfahrungen / meinungen gibt es, im kaskaden-modell die feuchte-produzierenden bereiche ( bad, küche,..) in den ZULUFT-strang zu einzubauen ?
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